Anwohner des Lindenplatzes diskutieren mit Aachener Studentinnen

Bürgerbefragung : „Wir wollen hier keine Schickimicki-Geschichte“

Sie lieben ihren Platz, die Bäume, den Bach und auch das benachbarte Café. Die Nachbarn des Lindenplatzes machten jetzt regen Gebrauch von dem Angebot, ihre Wünsche und auch Verbesserungsvorschläge zu formulieren.

„Wir haben uns sehr darüber gefreut, wie offen die Leute auf uns zugekommen sind“, sagt Melissa Becker. Gemeinsam mit ihrem studentischen Team nahm sie die Anregungen und Kritik zum Lindenplatz auf, notierte alles fein säuberlich auf kleine Zettel, die schließlich auf große Plakate geklebt wurden. Ihm Rahmen einer Projektarbeit des RWTH-Lehrstuhls Landschaftsarchitektur nahmen die Studentinnen das städtische Thema „Premiumwege“ auf und wollen untersuchen, was sich die jeweiligen Anwohner für ihre Plätze und ihre Wege wünschen.

Am Lindenplatz kam das sehr gut an. Die Nachbarn gruppierten sich um die aufgestellten Tische und tauschten sich über ihre Erfahrungen aus. „Wir wünschen uns schon seit Monaten mehr Spielgeräte und mehr Bänke für die Leute“, sagt Gabriele Gerlitz, Anwohnerin vom Lindenplatz. Früher sei die Aufenthaltsqualität hier besser gewesen, erzählt sie weiter. Die alten, morschen Bänke seien zwar entfernt worden, neue habe es aber nicht gegeben. Da das benachbarte Altenheim erweitert worden sei, kämen auch immer häufiger dessen Bewohner auf den Platz. Dann fehlten aber Möglichkeiten, sich zu setzen.

Zwei Studentinnen machen sich wenig später auf den Weg, um im Altenheim die Bewohner nach ihren besonderen Wünschen zum Lindenplatz zu befragen. Draußen gehen die Gespräche derweil weiter. „Die Radfahrer sind ein großes Problem“, sagen die Anwohner. Denn die seien überall und gerade am Café sei das sehr gefährlich, monieren sie. „Der Lindenplatz ist der schönste Platz in Aachen, vor allem im Sommer“, steht auf einem der bunten Zettel. Und in der Tat gibt es auch Nachbarn, denen der Platz gerade so gefällt, wie er ist. „Wir wollen hier keine Schickimicki-Geschichte“, sagt eine Dame. „Es ist alles schön, so wie es ist“, fügt sie noch hinzu.

Eifrig notieren die Studentinnen die Kritik, die Anregungen und auch die positiven Eindrücke der Nachbarn. „Man spürt, dass die Menschen hier wohnen und dass ihnen der Platz sehr wichtig ist“, sagt Melissa Becker. Und der kleine Stand mit Kaffee und Kuchen, den die Studentinnen organisiert haben, trägt dazu bei, dass die Stimmung locker und gemütlich ist. Mehr Sauberkeit, ein klar definierter Radweg, mehr Spielgeräte für die Kinder und vor allem aber auch mehr Sitzgelegenheiten für die Besucher: Das sind einige der Verbesserungsvorschläge, die die Studentinnen auf ihren Zetteln notieren. Sie werden die Anregungen später aufarbeiten und ihre Ergebnisse schließlich im September bei einer Ausstellung im Elisenbrunnen vorstellen. Bis dahin allerdings ist es noch ein weiter Weg.

Zehn Premiumwege will die Stadt Aachen ausweisen, um Fußgängern das Leben angenehmer zu machen. Und auf all diesen Wegen wollen die Studenten die Anwohner entsprechend befragen. Die ersten Erfahrungen sind laut Veronika Stützel durchweg positiv. Sie lobt das große Engagement der Studenten, die die Befragungen perfekt vorbereitet hätten. Am Lindenplatz sind Melissa Becker, Laura Eberle, Lena Wefers, Anna Mertens und Ekaterina Plekhanova unterwegs, um die Nachbarn zu befragen. Und die sind schnell ins Gespräch vertieft, während die jüngsten Besucher ganz unberührt von der Befragung im Sandkasten spielen und mit dem Rad unterwegs sind.

In den kommenden Tagen gibt es weitere Befragungen an unterschiedlichen Orten in Aachen. Am Mittwoch, 6. Juni, beispielsweise auf dem Augustinerplatz: „Auch das wird sicher sehr spannend“, meint Stützel, da die Studentinnen dort so etwas wie ein Strand-Event vorbereitet haben“.

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