Aachen: Ankommen und sofort die Sprache der neuen Heimat erlernen

Aachen: Ankommen und sofort die Sprache der neuen Heimat erlernen

„Ihr seid uns willkommen und Ihr seid uns jede Hilfe wert.“ Das ist laut Stefan Küpper, Leiter des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe „Maria im Tann“ die Botschaft, mit der die Einrichtung unbegleitete minderjährige Flüchtlinge begrüßen will. Dazu gehöre wie selbstverständlich auch die Möglichkeit, ab dem ersten Tag in einem Sprachkurs Deutsch zu lernen.

Laut Küpper nehmen die Flüchtlinge dieses Angebot mit Kusshand an. Unter Leitung des iranischen Sprachlehrers Nader Rayany lernen Jugendliche aus Ländern wie Eritrea, Afghanistan und dem Iran die ersten deutschen Worte und Sätze und sind dabei mit Begeisterung bei der Sache.

Den Weg erleichtern

Einen wesentlichen Teil der entstehenden Kosten übernehmen in diesem Jahr die Lu-Scheins-Stiftung und die Rotary-Clubs der Aachener Region. „Es ist unser Ziel, Gelder zu akquirieren, um sie in solche Projekte zu investieren“, meinte Willi Braun, Projekt­management der Rotarier, und Waltrud Scheins von der Lu-Scheins-Stiftung richtete sich bei der Scheckübergabe direkt an die Jugendlichen und sagte: „Ihr könnt so viel leisten. Wie wollen etwas dazu beitragen, das Euch Euren Weg leichter macht.“

Sozialfonds fördert nicht mehr

Stefan Küpper hält es für enorm wichtig, den Jugendlichen vom ersten Tag an die Möglichkeit zu geben, Deutsch zu lernen. Und obwohl die Kursbesucher aus ganz unterschiedlichen Krisengebieten kommen, lernen sie im Deutsch-Kurs in aller Eintracht ihre ersten Lektionen.

Gerade für die, die nicht gleich auf Anhieb einen Schulplatz bekommen, ist der Unterricht von großer Bedeutung, so Küpper. Denn Sprachkompetenz sei ja auch dann gefragt, wenn es um die Gestaltung des Tagesablaufs gehe oder beispielsweise um die therapeutische Bearbeitung der Erlebnisse während ihrer Flucht.

Den frisch angekommenen Flüchtlingen ein solches Angebot zu verwehren, sei das falsche Signal, betont Stefan Küpper. Er und seine Schützlinge freuen sich deshalb ganz besonders, dass die Rotarier der Region und die Lu-Scheins-Stiftung jetzt die Lücke füllen, die durch das Wegbrechen der Finanzierung durch den Europäischen Sozialfonds entstanden ist, der seine Förderschwerpunkte verlagert hat.

Ehrenamtliche Unterstützung

In „Maria im Tann“ werden insgesamt etwa 75 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in verschiedenen Maßnahmen betreut. Seit etwa fünf Jahren bekommen die Neuankömmlinge die Chance auf die unmittelbare Teilnahme an dem Sprachkurs. Sprachlehrer Nader Rayany betreut in „Maria im Tann“ rund 15 Schüler und wird dabei durch ehrenamtlich tätige Pädagogen unterstützt.

Denn im Unterricht gibt es immer wieder auch Schüler, die die lateinische Schrift nicht kennen oder die Analphabeten sind. Die bedürfen einer ganz besonderen Zuwendung. Dass der Sprachkurs seine Früchte trägt, davon konnten sich die Rotarier und die Lu-Scheins-Stiftung vor Ort überzeugen, als sich die Flüchtlinge einer nach dem anderen persönlich vorstellten.

(mas)
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