Aachen: Antoniusstraße wird umgehend zur verkehrsfreien Zone

Aachen: Antoniusstraße wird umgehend zur verkehrsfreien Zone

Nein, einfach nur Spaß haben war nicht angesagt. Eher Probleme bewältigen, die das „Sträßchen“ in Aachens Mitte verursacht. Ratsherr Ernst-Rudolf Kühn (CDU) schaute denn auch durchgehend ernst drein, als er bei seinem jährlichen „Bezirksrundgang“ mit mehreren Parteifreunden, darunter Bezirksvertreter Kurt Radermacher, durch das Innenstadtgebiet an der Ecke Nikolaus-/Antoniusstraße Halt machte.

Dort war ein Treffen mit Betreibern und/oder Inhabern der Häuser verabredet, in denen seit Jahrzehnten Liebesdienste angeboten werden. Klaus Gallwe als einer der Betreiber begrüßte die Gruppe, der ehemalige Profiboxer kam ganz in schwarz. Er hatte sich wegen des Sträßchens bereits vorher an Kühn gewandt, da dort ein „Verkehrs“-Problem besonders drängt.

Ein Dauerbrenner

Denn das Thema Antonius­straße ist seit langem ein Dauerbrenner. Die einen wollen die momentane Situation ganz weg haben, andere die Prostitution nur „eindampfen“, Dritte wollen dort auf engstem Raum ein Eros-Center bauen und wieder andere möchten die Zimmer für die Liebesdienste am liebsten hinter schnuckeligen Einzelhandelsgeschäften verstecken.

Die jüngste öffentliche Dauerkritik an den Zuständen dort aber wies Gallwe von sich: „Unsere Straße ist bei weitem nicht so schlecht, wie sie in letzter Zeit gemacht wird“, wehrte sich der Betreiber. „Schauen Sie hier“, meinte er angelangt in der Mitte des Sträßchens, „das sieht alles sehr ordentlich und gepflegt aus“. In der Tat hat anscheinend der anhaltende Druck, den auch die Politik, die Stadt und soziale Vereinigungen an einem „Runden Tisch“ Anto­niusstraße aufgebaut hatten, bereits jetzt Früchte getragen.

„Schauen sie hier“, zeigte er auf ein gut ausgestattetes Büro in einem der Häuser, „diesen Raum werden wir der Vertretung von Solwodi anbieten“, meinte Gallwe, direkt an den Raum schließt sich sogar ein Terrassenbereich an. Solwodi (Solidarität mit Frauen in Not) betreibt in Aachen das Projekt „Stella“ und kümmert sich um Prostituierte, die Opfer von Gewalt und Menschenhandel geworden sind, oder einfach nur um soziale und aufenthaltsrechtliche Belange der Frauen, die oft von weit her kommen.

Damit das südosteuropäisch-dominierte Zuhälter-Unwesen weiter eingeschränkt werden könne, fordert Gallwe im Namen der Betreiber die Abpollerung der Antoniusstraße auch im oberen Bereich, unten bei der ehemaligen Immobilie „Fisch Frohn“ ist dies schon länger umgesetzt. Mit dem Einhalt für den Verkehr sollen vor allem in ihren Autos vor den Häusern wartende „Abkassierer“ ferngehalten werde. In der Tat stand selbst am hellichten Tag ein Pkw mit rumänischen Kennzeichen dort, in ihm ein mutmaßlicher Zuhälter.

Poller kommen nächste Woche

Zum Thema Poller konnte am Donnerstag der Leiter des Fachbereichs Ordnung, Detlev Fröhlke, grünes Licht geben: „Wir haben beschlossen, bereits in der nächsten Woche die Poller anzubringen“, erklärte er den „Nachrichten“ und fügte hinzu: „Wir tun das zunächst auf eigene Kosten, einfach damit es schnell geht“. Solch flottes Verwaltungshandeln ist selten und damit um so lobenswerter. Natürlich sei man bestrebt, die Kosten wieder hereinzuholen, meinte Fröhlke.

So wird denn künftige die Antoniusstraße eine verkehrsfreie Zone sein — aber sicher nur auf dem Asphaltstreifen selber. Selbst dieser könnte eine neue Decke vertragen, alles Ideen, damit das Sträßchen hübscher werde. „Das Hässlichste hier ist die Mauer vom Nachbarn“, meinte jemand ärgerlich. Dort will Unternehmer Helmut Falter (Mayersche Buchhandlung) seit langem ein Wohn- und Geschäftshaus errichten.

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