Aachen: „Aquis Grana“ geizt immer noch mit Trinkwasser

Aachen : „Aquis Grana“ geizt immer noch mit Trinkwasser

Sprudelnde Brunnen hat die Stadt zwar reichlich, als Durstlöscher taugt deren Wasser in aller Regel aber nicht. Die Hinweise „Kein Trinkwasser“ machen deutlich, dass das Geplätscher in Karlsbrunnen, Fischpüddelchen, Hühnerdieb & Co keinen praktischen Zweck erfüllt, sondern in erster Linie das Stadtbild verschönern soll. Jetzt unternehmen die Grünen einen erneuten Vorstoß, mehr Trinkwasserbrunnen einzurichten.

Der heiße Sommer 2018 habe gezeigt, „wie wichtig es ist, jederzeit Zugang zu frischem Wasser zu haben“, heißt es in ihrem Antrag, den sie jetzt in die politische Beratung eingebracht haben und mit dem sie „allzeit zugängliche und kostenlos nutzbare Trinkwasserbrunnen“ in allen Stadtbezirken fordern. Gerade auch für obdachlose Menschen sei „die ständige Verfügbarkeit von sauberem und kostenlosem Trinkwasser“ in der warmen Jahreszeit von großer Bedeutung, argumentieren sie.

Mit einer ähnlichen Forderung hat sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund bereits vor vier Jahren für eine flächendeckende Einführung von Trinkwasserspendern in deutschen Kommunen ausgesprochen. Die Attraktivität der Innenstädte werde erhöht, hieß es damals, zudem könne der Müll von Plastik- und Glasflaschen verringert werden. Auch der Bundestag hatte das Vorhaben damals bereits unterstützt und unter anderem auf die guten Beispiele in vielen anderen europäischen Ländern verwiesen. Urlauber wissen, dass es in Italien, der Schweiz, Frankreich, Spanien, Belgien oder den Niederlanden selbstverständlich, an öffentlich zugänglichen Stellen kostenlos den Durst zu stillen.

In Deutschland und speziell in Aachen ist das allerdings anders. Hier gibt es seit Jahren genau nur drei — kaum bekannte — Stellen, an denen sich Passanten und Touristen kostenlos bedienen und erfrischen können. Mehr sind es auch seinerzeit nach dem Vorstoß des Städte- und Gemeindebunds nicht geworden, und ob diesmal die Aachener Grünen mehr Erfolg haben, ist ungewiss.

Denn gegen weitere Trinkwasserhähne in der Öffentlichkeit sprechen aus städtischer Sicht die hohen Installationskosten und der Wartungsaufwand. Regelmäßige Kontrollen seien nötig, um die hohe Qualität des Trinkwassers sicherzustellen, heißt es. Am deutschen Perfektionismus scheiterte somit bislang, was in anderen Ländern problemlos möglich ist.

Ausgezeichnete Qualität

Unverständlich ist das für die Grünen. Auch der Stadt des Wassers „Aquis Grana“ stünden mehr Wasserspender gut zu Gesicht, meinen sie. Das Aachener Wasser habe eine ausgezeichnete Qualität, betont auch die Stawag. Aus Sicht der Grünen sollte daher die Stawag nun zügig mit der Verwaltung Ausschau nach geeigneten Standorten für neue Trinkwasserspender halten und diese dann auch „breit in der Öffentlichkeit kommunizieren“.

Denn wer kennt schon die Wasserstelle an der Ursulinerstraße neben dem Zugang zum Elisengarten? Und wer weiß schon, dass auch am Möschebrunnen am kleinen Münsterplatz und an der Hotmanspiif auf Knopfdruck Trinkwasser fließt? Viele Menschen können es nicht sein, wie der niedrige Verbrauch von wenigen Kubikmetern pro Jahr belegt.

Diesen drei Trinkwassersäulen stehen gut 60 Brunnen im Stadtgebiet gegenüber, deren Wasser als nicht trinkbar gilt. Teils werden sie aus Bachwasser gespeist, teils aber auch aus Umlaufbecken. Und bekanntlich soll heute auch das einstmals gepriesene Heilwasser am Elisenbrunnen nicht mehr getrunken werden.

So lange es nicht mehr Trinkwasserspender im öffentlichen Raum gibt, soll eine andere Idee „der Kommerzialisierung von Trinkwasser“ entgegenwirken und einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten. So rufen die Aachener Grünen nun speziell auch hiesigen Geschäftsleute auf, sich der Initiative „Refill“ anzuschließen und mit Aufklebern „Refill Station“ an Schaufenstern ihrer Ladenlokale ihre Bereitschaft zu signalisieren, mitgebrachte Flaschen ihrer Kunden kostenlos mit Trinkwasser aufzufüllen.

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