Aachen: Anti-Konflikt-Training: Für ein gewaltfreies Umfeld in der Schule

Aachen : Anti-Konflikt-Training: Für ein gewaltfreies Umfeld in der Schule

Ganz vorsichtig führen die Kinder einen Reifen über den Kopf ihrer Mitschüler, ohne sie dabei zu berühren. So lernen sie laut Konflikttrainerin Anna Lohmar, andere Kinder zu respektieren und auch auf sich selbst zu achten. Der Verein „Gewaltfrei Lernen“ bot jetzt in der Aachener Grundschule Am Haarbach ein Anti-Konflikt-Training, dass bei Schülern, Lehrern und Eltern gleichermaßen gut ankam.

„Kabbeleien auf unserem Schulhof gibt es immer mal wieder“, sagt Kai Völlink, neuer Schulleiter der Haarener Grundschule. „Je eher die Kinder lernen, gewaltlos aus solchen Situationen herauszukommen, umso besser“, fügt er noch hinzu. Er ist begeistert von dem Anti-Konflikt-Training „Gewaltfrei Lernen“. Es verhelfe den Schülern zu mehr Selbstbewusstsein, und „selbstbewusste Kinder werden nicht gemobbt“, meint er.

Trainerin Anna Lohmar und der Plüschdrache verhelfen den Kindern zu mehr Selbstbewusstsein. Foto: Ralf Roeger

Drei Wochen war Trainerin Anna Lohmar an der Grundschule, um mit den Kindern zu arbeiten. Und auch die Eltern und das Kollegium bekamen Gelegenheit, sich mit dem Programm auseinanderzusetzen. „Und die waren sehr interessiert“, erzählt Völlink.

Nur wenn alle Hand in Hand arbeiten, kann das Training erfolgreich sein, meint der Verein „Gewaltfrei Lernen“. Die Kinder üben, sich mit Hilfe von Kampfsport- Griffen zu befreien, wenn sie festgehalten werden. Sie machen Rollenspiele, und sie lernen Gesten, mit denen sie aggressive Mitschüler in Schach halten können.

„Das hat sich zum Teil so bewährt, dass wir es in das Regelwerk der Schule aufgenommen haben“, meint Völlink. Beim „Drei Stopp“ machen die Kinder mit erhobener Hand das Zeichen „Stopp“, wenn sie sich bedrängt fühlen. Reagiert das andere Kind nicht, wiederholen sie die Geste und kündigen an, dass sie zur Aufsicht gehen werden. Genügt das noch immer nicht, wiederholen sie die Stopp-Geste ein drittes Mal und holen sich dann wirklich Hilfe.

Positive Erfahrungen sind wichtig

Trainerin Anna Lohmar freut sich, wenn die Kinder ihr von positiven Erfahrungen erzählen. „Ich hab ‚Stopp‘ gesagt und er (oder sie) hat wirklich aufgehört, mich zu ärgern“, ist der Satz, den Lohmar besonders gern hört. Wichtig sei aber auch, einzelne Komponenten des Programms zum Beispiel in den Sportunterricht zu integrieren.

Und es bestehe immer die Möglichkeit, nachzuschulen, wenn es wider Erwarten doch nicht so richtig funktioniert mit der Konfliktlösung. Möglich wurde das Training dank der Unterstützung durch die Sparda-Bank West und die VR Bank. Torsten Eickhoff, Filialleiter der Sparda-Bank in Aachen, betont die Vorzüge des Projekts und den Willen der Bank, das Angebot zu unterstützen. Axel Beck, Geschäftsstellenleiter der VR-Bank Haaren und Verlautenheide, sieht das ebenso.

Schikanen, Wutausbrüche und Beleidigungen sind an Grundschulen laut Verein „Gewaltlos Lernen“ keine Seltenheit. Um die Lernatmosphäre zu verbessern und ein konzentriertes Arbeiten zu fördern, entwickelte der Verein mit einem Team aus Sonderpädagogen und Sportwissenschaftlern ein Training, das Kinder selbstbewusster machen soll.

An drei Tagen der Woche bekommen sie während der Laufzeit des Projekts Unterricht. Sie sind mit Spaß und Freude bei der Sache, hören ihrer Konflikttrainerin zu und befolgen ihre Anweisungen. „Die Kinder sollen möglichst viel in Bewegung sein“, sagt Anna Lohmar, „denn dann lernen sie besser, worauf es ankommt.“

Sich ganz aufrecht hinzusetzen und Übungen wie die mit dem Reifen sollen ihnen ein neues Körpergefühl vermitteln und die Achtsamkeit gegenüber ihrem Übungspartner schärfen. Laut Torsten Eickhoff hat die Sparda-Bank dieses Projekt schon an drei anderen Aachener Schulen gefördert.

Immer mit dabei ist auch der kleine grüne Stoffdrache Draco, der laut Konflikttrainerin ein frecher Junge ist und jede Menge Ärger zu Hause hat. Sicher genau das Richtige, um die Herzen der Kinder zu erobern.

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