Aachen: Aquis Plaza: Die Einzelhändler sind eher skeptisch

Aachen : Aquis Plaza: Die Einzelhändler sind eher skeptisch

Die Aachener Einzelhändler wollen mit dem neuen Shopping-Center Aquis Plaza nicht so richtig warm werden. Bei einer Diskussionsrunde des Vereins „Aachen Fenster“ überwog bei den meisten Teilnehmern die Skepsis gegenüber dem Neubau am Kaiserplatz.

Es wurden unter anderem auch Vergleiche gezogen mit ähnlichen Projekten in Recklinghausen und Hamm, die nicht eben Erfolgsgeschichten waren.

Thomas Küppers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Viersen, untersuchte die wirtschaftlichen Effekte von großen Shopping-Centern auf ihre Umgebung in anderen Städten und stellte sie vor. Es offenbarten sich jedoch bei den meisten der gezeigten Beispiele eher negative Auswirkungen auf die Entwicklung des jeweiligen Einzelhandels, was auf fehlerhafte Planung zurückzuführen sei. Inwiefern dies auch auf das Aquis Plaza und Aachen anwendbar ist, blieb jedoch offen.

Die meisten Einzelhändler dürften das Shopping-Center allerdings ähnlich kritisch sehen wie Sebastian Drucks, dessen Intersport-Filiale ohnehin eher am Rande der Innenstadt liegt. „Wir werden durch das Center noch mehr an den Rand gedrückt“, klagte er. Die Stadt sei bei der Planung des Aquis Plaza von viel zu optimistischen Annahmen ausgegangen und habe sich zum Spielball der Investoren gemacht. Drucks kämpft, wie die allermeisten seiner Zunft, mit dem wachsenden Druck durch den Online-Versandhandel. Tenor: Es werde immer schwieriger, Kunden zum Einkaufen in die Innenstädte zu locken, wenn sie selbiges auch von zu Hause aus erledigen könnten.

Martin Görg von der IG Domviertel setzt auf die Anziehungskraft der Altstadt. „Wir haben neben dem Aquis Plaza auch ein Weltkulturerbe und eine wunderbare Kulisse. Das wird niemand links liegen lassen, der Aachen besucht.“ Und auch für Oliver Mohr von der IG Dahmengraben bringt das neue Shopping-Center nicht nur Nachteile. „Vorher gab es außer Prostitution und Drogenhandel nicht viel am Kaiserplatz“, sagte er. Ebenso hätten die Aachen Arkaden an der Trierer Straße und das Kapuziner Karree bereits positive Auswirkungen auf die Umgebung gehabt.

Man war sich einig, dass eine Schwachstelle der Aachener Innenstadt die zerstreuten Einkaufspassagen seien. Leidtragende seien nun insbesondere die Großköln­straße und das Nikolausviertel, das mittlerweile „ein Schandfleck für die Stadt“ sei. Auch fehle jegliche Abstimmung der Händler unter­einander. „Im Einzelhandel handelt jeder einzeln“, griff Stephan Baldin von der Stiftung Kathy Beys eine alte Redensart wieder auf. Die Innenstadt sei deshalb „zerfasert“, etwa wegen der unterschiedlichen Öffnungszeiten.

Unter den Einzelhändlern herrscht vor der Eröffnung des Aquis Plaza eine Mischung aus Zuversicht und Zukunftsangst. Einerseits hegt man die Hoffnung, dass durch das Shopping-Center mehr Besucher nach Aachen kommen und der Einzelhandel davon ebenfalls profitiert. Andererseits stellt die — neben dem Online-Handel — zusätzliche Konkurrenz durch das Center so manchen vielleicht schon bald vor existenzielle Probleme.

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