Aachen: Auch Aachener Asylbewerber lassen sich christlich taufen

Aachen : Auch Aachener Asylbewerber lassen sich christlich taufen

Die Berichte über Massentaufen von Asylbewerbern nehmen seit Beginn des Jahres zu. In einigen deutschen Städten werden bis zu 100 Menschen zur gleichen Zeit getauft. Und auch in Aachen können das Bistum und der Evangelische Kirchenkreis von Taufanfragen einiger Asylbewerber berichten.

Konkrete Zahlen gebe es zwar nicht, da der Aufenthaltsstatus eines Täuflings nicht erfasst werde; das Taufinteresse sei aber durchaus vorhanden. „Es gibt einzelne Taufen, aber es ist nicht die große Masse“, sagt Redmer Studemund, Vorsitzender des Gesamtpresbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen und Pfarrer in Burtscheid. „Von den Gemeinden und unseren Flüchtlingsseelsorgern wissen wir von vereinzelten Anfragen. Von einer signifikanten Zunahme kann aus unserer Sicht keine Rede sein“, sagt Anja Klingbeil von der Pressestelle des Bistums Aachen.

Man freue sich jedoch sehr darüber, wenn sich Menschen — egal welcher Herkunft — mit dem Glauben auseinandersetzten und sich bewusst für das Christentum entschieden. „Die Anfragen nehmen wir ernst und begleiten die Menschen pastoral“, ergänzt sie.

Es gebe immer mal wieder Menschen, die auf die evangelische und katholische Kirche zukämen. „Die Asylbewerber besuchen die Gottesdienste und wollen häufig auch noch mehr wissen“, sagt Studemund. Ein Religionswechsel gehöre zur Religionsfreiheit. Jeder, der das wolle, sei willkommen. Oft hätten sich diese Menschen jedoch auch schon in ihrem Heimatland für den christlichen Glauben interessiert; nicht alle seien Muslime. In Deutschland hätten sie nun die Chance, diesen Glauben vertieft kennenzulernen und zu leben.

„Wir gehen damit seelsorglich und vorsichtig um“, sagt Studemund. Es gebe individuell abgestimmte Gespräche und Modelle für jeden. „Viele kommen regelmäßig zum Gottesdienst. Dann führen wir aber auch Gespräche über ihre jeweilige Vorgeschichte. Einige haben sich auch zuvor schon mit dem christlichen Glauben beschäftigt. Da steht einer Taufe nichts im Wege. Wer sich als Erwachsener dazu entschließt, ist mit Herz und Kopf dabei“, sagt der Burtscheider Pfarrer. Es gebe zwar keine Langzeiterfahrungen darüber, ob getaufte Asylbewerber auch nach der Taufe noch regelmäßig zum Gottesdienst kommen oder nicht, aber je nach Aufenthaltsstatus könne man dies auch nicht mehr verfolgen.

Dennoch: „Es bedeutet ja auch, dass unsere Gemeinden reicher und bunter werden“, sagt Studemund. Das Bistum Aachen hat für die Seelsorge und besondere Begleitung eine spezielle „Handreichung“, also eine Empfehlung, entwickelt: „Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen“ heißt es und ist auf der Webseite des Bistums zu finden.

Nicht für alle Asylbewerber scheint die Taufe eine reine Glaubenssache zu sein. Mancher erhoffe sich einen positiven Effekt auf das laufende Asylverfahren. „Die Taufe hat darauf keine Auswirkungen“, sagt Studemund. „Auch Flüchtlinge wissen das durch den ,Buschfunk‘.“

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