„Unser Weg in die Freiheit“: Anonyme Alkoholiker feiern 50-jähriges Bestehen

„Unser Weg in die Freiheit“ : Anonyme Alkoholiker feiern 50-jähriges Bestehen

Für Suchtkranke gibt es viele unterschiedliche Anlaufstellen. Zu den Bekanntesten zählen dabei sicherlich die Anonymen Alkoholiker (AA). Deren Aachener Gruppe feierte nun in den Räum der Katholischen Hochschulgemeinde in der Pontstraße ihr 50-jähriges Bestehen unter dem Motto „Unser Weg in die Freiheit“.

Mit dabei war auch Al-Anon, die Gruppe für Angehörige von Alkoholikern, die in Aachen kurz nach den AA gegründet wurde.

Eröffnet wurde die Feier mit einem „Meeting“, so werden die Treffen der AA genannt. Oben auf dem Podium ergriff zunächst Gerd, der durch die Veranstaltung führte, das Wort und stellte sich mit der üblichen Begrüßungsformel vor: „Mein Name ist Gerd und ich bin Alkoholiker.“ Danach verlas er jeweils die Präambeln der AA und von Al-Anon sowie die zwölf Schritte, die gewissermaßen das „Programm“ der Anonymen Alkoholiker bilden und deren Einhaltung zur Trockenheit führen soll. Gerd zeigte sich erfreut, dass nicht nur Besucher aus Aachen, sondern auch aus der Region und dem Umland anwesend waren.

Er gab einen kurzen Einblick in die Geschichte der AA in Aachen. Im Umfeld des Zweiten Weltkriegs, so erzählte Gerd, wurden die AA von amerikanischen G.I.s in der Welt verbreitet und so entstanden auch in Deutschland erste Gruppen.

Ein gewisser Tim aus Witten zog einige Jahre danach nach Aachen und fand hier noch keine Gruppe vor. Er inserierte kurzerhand in der Zeitung, um andere Alkoholkranke zu finden. Bald darauf fand das erste Meeting in den Räumen der Annakirche statt — die Geburtsstunde der Aachener Gruppe der AA vor 50 Jahren.

Nach mehreren Umzügen befindet sich die Kontaktstelle der AA heute in der Wespienstraße, die Meetings finden an verschiedenen Orten statt, zum Beispiel in Gemeindehäusern katholischer und evangelischer Kirchen. „Wir sind hier in Aachen gesegnet, da wir täglich Meetings anbieten können“, betonte Gerd.

Nach dieser Einführung gab er das Mikro an Personen weiter, die ihren Lebensweg mit und ohne Alkohol schilderten. So etwa Hasso, der sich nach seiner Lehre mit dem Alkoholismus die Karriere bei der Bundeswehr verbaut hat und bei späteren Arbeitsstellen teils Firmengelder unterschlug, um seine Sucht zu finanzieren. Jetzt sagt er: „Vor den AA habe ich immer gesoffen, heute muss ich nicht mehr saufen“.

Oder Daniela von Al-Anon, die sich als „ko-abhängig“ bezeichnet: Ihr mittlerweile gestorbener Ex-Mann war ebenfalls alkoholkrank, doch sie habe lange gebraucht, sich dies einzugestehen. „Mein Weg in die Freiheit führte durch eine Tür. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich durch diese Tür gegangen bin“, erzählte sie. Im Anschluss an das Meeting mit dem Gelassenheitsgebet der AA bestand die Gelegenheit zu Gesprächen.

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