Angebot der Aachener Lebenshilfe

Programm des Familienentlastenden Dienstes: Der Wunsch nach normaler Freizeit

In frischem Grün und Pink kommt das neue Jahresprogramm 2019 des Familienentlastenden Dienstes (FeD) der Lebenshilfe Aachen daher. Doch nicht allein die Farbe zieht Aufmerksamkeit auf sich. „Wir legen unseren Fokus jetzt nicht mehr auf Betreuen, sondern eher auf Begleiten und Erleben“, fasst Siegrid Ophoff, Geschäftsführerin des FeD, die inhaltliche Neuausrichtung zusammen.

Freizeitgestaltung für oder eher zusammen mit Menschen mit Behinderung ermöglichen und zugleich pflegende und betreuende Angehörige entlasten – das ist der Auftrag des FeD, der seit 2008 unter dem Dach der Aachener Lebenshilfe als GmbH arbeitet. Er organisiert Einzel-, Gruppen- und Schulbetreuung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ab der ersten Schulklasse. „Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer wünschen sich ein normales Freizeitleben. Sie haben aber in der Regel Mehrfach-Behinderungen körperlicher und geistiger Art“, beschreibt Ophoff die FeD-Zielgruppe. „Dennoch: Sie wollen raus ins Leben!“

Aus dieser Feststellung heraus ist das neue Angebot „Kultur pur spontan“ für junge Erwachsene ab 18 Jahren entstanden: Einfach mal in die Disco gehen, einen Film im Kino sehen oder ein Konzert besuchen – was man Freitagabend gern als junger Mensch unternimmt – sind eben auch die Wünsche von jungen Menschen mit Behinderung. Doch ihnen stehen dabei deutlich höhere Hürden im Weg. Sie fangen bei der Mobilität an und hören bei einer qualifizierten Betreuung längst nicht auf. „Dafür sammeln wir jetzt Ideen und werden dann unsere Familien informieren“, erklärt Ophoff das Vorgehen. Einbringen können sich die Freizeitbetreuer ebenso wie die FeD-Teilnehmer. Ähnliches – nur eher tagsüber – soll es auch für Jüngere geben. Dann nennt es sich allerdings „FeD auf Tour“.

Mehr Flexibilität soll auch in die Freitags- und Samstagsgruppen einziehen. „Wir wollen nicht mehr ein Jahr im Voraus festlegen, wann gegrillt wird, wann wir einen Ausflug machen und wann gebastelt oder gekocht wird“ erläutert die FeD-Leiterin das im pädagogischen Team entstandene, neue Konzept. „Wir nehmen auf, was gerade in den jeweiligen Gruppen Thema ist und entscheiden und informieren dann mit einem Vorlauf von etwa 14 Tagen über das Programm.“

Die Reaktion der Freizeitbetreuer – sie arbeiten als Ehrenamtliche mit einer Aufwandsentschädigung für den FeD – sei überaus positiv gewesen. Sie führt das auch auf die nunmehr verpflichtende Basisqualifizierung zurück, die mittlerweile viele der FeD-Mitarbeiter absolviert haben. „Sie haben einfach mehr Wissen, zum Beispiel über die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, über Krankheits- und Behinderungsbilder oder über einen guten Umgang mit herausfordernden Situationen.“

Um den durch die Schulung entstandenen Teamgeist weiter zu fördern, möchte Ophoff zukünftig noch mehr auf Reflexion setzen: „Wo ist den Teilnehmern noch mehr zuzutrauen, wo droht Überforderung? Darüber sollen sich die Mitarbeiter austauschen und auf dieser Grundlage Angebote machen.“ Außerdem erhalten die geschulten Mitarbeiter einmal im Jahr eine weitere Fortbildung. Auch so hofft Ophoff, ihr Team weiter verstärken zu können: „Wir suchen weiterhin Leute, die gern mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung arbeiten möchten.“

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