Arbeiten an der Erzbergerallee beginnen in Aachen

Brückenabbruch Erzbergerallee : Vollsperrung beginnt mit kleinen Unwägbarkeiten

Seit Montag ist die Vollsperrung an der Erzbergerallee eingerichtet. Die marode Brücke muss abgerissen und ersetzt werden. Autofahrer, die zum Auftakt der Maßnahme trotz absoluten Halteverbots auf der Brücke geparkt haben, hatten Glück.

Der Mann hat Glück. Eigentlich hätte seine Fahrt mit dem Rad an der Erzbergerallee an diesem Vormittag vor der Brücke über dem Vennbahnweg in Richtung Innenstadt ein vorläufiges Ende gefunden. Die rot-weißen Absperrgitter, die seit Montag im Zuge der Baumaßnahme die Vollsperrung markieren, stehen bereit. Doch die Arbeiten auf der maroden Brücke ruhen. Genauso wie vier Pkw, die auf der Brücke am Straßenrand parken. Mitten auf dem Straßenbelag, den Bauleiter Michael Lövenich von der Firma BHR und seine Mitarbeiter eigentlich mit einer Fräsmaschine entfernen wollten. Des einen Freud’ ist des anderen Leid: Während sich der Radfahrer schnell unbehelligt an der Absperrung vorbeimogelt und ihm damit ein längerer Umweg erspart bleibt, müssen Lövenich und seine Mitarbeiter an anderer Stelle weiterarbeiten. Die Fräsmaschine ruht also vorerst auch.

Nicht nur der Radfahrer hat an diesem Vormittag Glück, sondern auch die unbekannten Autofahrer. Denn das städtische Ordnungsamt, das sich bekanntermaßen um den ruhenden Verkehr kümmert, der eigentlich an anderer Stelle „ruhen“ sollte, hält in diesem Fall die Füße still. „Wir haben uns entschieden, die Autos stehen zu lassen und die Halter ausfindig zu machen, damit sie die Wagen selbst wegfahren können“, sagt Elisa Bresser vom städtischen Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung. Dass eine vermeintlich mangelhafte Beschilderung der Grund für dieses Entgegenkommen sei, dementiert sie indes: „Das Halteverbot wurde ordnungsgemäß eingerichtet.“ Und auch der Zeitplan sei nicht gefährdet.

Generell gilt: Bei Straßensperrungen muss 72 Stunden vorher darauf hingewiesen werden, ab wann im betroffenen Bereich kein Auto mehr parken darf. Wurde diese Frist nicht eingehalten, darf auch kein Auto abgeschleppt werden. Eine „ordnungsgemäße“ Beschilderung bezieht sich in diesem Fall also auch auf das weiße DIN-A4-Blatt, das relativ provisorisch mit Gaffa-Tape an ein Halteverbotsschild geklebt wurde und handschriftlich auf das absolute Halteverbot ab dem 15. April aufmerksam macht.

Grafik ZVA. Foto: grafik

Doch auch ohne ausgiebiger Fräsarbeiten haben Lövenich und seine Mitarbeiter Arbeit genug – und zwar unter der Brücke. Der Naturstein muss entfernt, die Rutsche von der Erzbergerallee hin zum Vennbahnweg demontiert werden. Der eigentliche Abbruch der knapp 70 Jahre alten Brücke wird erst nach den Ostertagen erfolgen. Etwa anderthalb Wochen veranschlagt Bauleiter Lövenich dafür. Mit einem Kettenbagger werden die einzelnen Träger der Stahlkonstruktion abgetragen und dann abgebrannt, erläutert Lövenich. So werde sichergestellt, dass die Lärmbelästigung so gering wie möglich ist.

Voraussichtlich vier Wochen lang ist die Erzbergerallee im Zuge dieser Arbeiten für den Fuß- und Radverkehr offiziell vollgesperrt. Mit einer Ausnahme: Für die Ostertage soll ein Fußweg eingerichtet werden, um den Weg zur Herz-Jesu-Kirche zu ermöglichen, betont Bresser. Danach gilt am Absperrgitter wieder für alle Verkehrsbeteiligten: umkehren und die Umleitung nutzen. Zumindest bis die Behelfsrampe für Fußgänger eingerichtet wird. Die Vollsperrung für den Autoverkehr wird voraussichtlich neun Monate betragen.

Das schränkt naturgemäß auch den Busverkehr ein. Weil der Brückenneubau die Verbindung zwischen der Herz-Jesu-Kirche und der Adenauerallee kappt, fährt die Linie 33 die Erzbergerallee nicht an, die Haltestelle Zwanzigmorgen entfällt. Fahrgäste müssen sich auf längere Umwege gefasst machen (siehe Grafik). Ärgerlich ist das vor allem für Ältere, die schlecht zu Fuß sind, weiß Astrid Siemens. Die Sprecherin der Stadtteilkonferenz Burtscheid kritisiert, dass man bei der Planung die Bevölkerungsstruktur des Viertels nicht ausreichend berücksichtigt habe. „In der Beverau leben viele ältere Menschen. Wie sollen die das mit dem Rollator oder im Rollstuhl nur schaffen?“, fragt sie. Und hat sogleich eine mögliche Lösung parat: Ein Shuttle-Bus, mit dem die Aseag die Anwohner zur nächsten Haltestelle an der Adenauerallee bringt.

Dass sich vor allem ältere Fahrgäste mit längeren Wegen zu den Haltestellen schwertun, kann Paul Heesel, Pressesprecher der Aseag, gut verstehen. „Wir bitten aber auch um Verständnis dafür, dass wir als Aseag den mit einem zusätzlichen Shuttle-Dienst verbundenen Aufwand nicht stemmen können.“ Dafür werde ein zusätzlicher Bus und zusätzliches Personal benötigt. Ohnehin müsse das Unternehmen für die großräumige Umleitung einen Bus mehr und entsprechend zusätzliches Personal einsetzen.

Auch Elisa Bresser vom städtischen Presseamt bittet um Verständnis: „Natürlich haben wir versucht, so viele Anliegen wie möglich zu berücksichtigen.“ Und die Rückmeldungen bei der Stadt zeigten, dass die meisten Anwohner viel Verständnis für die Baumaßnahme haben.

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