Psychatrie statt Haft: Andre J. vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen

Psychatrie statt Haft : Andre J. vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen

Zur Urteilsverkündung im Schwurgerichtssaal war der wegen versuchten Mordes angeklagte Straftäter Andre J. (46) nicht anwesend. Nach seiner demonstrativen Darmentleerung im Gerichtssaal an einem der vorigen Prozesstage war er von der Prozessteilnahme ausgeschlossen worden.

Die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen hatte den überraschenden Vorfall souverän weggesteckt. Man war in einen anderen Saal umgezogen, hatte den Angeklagten und seine Hinterlassenschaft entfernt und konnte der Wahrheitsfindung ungestört weiter nachgehen.

Dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt war, war bekannt: In Einrichtungen wie der JVA oder der Dürener Forensik des Landeskrankenhauses sei er kaum „führbar“ gewesen, wie der Richter feststellte. Regelmäßig fiel er durch Gewaltakte und schlimmste Pöbeleien auf. Dort in der psychiatrischen Klinik hatte Andre J. am Silvestertag 2016 versucht, einen von ihm verhassten Mitinsassen, einen Sexualstraftäter, während des Hofgangs mit einer Kugelschreiberspitze zu töten. Das Vorhaben misslang; es war im Übrigen die dritte versuchte Tötungstat innerhalb weniger Jahre.

Vom Vorwurf des versuchten Mordes wurde Andre J. am Freitag vom Aachener Schwurgericht freigesprochen – wegen der aufgrund seiner psychischen Verfassung nicht vorhandenen Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt.

Urteil nicht überraschend

Der Urteilsspruch des Gerichts kam keineswegs überraschend, weil bereits der psychiatrische Gutachter Prof. Henning Saß (Aachen) genauestens beschrieben hatte, dass der manchmal einen völlig „normalen“ Anschein erweckende Andre J. seit langen Jahren unter einer mutmaßlich von Drogenmissbrauch hervorgerufenen Psychose leidet und sein ausfälliges oder auch gefährlich kriminelles Verhalten nicht mehr steuerbar sei.

Das hatten frühere Gutachten anders gesehen. Doch die Kammer folgte dem renommierten Gutachter Saß und stellte die Schuldunfähigkeit des Angeklagten fest, der nun erneut dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen wird.

(wos)
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