Aachen: Angriff mit Baseballschläger: Attacke auf Ehefrau war doch versuchter Mord

Aachen : Angriff mit Baseballschläger: Attacke auf Ehefrau war doch versuchter Mord

Statt einer Haftdauer von vier Jahren und drei Monaten muss der Angeklagte Shyok R. nun für sechs Jahre und sechs Monate in Haft bleiben. Die höhere Strafe hat der 38-jährige ehemalige Aachener Behindertenbetreuer nun kassiert, weil die 2. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht die Tat von R. aus dem Jahr 2016 als versuchten Mord bewertete.

Damals am 5. Februar hatte R. mit einem Baseballschläger fünf Mal auf den Kopf seiner Ehefrau und Mutter seiner zwei Kinder eingeschlagen, um sie zu töten, wie das Gericht am Mittwoch feststellte.

Das Opfer überlebte die Attacke. Eine erste Schwurgerichtskammer hatte 2016 die Tat in ihrem Urteil nicht als versuchten Mord, sondern als gefährliche Körperverletzung bewertet. Die Strafe fiel eher milde aus für den Angeklagten, die Geschädigte und die Staatsanwaltschaft gingen in Revision, das Urteil war sodann vom Bundesgerichtshof aufgehoben und zur Neuverhandlung an das Aachener Landgericht zurückverwiesen worden.

Die 2. Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke verwarf nun die vorherige Entscheidung, dass der 38-jährige sich „freiwillig“ von der Tat zurückgezogen und damals seinen Tötungsvorsatz aus freien Stücken nicht vollendet habe.

Das Geschehen spielte sich nachmittags auf der Schurzelter Straße in Aachen-Laurensberg ab. Hier radelte die Ehefrau von der Arbeit in einem Architektenbüro in Richtung Vaals nach Hause, wo sie mit den gemeinsamen zwei Kindern wohnte, nachdem sich das Paar wegen der fortdauernden Aggressivität des Angeklagten getrennt hatte. Sie war lange in einem Frauenhaus in den Niederlanden gewesen, er konnte oder wollte sich nicht mit den Zugangsbedingungen für die beiden Kinder abfinden.

An diesem Nachmittag hatte R. die Kinder, man wollte am Abend nochmals über alles reden. Nun trafen der Angeklagte mit den Kindern im Auto und die Mutter auf dem Fahrrad in der Schurzelter Straße aufeinander. Sie radelte, ohne ihn zu beachten, einfach weiter in der Überzeugung, man sehe sich später sowieso.

Von hinten auf den Kopf geschlagen

Das aber schien den Angeklagten, der laut Gericht seit Jahren ein Alkohol- und Canabis-Problem hatte, anscheinend so zu demütigen, dass er seinen Wagen auf einem Parkstreifen abstellte, sich den im Wagen befindlichen Baseballschläger schnappte und über eine Strecke von 450 bis 500 Metern hinter der in Richtung Seffent radelnden Ehefrau her sprintete. Er erreichte sie und schlug unmittelbar von hinten auf ihren Kopf ein, sie fiel blutend zu Boden.

Dort macht Shyok R. weiter, sie wehrte einen Schlag mit dem Arm ab, so dass ihre Unterarmknochen gebrochen wurden. Erst als ein Zeuge, der das Geschehen bereits von weitem sah, laut hupend mit dem Auto an der Stelle auf der Straße anhielt, ließ der Angreifer ab. Er hinderte den Zeugen noch, die Polizei zu rufen, holte seinen Wagen mit den Kindern und wollte seine verletzte Frau in den Wagen laden. Das alles sei ein Unfall gewesen, hatte er behauptet.

Doch das Opfer wehrte sich, die Zeugen verhinderten letztlich das Ganze, ein Notarzt kam. Erst nach einer Großfahndung wurde der Angeklagte schließlich gefasst. Bis heute hatte der Angeklagte zwar das grobe Tatgeschehen eingeräumt, behauptete aber bis zuletzt, er habe am Ende seiner Frau helfen wollen. Die sah das völlig anders, das Gericht gab der Nebenklägerin am Ende Recht und verurteilte den Täter wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau.