Aachen: Anzeigen und Rassismusvorwürfe gegen Aseag-Kontrolleure

Aachen : Anzeigen und Rassismusvorwürfe gegen Aseag-Kontrolleure

Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure? Diese Frage stellten sich am Donnerstagabend mehrere Fahrgäste, die in der Linie 43 Zeugen einer in ihren Augen völlig überzogenen und möglicherweise auch rassistisch motivierten Fahrkartenkontrolle wurden. Dabei soll eine dunkelhäutige und hochschwangere Frau mit ihrer kleinen Tochter massiv eingeschüchtert worden sein.

Auch Zeugen, die sich in den Vorgang einmischten, sollen von den Kontrolleuren beleidigt worden sein. Die Polizei hat mehrere Anzeigen aufgenommen, auch Aseag-Verantwortliche sind inzwischen mit dem Fall befasst.

Es ist im Grunde eine banale Alltagsszene, die um kurz nach 18 Uhr am Kaiserplatz ihren Anfang nimmt. Zeugen schildern den Ablauf so: An der hinteren Bustür der Linie 43 steigt die Schwangere mit ihrem kleinen Kind und einem Kinderwagen in den Bus. Die Türen schließen sich. In diesem Moment stehen drei Männer auf, geben sich als Kontrolleure zu erkennen und kündigen eine Fahrausweiskontrolle an.

Die Frau versucht sich derweil durch den vollbesetzten Bus nach vorne zum Fahrer durchzuquetschen, um ein Ticket zu kaufen. Doch einer der Kontrolleure will sie nach Zeugenangaben nicht durchlassen. „So Leute kennen wir, es sind immer die gleichen, die schwarzfahren“, soll er gesagt haben. Sie hätte erst den Fahrschein kaufen müssen und danach hinten einsteigen dürfen. Dass der Kinderwagen so lange unbeaufsichtigt draußen und noch dazu im Regen hätte stehen müssen, interessierte ihn offenbar nicht.

Im Bus habe sich sehr schnell eine Stimmung gegen die Kontrolleure aufgebaut, so schildern es jedenfalls zwei Zeugen. Man solle doch die Frau endlich das Ticket kaufen lassen, forderten Mitfahrende. Zudem wurde der Frau empfohlen, ihre Personalien nicht zu nennen, was die Fronten offenbar weiter verhärtete.

Am Aussteigen gehindert

Das Hin und Her und die dadurch bedingten Verzögerungen steigerten den Unmut der Fahrgäste, von denen einige ihre Fernbusse an der Hüls erreichen wollten. Schließlich setzte der Bus seine Fahrt fort, die Kontrolleure behielten derweil die bereits „völlig verängstigte Frau“, so Zeugen, im Auge und ließen sie auch nicht an ihrem eigentlichen Fahrziel „Hohenzollernplatz“ aussteigen. Stattdessen wurde sie bis zum Friedhof Hüls mitgenommen, wo dann auch die Polizei hinzugerufen wurde.

Viele der empörten Fahrgäste, die die Geschichte miterlebt haben, standen den Streifenbeamten dort allerdings nicht mehr als Zeugen zur Verfügung. Einzig ein Pärchen wollte die Frau mit ihrem Kind nicht alleinlassen und schilderte den Beamten seine Version. Aufgewühlt und fassungslos informierten sie am Abend auch die „Nachrichten“.

Einer der Kontrolleure soll den 47-jährigen Zeugen noch im Sprachduktus der Neuen Rechten als „Gutmensch“ verhöhnt und „sicher polizeibekannten“ und „linksextremen Steinewerfer“ verdächtigt haben, was nun wiederum eine Anzeige wegen übler Nachrede nach sich gezogen hat. „Die sind völlig übers Ziel hinausgeschossen“, meint der Mann, der namentlich nicht genannt werden will. Es sei auffällig gewesen, wie sich die Kontrolleure gezielt die dunkelhäutige Frau vorgenommen hätten und wie abfällig sie behandelt worden sei.

Nachhaltig beeindruckt von der Situation hat dieser Zeuge am Freitag auch noch eine weitere Anzeige gegen die drei Männer wegen des Verdachts auf Nötigung und Freiheitsberaubung eingereicht. In seinen Augen hätte die hochschwangere Frau nie und nimmer gegen ihren Willen zwangsweise weiterbefördert werden dürfen. Die Hausordnung der Aseag sehe schließlich nur einen Ausschluss von der Weiterbeförderung vor, wenn ein Fahrgast „der Aufforderung des Personals nicht nachkommt, einen Fahrausweis nachzulösen“

Die Aseag hat inzwischen eine Stellungnahme der drei Kontrolleure angefordert, die in Diensten einer privaten Sicherheitsfirma stehen, wie Aseag-Sprecher Paul Heesel auf Anfrage mitteilt. Die Stellungnahme werde für nächste Woche erwartet. Heesel versichert, dass rassistische Äußerungen bei der Aseag keinen Platz hätten. Angesichts der Fahrgäste aus aller Welt sei dem Unternehmen „ein wertschätzender und respektvoller Umgang“ wichtig. Entsprechend werden laut Heesel auch alle Fahrausweisprüfer — eigene und beauftragte — geschult.

Festhalten grundsätzlich erlaubt

Heesel erklärt, dass die Aseag mit Fahrgästen ohne Fahrausweis grundsätzlich kulant umgehe: Wer ohne Fahrausweis angetroffen werde, müsse in der Regel 60 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“ zahlen, wer nachträglich eine Monatskarte vorlegen könne, müsse nur sieben Euro zahlen. Anzeige werde erst gegen Mehrfachtäter erstattet.

Nach Darstellung der Aseag habe die Frau nach dem Einsteigen nicht den Eindruck erweckt, einen Fahrschein lösen zu wollen, obwohl sie dazu noch genug Zeit gehabt hätte. Kontrollen sollen grundsätzlich erst beginnen, wenn ein Bus nach dem Halt wieder losfährt. Weil sich die Frau nicht ausweisen konnte, wurde die Polizei zur Endhaltestelle gebeten, um den Fall aufzunehmen, so Paul Heesel. Schwarzfahrer dürfen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden, da das Schwarzfahren (Erschleichen einer Leistung) eine Straftat ist.

Was die Betroffene dazu sagt, und ob sie sich nun einer Anzeige erwehren muss, ist bislang nicht bekannt: Sie ist nach einem außergewöhnlich zeit- und personalaufwendigen Einsatz mit ihrer kleinen Tochter im gleichen Bus wieder Richtung Innenstadt gefahren.