Aachen: Auch auf dem Tennisplatz kann Integration gelingen

Aachen: Auch auf dem Tennisplatz kann Integration gelingen

Beim Tennis und in der Gemeinschaft die eigenen Probleme vergessen: Dieses Angebot macht der Tennisverein Aachen-Vaalserquartier 1986 (TVV) gleich einer ganzen Reihe von Flüchtlingen. Der Verein hat sich entschlossen, insgesamt rund 30 Flüchtlinge aufzunehmen. Die machen dann rund ein Viertel der gesamten Mitglieder aus.

Und wer beim TVV Tennis spielt, muss auch Sorge tragen, dass die insgesamt vier Plätze in Schuss sind. Auch dabei sind die Flüchtlinge mit von der Partie. „Und obwohl sie noch nicht so viel Deutsch verstehen, leisten sie doch hervorragende Arbeit“, meint Albrecht Wurm, Vorsitzender des TVV.

Er hat auch dafür gesorgt, dass die ersten Flüchtlinge mit Tennisschlägern, Schuhen und Taschen ausgestattet wurden. „Wir hatten in unserem Verein schon lange den Gedanken, Flüchtlingen zu helfen“, erinnert er sich. Doch das sei gar nicht so leicht gewesen. Erst der Kontakt zu den Internationalen Förderklassen des Couven-Gymnasiums brachte die Geschichte ins Rolle. Nicole Rütten, Sozialarbeiterin am Couven und Mitglied des TVV, fragte die jungen Leute aus den Förderklassen, ob sie Lust hätten, Tennis zu spielen.

Zwölf Flüchtlinge, überwiegend Mädchen aus Syrien, zeigten sich interessiert. Und nachdem mit ihnen alles so gut geklappt hat, beschloss der Verein, aufzustocken. Die Zahl der jugendlichen Flüchtlinge soll noch in diesem Jahr auf 20 erhöht werden, dazu kommen dann bis zu zehn junge Erwachsene. „Die Afghanen haben es besonders schwer“, erzählt Albrecht Wurm. Da sie aus einem als „sicher“ eingestuften Land kämen, hätten sie keinen Anspruch auf Integrationsleistungen. Abgesehen von den privat organisierten Deutschkursen hätten sie den lieben langen Tag nichts zu tun.

Wurm hat die jungen Leute schon in dem Deutschkurs kennengelernt, den er seit einiger Zeit gibt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verständigung und die Anleitung, einfache Alltagssituationen oder Behördengänge zu meistern. Beim Tennis sollen die jungen Leute jetzt noch zusätzlich die Möglichkeit bekommen, ihre Alltagsprobleme zu vergessen. „Und natürlich sollen sie auch in Kontakt mit den anderen Mitgliedern kommen“, sagt Wurm.

Eine gute Gelegenheit dazu ergibt sich beim Instandsetzen der Plätze: Die werden neu eingestreut, und die Linien werden nachgezogen. Flüchtlinge und Mitglieder arbeiten Hand in Hand.

„Wir wollen vor allem Tradition und Werte pflegen“, sagt Nicole Rütten. Wichtig seien in diesem Zusammenhang regelmäßige Treffen, die Gelegenheit böten, ins Gespräch zu kommen. „Wir verstehen uns als Familie, in der jeder einzelne einfach Mensch sein darf und seine Probleme vergessen kann.“

Sie selbst kennt die Flüchtlinge schon aus den Internationalen Förderklassen am Couven. Hier ist sie eine der Ansprechpartnerinnen bei auftauchenden Problemen. Gemeinsam mit Albrecht Wurm will sie alles daran setzen, die Flüchtlinge im Verein zu integrieren. „Das wird schon ein Kraftakt“, meint Albrecht Wurm und denkt dabei auch an die Ausstattung der neuen Spieler mit dem richtigen Equipment.

Bei der Ausstattung der Mädchen aus Syrien hatte er den gesamten Lagerbestand an Tennisschuhen eines Schuhgeschäfts aufgekauft. Umso mehr freut er sich jetzt über einen Brief des Oberbürgermeisters. Marcel Philipp hat zu der Initiative gratuliert und spendierte obendrein noch einen Scheck über 1000 Euro. „Das Geld können wir wirklich gut gebrauchen“, sagt Wurm und lässt seinen Blick zu den fleißigen Flüchtlingen schweifen.

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