Aachen: „An wem? An Sie?“ Gebrauchsanweisung für Aachen

Aachen: „An wem? An Sie?“ Gebrauchsanweisung für Aachen

Das Wichtigste steht am Schluss. Dabei gelten Sprachkenntnisse doch als Schlüsselqualifikation für gelungene Integration. Und wer Anfängern in Aachen eine Bedienungsanleitung für die Stadt an die Hand geben will, sollte ihnen vielleicht schon zu Beginn erklären, was der Öcher „an sie“ sagt. Aber geschenkt: Der unkonventionelle Stadtführer mit dem irritierenden Titel „Endlich Aachen“ ist ansonsten eine echte Hilfe für Neuankömmlinge.

Dabei hat das gerade im Freiburger Rap-Verlag erschienene Buch erkennbar junge Leute im Blick. Die Leserschaft wird lässig geduzt und schon auf dem Einband darüber aufgeklärt, warum es sich lohnt, für diesen zehnten Band der Stadtführer-Reihe 14,90 Euro auszugeben: „Warum jahrelang schlechten Kaffee trinken, auf langweiligen Partys rumhängen und ideenlos auf dem Sofa sitzen? ‚Endlich Aachen‘ erspart Dir das.“

Das fängt schon mit der Frage an, wo man dieses Sofa überhaupt hinstellt. Mit launigen Worten stellen die fünf Autoren — nach Verlagsangaben „allesamt (ehemalige) Aachener Studenten“ — die Wohnquartiere der Stadt vor.

So erfahren die Neulinge, dass etwa im Westviertel die Mieten „eher moderat ausfallen“ und im Bereich Ronheide eher nicht („Wenn Du hier wohnst, hast Du vermutlich keine Geldsorgen“). Der Blick ist nicht auf die City beschränkt, sondern schweift auch bis hinaus in die Außenbezirke mit ihren Alleinstellungsmerkmalen: „Bemerkenswert ist in der Tat, dass es in Sief kein einziges Geschäft gibt.“

Für den Weg nach Sief oder anderswo listet das Buch alle möglichen Verkehrsmittel auf, ohne sich dabei ideologisch verdächtig zu machen. „In Aachen brauchst Du kein eigenes Auto“, heißt es zwar, aber das in Aachen weltbewegende Thema Campusbahn wird leidenschaftslos abgehandelt: „Eine Straßenbahn wirst Du vergeblich suchen. Das stört aber nicht weiter, denn innerhalb der Stadt nimmst Du einfach den Bus.“

So geht die Stadtführung munter weiter. Das kulinarische Angebot von „arabisch“ bis „polnisch“ wird gestreift, die Cafés und Kneipen vorgestellt, Locations zum Abtanzen aufgelistet, das kulturelle Angebot ebenso beschrieben wie Pizzadienste und Printenbäckereien. Auch das klassische Programm mit Dom und Rathaus fehlt nicht, für den Fall, dass „die Familie vor der Tür steht“.

Solche Formulierungen deuten auf eine studentische Zielgruppe hin, und noch präziser sieht man sie vor sich, wenn es ums Feiern geht. „Karten für Partys der ‚frauenstarken‘ Fächer wie Medizin oder Biologie sind meistens schnell ausverkauft“, wissen die Autoren.

Und die Sprache der Eingeborenen verstehen sie auch. Deshalb gibt es am Ende einen Übersetzungsteil, wo nicht nur Vokabeln stehen (Fott = Hintern, hömmele = viel) und das „Überbrechen“ erklärt wird, sondern auch die Feinheiten der Grammatik: „Wenn der Aachener etwas mitzuteilen hat, dann sagt er es ‚an wem‘.“

Julia Arndt, u.a.: „Endlich Aachen!“ Dein Stadtführer. Rap-Verlag, Freiburg 2013. ISBN 978 3 942733 14 4, Preis 14,90 Euro.

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