Aachen: An Ostern macht sich die „AG Pilgern” auf den Weg

Aachen: An Ostern macht sich die „AG Pilgern” auf den Weg

„Ostern ist nur Zufall”, sagt Leo Gielkens. Denn als überaus religiöse Veranstaltung möchte der Religionslehrer an der Heinrich-Heine-Gesamtschule seine „Arbeitsgemeinschaft (AG) Pilgern” gar nicht verstanden wissen. Also sei auch der Start ausgerechnet am Ostermontag eher zufällig ausgewählt worden, erklärt er. „Aber ein guter Zufall”, wirft Kevin Wernerus ein.

Der 16-Jährige ist einer von 13 Schülern im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, die sich für die klassenübergreifende AG gemeldet haben. Gemeinsam mit seinen Mitschülern und drei Begleitpersonen macht er sich am Ostermontag auf den Weg nach Trier - zu Fuß, in fünf Tagesetappen à fünf bis sechs Stunden, über insgesamt 140 Kilometer, Pilgern eben.

Und seine Motivation dazu ist wie die der meisten seiner Mitschüler eine bunte Mischung aus Neugier auf eine neue Erfahrung, Austesten der eigenen Grenzen und Belastbarkeit sowie Spaß an einem Gruppenausflug. „Normalerweise bin ich ziemlich faul”, gibt Kevin zu, aber: „Ich spiele Fußball und Trompete.”

Also glaubt er, genügend Puste für die Wanderung mitzubringen. Ein bisschen unsicher ist er aber doch. Nach der Probewanderung, die die Gruppe im strömenden Regen nach Moresnet unternommen hatte, plagte ihn jedenfalls Muskelkater. Aber Kevin lässt sich trotzdem auf das Abenteuer ein. Auch deshalb ist Ostern „ein guter Zufall”.

Dennoch, sein Lehrer bleibt dabei: „Das soll keine fromme Veranstaltung sein.” Leo Gielkens hat die AG überschrieben mit dem Titel „Wir machen Deinen Weg frei.” Ihm geht es mehr um die Fragestellung, wohin der Lebensweg die Schüler führt. „Einige der Schüler machen nach dem Schuljahr weiter und gehen in die Oberstufe, andere gehen ab und fangen eine Ausbildung an.”

Angesichts solcher Entscheidungen habe man sich in der Vorbereitung der Pilgerreise auch mit spirituellen Texten beschäftigt, die sich mit Gedanken zum eigenen Leben auseinandersetzen und mit dem, was die Teilnehmer bewegt, erzählt Gielkens.

Aber auch ganz praktische Dinge standen auf dem AG-Programm. „Wir haben uns mit den richtigen Wanderschuhen beschäftigt und haben ein Fachgeschäft in der Innenstadt besucht”, nennt Gielkens als Beispiel. Außerdem hatten die Teilnehmer die Aufgabe, Unterkünfte für die Übernachtungen auf dem Weg zu finden.

Übernachtet wird nun in Pfarrheimen oder sogar in Feuerwehrhäusern. Eine Einkaufsliste für die Verpflegung wurde gemeinsam erstellt, ebenso wie eine Packliste für Gepäck und Rucksack. „Auf alle Sonderwünsche konnten wir dabei natürlich nicht Rücksicht nehmen”, so Gielkens, „und so kommt nun meistens das gute, alte Butterbrot in den Rucksack.”

Die Schüler haben offenbar verstanden, was ihr Lehrer mit diesen Aufgaben erreichen wollte. „Wir sollen unterwegs aufeinander achten”, sagt die 16-jährige Eunice Adams, „und uns gegenseitig helfen und motivieren”. Was Hilfestellung beim Wandern angeht, dürfte ihre Mitschülerin Wiebke Bratz die erste Adresse sein. Denn die 16-Jährige ist passionierte Wanderin. „Meine ganze Familie wandert”, erzählt sie und verrät, dass sie auf dem Weg nach Trier ihren Mitschülern mitnichten zeigen wolle, wie man richtig wandert, sondern: „Meine Motivation ist, mal für Gott zu wandern.”

Fünf Minuten Schweigen

Ob die Schüler über Gott nachdenken oder über etwas anderes, ist Leo Gielkens nicht so wichtig. Hauptsache ist, dass sie überhaupt nachdenken. „Jeden Tag um fünf vor zwölf setzen wir einen kleinen Impuls, dann sollen die Schüler fünf Minuten schweigend wandern und darüber nachdenken”, erklärt der Pädagoge.

Die Vorfreude ist bei seinen Schülern auf jeden Fall da, obwohl die AG zusätzlich zum Unterricht läuft und die Wanderung in den Ferien stattfindet. „Viele Mitschüler wundern sich, dass wir das in den Ferien machen”, hat Stephanie Großcurth festgestellt. Den Teilnehmern ist das egal. „Das ist doch mal eine Herausforderung”, findet René Honds. „Auf jeden Fall ist es besser, als in den Ferien nur in Facebook herumzusurfen”, sagt der 16-Jährige. Und sein Mitschüler Nico Braunleder freut sich darauf, „die anderen viel besser kennenzulernen”.

Für Leo Gielkens ist die Pilgerreise schon vor dem Start ein Erfolg, denn „die Vorbereitung hat schon Spaß gemacht”. Er selbst kommt aus der kirchlichen Jugendarbeit und kennt solche Projekte. Daher weiß er: „Die Schüler leisten hier unheimlich viel.”

Die Pilgergruppe der Heinrich-Heine-Gesamtschule macht sich am frühen Ostermontagmorgen auf den Weg nach Trier. Vom Schulzentrum in Laurensberg geht es zunächst mit Autos zum eigentlichen Startpunkt nach Hallschlag in der Vulkaneifel.

Von dort wandern die 13 Schüler und ihre drei Begleitpersonen, Religionslehrer Leo Gielkens, Referendarin Hanna Wulf und Subsidiar Hannokarl Weishaupt, auf dem Matthiasweg nach Trier. Die insgesamt 140,5 Kilometer lange Strecke ist eingeteilt in fünf Etappen.

Die Etappen im einzelnen: Hallschlag-Bleialf (22 Kilometer), Bleialf-Dasburg (33,5 Kilometer), Dasburg-Körperich (26 Kilometer), Körperich-Echternacherbrück (27 Kilometer), Echternacherbrück-Trier (32 Kilometer).

Am Abend des Freitag, 13. April, kommt die Gruppe in Trier an. Tags drauf am Samstag, 14. April, hält sich die Gruppe in Trier auf, wo zu dieser Zeit die Heilig-Rock-Wallfahrt (13. April bis 13. Mai) läuft. Dazu werden Hunderttausende Pilger aus aller Welt in Trier erwartet. Bei der letzten Heilig-Rock-Wallfahrt 1996 kamen 700 000 Menschen, um den Rock Jesu Christi zu sehen.

Mit dem Zug machen sich die Aachener Pilger am Samstagabend auf den Weg zurück nach Aachen.