Anwohner fordern Tempolimit auf der Lütticher Straße: 50 statt 70 km/h

Gefahrenstelle Lütticher Straße?: Anwohner wollen die 70 durch 50 ersetzen

Das 50er-Schild hat Volker Siller schon mal mitgebracht. Ein bisschen optimistisch als Vorboten sozusagen, denn die Hoffnung darauf, dass auf der Lütticher Straße im Preuswald in Zukunft doch endlich die Schilder mit dem roten Kreis und der schwarzen 70 abmontiert und durch neue ersetzt werden, hat er nicht aufgegeben.

Auch nicht nach mehr als drei Jahren. So lange kämpft Siller schon für eine Temporeduzierung im Bereich der Einmündung Lütticher Straße/Unterer Backertsweg. Zu gefährlich sei die Verkehrssituation für die vielen Kinder und Senioren, die täglich an dieser Stelle die Straße überqueren, meint der 78-Jährige. Das Kinderheim Maria im Tann und der Kletterwald liegen in unmittelbarer Nähe. Durch den Bau der neuen Aldi-Filiale dürfte sich die Situation zudem noch verschärfen, mutmaßt Siller. Er hat schon viele Anträge diesbezüglich gestellt. An die Bezirksregierung. Die Gremien der Stadt. An den Landesbetrieb Straßen.NRW. Alles fein säuberlich abgeheftet in einen orangefarbenen, etwa zehn Zentimeter dicken DIN-A4-Ordner. Und alles bislang ohne Erfolg. Abhalten lässt sich der Senior davon nicht. Im Gegenteil. „Ich bin beruflich Intensivmediziner gewesen. Da muss man direkt entscheiden und kann nicht lange warten, wie es bei Ämtern mitunter üblich ist“, sagt Siller. Und genau diese Erfahrung sei der Grund, weshalb er hartnäckig bleibe. Damit endlich eine Entscheidung fällt. Und zwar für die 50.

Unterstützung hat er von vielen Seiten. Das bekräftigen nicht nur Birgitt Valk und Dorothea Nyssing vom Sprecherteam der Stadtteilkonferenz. Das habe sich auch bei zwei Protestaktionen 2017 und 2018 gezeigt, als Dutzende Anwohner aus Bildchen und dem Preuswald ihre Forderung mit bunten Plakaten bekräftigt hatten. Wie viele Menschen das Thema bewegt, soll sich zudem bald im Bürgerforum zeigen, wenn der Punkt „Einheitliche Geschwindigkeitsreduzierung im Bereich der Lütticher Straße auf 50 km/h“ auf der Tagesordnung steht. Am 19. März wird das der Fall sein.

Weil die Lütticher Straße als Bundesstraße in der Straßenbaulast des Landesbetriebes Straßen.NRW und zudem außerhalb geschlossener Ortschaften liegt, müssen bestimmte Gegebenheiten für ein Tempolimit erfüllt sein. Eine weitere Reduzierung von 70 auf 50 km/h ist nur möglich, wenn im Umfeld eine geschwindigkeitsbedingte „Gefahrenlage“ vorhanden ist. „Die zuständigen Dienststellen können diese nicht erkennen“, teilt Harald Beckers vom städtischen Presseamt auf Anfrage mit.

140 Stundenkilometer

So habe ein sogenanntes Langzeitgeschwindigkeitsprofil, das vom 18. bis 25. September 2018 auf der Höhe des Hauses Nr. 509 erstellt wurde, ergeben, dass von den durchschnittlich 10.504 Fahrzeugen pro Tag 85 Prozent eine Geschwindigkeit von 72 km/h fuhren. Die höchsten gemessenen Geschwindigkeiten lagen bei 140 km/h stadtauswärts (gemessen um 18.33 Uhr) und 123 km/h stadteinwärts (um 23.53 Uhr). Das Tempo von 80 km/h wurde durchschnittlich bei 3,6 Prozent aller Fahrzeuge überschritten. Der Schulwegplan für den Preuswald empfiehlt Kindern nach Angaben der Stadt zudem, die Ampel an der Zufahrt zum Wohngebiet Preuswald zu nutzen.

Eine Geschwindkeitsreduzierung auf 50 km/m wäre laut Polizei nur im Bereich der Hausnummern 509 bis 529 vorstellbar, weil die in Fahrtrichtung Belgien auf der linken Seite liegenden Häuser direkt von der Lütticher Straße aus erschlossen werden. „Eine weiterreichende Ausweisung der geschlossenen Ortschaft in Fahrtrichtung Belgien ist nicht möglich, weil die dortige Bebauung nicht direkt von der Lütticher Straße sondern von einer Nebenfahrbahn erschlossen ist“, heißt es einer Antwort auf einen Ratsantrag von Manfred Bausch von Juni 2018. Der Landesbetrieb Straßen.NRW spricht sich laut Verwaltung dafür aus, die Geschwindigkeitsregelung von 70 km/h beizubehalten und die weitere Verkehrsentwicklung nach Eröffnung des Discounters abzuwarten. Diese Entwicklung will auch die Stadt beobachten und „sofern nötig auch handeln, stets in enger Absprache mit der Polizei und auch mit der Bezirksregierung“, versichert die Pressestelle.

Volker Siller wird sein 50er-Schild – ein Geschenk, das seine Frau zum 50. Geburtstag erhalten habe – also vorerst weiterhin nur symbolisch an der Einmündung zur Unteren Backertsstraße hochhalten. Immerhin: Wegen der Baustelleneinfahrt gilt stadteinwärts in dem Bereich zurzeit sowieso auf einer kurzen Strecke Tempo 50.

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