Aachen: Auch der Schneidbrenner für Frauen ist kein Problem

Aachen : Auch der Schneidbrenner für Frauen ist kein Problem

Ohne Berührungsängste schneidet Svenja Luther mit dem Schneidbrenner ein Herz aus einem Metallstück. Konzentriert folgt sie der vorgezeichneten Linie, ohne sich von den sprühenden Funken beeindrucken zu lassen.

„Sie macht das richtig gut“, findet auch Lehrschweißer Alexander Groten. Unter seiner Obhut machen Svenja Luther und Heidi Selheim ihre ersten Erfahrungen im Metallbau. Und sie stellen sich dabei so geschickt an, dass selbst der Ausbilder überrascht ist. „Sie sind wissbegierig und packen ohne langes Gerede an“, sagt er über seine Schützlinge. Dass Frauen in Berufen tätig sind, die als typische Männerberufe gelten, ist auch heute noch eher selten. So hat Groten im Metallbau bislang nur eine einzige Frau kennengelernt. „Die aber macht ihren Job so richtig gut“, sagt er.

Bei einem Praxistag bekamen interessierte Frauen jetzt die Chance, Berufe in den Bereichen Metallbau, Elektronik, Malerhandwerk oder Schweißen kennenzulernen. „Denn Frauen haben solche Berufe selten im Blick, wenn sie sich beruflich orientieren“, sagen die Organisatoren.

Gemeinsam haben die Handwerkskammer Aachen und der Fachausschuss Frau und Arbeit im Frauennetzwerk Aachen interessierten Frauen deshalb jetzt einen Einblick in Männerdomäne gewährt. Einen Tag lang ließen sie sich von Ausbildern der Handwerkskammer anleiten und stellten dabei jeweils ein Werkstück her. Aus dem Metallherz, dass Svenja Luther gerade ausschneidet, soll später ein Kerzenständer werden.

Auch Franz-Josef Klute ist begeistert von seinen Besucherinnen. Er leitet zwei Frauen im Bereich Elektronik an. „Frauen sind umsichtiger“, sagt er. Und wie gefährlich Strom sein kann, hat Birgit Becker am eigenen Leib erfahren, als jemand im Keller ihres Hauses illegal Strom abzapfen wollte. Daraufhin habe sie in ihrer Wohnung Starkstrom in der Leitung gehabt, mit der Folge, dass ein Haushaltsgerät nach dem anderen durchgebrannt sei. „Seitdem interessiere ich mich für Strom“, sagt sie. Die meisten der Frauen, die das Angebot des „Praxistages“ genutzt haben, wollen sich in erster Linie orientieren.

„Ich finde die Metallarbeit toll“, sagt beispielsweise Heidi Selheim. Mit 38 Jahren sei sie aber wohl zu alt für eine Umschulung, deshalb denkt sie daran, sich nebenberuflich weiterzubilden. Ihr ist vor allem die künstlerische Arbeit mit Metall wichtig.

Andrea Hilger, Agentur für Arbeit Aachen-Düren, hört gut zu. Als Expertin steht sie zu Verfügung, um die Frauen zu beraten und ihnen ihre Möglichkeiten aufzuzeigen. Für Miriam Hirtz (34) ist das besonders wichtig. Sie will eine Umschulung machen, weil es als Köchin schwierig sei, die Arbeitszeiten mit ihrer Tochter in Einklang zu bekommen. „Ich will Vollzeit arbeiten“, sagt sie und sieht in der Metallbranche durchaus eine Zukunft für sich.

„Und auch wenn Frauen als Schweißerinnen, Elektronikerinnen, Malerinnen oder Metallbauerinnen bislang noch die Ausnahme sind, muss das ja nicht so bleiben“, sind sich die Experten einig, und ermuntern die Betriebe, auch Frauen eine Chance zu geben. Svenja Luther und Heidi Selheim jedenfalls haben ihren Ausbilder überzeugt. „Die beiden bewahren die Ruhe, auch wenn es knallt, wenn es zischt oder wenn es spritzt“, sagt er. Der Schneidbrenner nämlich hat so seine Tücken. Sobald das Herz ausgeschnitten ist und sich vom umgebenden Metall löst, sprühen die Funken, und mit lautem Knall fällt das überflüssige Metall zu Boden.

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