Aachen: Armreliquiar Karls des Großen: Gaaanz vorsichtig mit dem Putzlappen

Aachen : Armreliquiar Karls des Großen: Gaaanz vorsichtig mit dem Putzlappen

Zu Beginn der Zeremonie zieht sich Lothar Schmitt erstmal die Latexhandschuhe über, packt sein Instrumentenschälchen auf den Tisch und zaubert dann, simsalabim, die Wunderwaffe hervor: „Ein normales Putztuch“, sagt der Silberschmied, „leicht angefeuchtet“. Damit macht er sich über das Armreliquiar Karls des Großen her. Das gute Stück ist über 500 Jahre alt. Sollte Schmitt da irgendwas versemmeln, würde er in Aachen — na ja, irgendwie berühmt.

Doch das Domkapitel hätte ihm wohl kaum Karls Arm in die Hände gelegt, wenn es von den Fähigkeiten des Silberschmiedemeisters nicht überzeugt wäre. Schmitt hatte sich zuvor schon um die Schätze des Aachener Doms gekümmert und zuletzt für das Karlsjahr 2014 die Schreine gereinigt. „Er kennt die Kostbarkeiten des Aachener Doms“, weiß Dompropst Manfred von Holtum, Zwar arbeitet der Experte seit einigen Jahren in Köln, doch für den speziellen Putzdienst haben ihn sich die Aachener vom Kölner Domkapitel ausgeliehen.

Schmitts Dienste sind gefragt, weil der überlebensgroße Arm aus vergoldetem Silber beim Karlsfest im Aachener Dom ausgestellt wird. Traditionell wird zur Karlsfest-Messe ein Reliquiar mit Gebeinen des Heiligen Karl aus der Domschatzkammer in den Dom gebracht. In früheren Jahren war es die wuchtige Karlsbüste mit Karls Schädendecke, aber die ist nach Auskunft des Dompropstes derzeit nicht transportfähig.

Die blaue Emaille auf der Brust der Figur ist äußerst empfindlich. Bevor etwas davon abplatzt, verfährt man lieber nach der Devise : Nicht an die Büste packen! Das Armreliquiar, in dem Elle und Speiche aus dem Unterarm des 1165 heiliggesprochenen Frankenkaisers hinter einem kleinen Fensterchen aufbewahrt werden, ist nach Schmitts Befund hingegen noch „in einem sehr guten Zustand“. Offenbar hat der Goldschmied in Lyon, der es 1481 im Auftrag des französischen Königs Ludwig XI. angefertigt hat, saubere Arbeit abgeliefert.

Dass sie nun etwas unsauber geworden ist, liegt an den Umständen, und nicht etwa an einem womöglich allzu lässigen Umgang der Domschatzkammer mit derlei Kostbarkeiten. „Unsere Vitrinen sind nicht ganz dicht“, erklärt Domschatzkammer-Leiterin Birgitta Falk, „das sollen sie auch nicht.“ Wegen der Atemluft der Besucher verfärbt sich dann das Material. Aber Schmitt kriegt das schon wieder hin.

Mehr von Aachener Nachrichten