Aachen: Auch der schwarze Tag ist dokumentiert

Aachen: Auch der schwarze Tag ist dokumentiert

Die Premierenvorstellung am 17. April diesen Jahres im Capitol war ausverkauft. In den anschließenden elf Wochen sahen rund 1300 Kinogänger „die Abenteuer aus der Soers“. Keine Frage, die beiden Aachener Filmemacher Miriam Pucitta und Michael Chauvistré haben mit ihrem ebenso informativen wie unterhaltsamen Dokumentarfilm „Friede, Freude, Eierkuchen“ einen großen Erfolg gelandet.

Und weil die Nachfrage weiter angehalten hat, haben sie die engagierten Regisseure ihr sehenswertes Zeitdokument auf eine DVD pressen lassen und sie dazu noch mit Bonusmaterial angereichert.

Pucitta und Chauvistré halten in ihrem Streifen die Wege und Irrwege, die Kompromisse und die Streitereien auf dem steinigen Weg zum neuen Tivolibau fest. Politiker kommen ebenso zu Wort wie verärgerte Kleingärtner und Umweltschützer. Denn immerhin musste ein Landschaftsschutzgebiet für das neue Stadion weichen. Dass ausgerechnet mit dem ersten Spatenstich auch der vorläufige Untergang des Traditionsvereins Alemannia Aachen eingeleitet werden sollte, war damals allerdings nicht abzusehen. Um so interessanter wirkt der Film nun angesichts der aktuellen Entwicklung.

Dabei bieten auch die Extras aufschlussreiche Szenen von denkwürdigen Pressekonferenzen, wie beispielsweise die Ausschnitte vom „schwärzesten Tag“ der Alemannia, an dem sie ihre Insolvenz öffentlich bekanntgab. Auch die Stellungnahmen der Stadt vom gleichen Tag, dem 16. November 2012, haben Pucitta und Chauvistré in Wort und Bild festgehalten. Weitere Kapitel über den Abschied vom alten Tivoli und der Kleingartenanlage Rolands sowie über Jürgen Linden und den Stadionneubau runden das gelungene DVD-Projekt ab. „Das ist ein sehr interessanter, grandioser Film. Er stellt die Entwicklung der Soers und auch der Alemannia ungeschminkt dar“, sagt Ex-Alemannia-Präsident Horst Heinrichs.

Neben ihm bezeichnet Filmemacherin Miriam Pucitta auch Hubert Coonen, den Vorsitzenden der Kleingartenanlage Groß Tivoli, als übrig gebliebene „intakte Protagonisten“ der Dokumentation.

„Damals haben wir nicht daran geglaubt, dass wir in neuer Umgebung so glücklich werden“, blickt Coonen auf die vergangenen Auseinandersetzungen mit der Alemannia zurück. Die Anlage musste wegen des Tivoli-Neubaus ihr Areal aufgeben und umziehen nach Berensberg. 2009 feierten Coonen und Co. die offizielle Eröffnung. „Es hört sich bitter an, aber so wie es mit der Alemannia bergab ging, ging es mit uns bergauf. Wir haben unser Paradies gefunden.“

Ob Alemannias möglicher Neuanfang nach der Insolvenz ein weiteres Thema für die engagierten Filmemacher sein könnte. „Das ist durchaus denkbar“, sagen sie.

Teil 2?

Vier Jahre hat die Produktion ihrer aktuellen Dokumentation gedauert. Würden sie im kommenden Jahr loslegen, wäre mit einer Veröffentlichung spätestens im Jahr 2017 zu rechnen. Wenn die Alemannia dann wieder im Profifußball angekommen wäre, könnten der Streifen durchaus „Friede, Freude, Eierkuchen, Teil 2“ heißen.

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