Aachen: „Au Banan“: Bei Schmickler kriegen viele ihr Fett weg

Aachen: „Au Banan“: Bei Schmickler kriegen viele ihr Fett weg

„Au Banan“, das von Wendelin Haverkamp initiierte Kleinkunstspektakel, ist immer einen Besuch wert. Die Künstler, die im „Franz“ an der Franzstraße ihre Visitenkarte abgeben, sind in aller Regel keine unbeschriebenen Blätter, sondern Top-Könner, die in der Kabarett-Bundesliga spielen.

Manchmal jedoch gibt es im „Franz“ einen Champions-League-Spieltag, wenn Wendelin Haverkamp beispielsweise Wilfried „Maschinengewehr“ Schmickler und das Urgestein der Singer-Songwriter, Julian Dawson, in einem Programm vereint.

Wilfried Schmicklers kabarettistischer Wahlspruch könnte lauten „Prügel, wem Prügel gebührt“. Er präsentierte sich im „Franz“ als der erwartete Meister seines Genres, der das Publikum von der ersten Sekunde an im Griff hat, jedoch im Live-Auftritt bedeutend ruhiger zu Werke geht als etwa im Fernsehen bei den Mitternachtsspitzen. Dennoch verzichtet er nicht auf das maschinengewehrschnelle Wortstakkato als Stilmittel, wenn er einen Sachverhalt auf die Spitze treiben will.

Trotz des moderaten Auftritts lässt Schmickler, der Ausschnitte aus seinem Programm „Ich weiß es doch auch nicht“ präsentierte, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. So, wenn er über die katholische Kirche räsoniert, die wie eine Orgel sei: „Die größten Pfeifen sind am lautesten“.

„Mutti und Möpsi“

Volker Kauder (Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen) bekam als Rottweiler aus Tuttlingen sein Fett weg, und über die Wahlniederlage der FDP lästerte er: „Sah ein Knab‘ ein Rösler gehen.“ Angesichts der Spitznamen für Angela Merkel (Mutti) und Sigmar Gabriel (Möpsi) versah er künftiges Regierungshandeln mit dem Titel „Mutti und Möpsi im Pucki-Pucki-Land“.

Julian Dawson ist ein Gitarrenprofi von Format, der zwischen den Schorndorfer Gitarrentagen und dem Aufnahmestudio in Nashville/Tennessee auf beiden Seiten des Atlantiks zu Hause ist und mit nahezu allem, was in der Musikwelt Rang und Namen hat, bereits auf der Bühne gestanden hat, von Wolfgang Niedecken bis Duane Eddy. Er steht für ein Genre, dessen Interpreten im Jargon als Singer-Songwriter bezeichnet werden — ein Begriff, für den es keine vernünftige Übersetzung gibt und auf den noch am ehesten das deutsche Wort „Liedermacher“ zutrifft.

Mit leisen Anklängen an John Denver verzauberte er die Zuhörer mit virtuosem Spiel und einfühlsamer Stimme. Famos das a-capella-Entree mit „Get Back on the Track Again“ oder das vor Lebensfreude sprühende „That‘s why God Made Saturday Night”. Aber auch für Titel wie „Rusty Old Car“, „Blue Tattoo“, oder „If We Can‘t Be Together“ gab es begeisterten Beifall. Anrührend „I Don‘t Feel Like Dancing“ als Hommage an den kürzlich verstorbenen Phil Everly.

„Self-Hammering“ als Therapie

Mit bissigen Bemerkungen über deutsche Talkshows — „Schön, wenn Anne Will und Eckart von Hirschhausen miteinander reden, dann kann wenigsten Richard David Precht nicht zu Wort kommen“ und kritischen Betrachtungen über die Schulpolitik des Landes hatte Wendelin Haverkamp die Lacher auf seiner Seite. Klar, das die Diskussion um die Redefreiheit von Lehrern oder die Inklusion („Fragwürdig in der Sache und unendlich dilettantisch in der Durchführung“) wahre Steilvorlagen für den gelernten Gymnasiallehrer waren. Für alle, die mit dem Leben nicht so ganz zurecht kommen, hatte er, von Freddy Matulla am Keyboard begleitet, mit „Self-Hammering“ einen wertvollen musikalischen Therapievorschlag.

Wer „Au Banan“ verpasst hat oder noch einmal miterleben möchte, kann am 25. Januar um 15.05 Uhr einen Mitschnitt des Programms auf WDR 5 hören.

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