Aachen: Amokfahrt in der Pontstraße: Vermeintliches Opfer sitzt in U-Haft

Aachen : Amokfahrt in der Pontstraße: Vermeintliches Opfer sitzt in U-Haft

Neue Entwicklung im Fall der Amokfahrt in der Aachener Pontstraße eine Nacht vor Silvester: In Untersuchungshaft sitzt nun nicht mehr der Fahrer des Wagens, der offenbar versucht hat, eine andere Person zu überfahren, sondern letztere. Gegen beide besteht der Vorwurf des versuchten Totschlags.

Ein mit bisherigen Ermittlungsergebnissen aktualisierter Rückblick: In der Nacht auf Samstag, kurz vor Silvester, gerät ein 34-Jähriger in der Pontstraße um kurz vor drei Uhr morgens mit einer anderen Person in Streit. Mit wem — vermutlich ein Blumenverkäufer, sagt Staatsanwalt Jost Schützeberg — konnte bisher nicht sicher ermittelt werden.

In den Streit jedenfalls mischt sich ein weiterer Mann ein, dessen Kumpel daraufhin offenbar Gefahr wittert. Er ergreift die Initiative, schlägt dem 34-Jährigen eine Bierflasche über den Kopf und verschwindet anschließend so schnell wie möglich.

Betrunken und unter Drogen

Der Geschlagene — er ist betrunken ist und steht vermutlich unter Drogeneinfluss — entschließt sich, in seinen Wagen zu steigen und seinen Peiniger zu verfolgen. Er fährt die Pontstraße hoch und runter, auch gegen die Einbahnstraße. Als er den Schläger hinter dem Fahrzeug erkennt, legt er den Rückwärtsgang ein und drückt das Gaspedal durch, hält stramm auf ihn zu und will den Flaschenschläger augenscheinlich überfahren oder zumindest verletzen.

Parkende Autos gerammt

Dabei rammt er geparkte Autos, fährt Mülleimer um und streift einen Baum. Das vermeintliche Opfer aber hat andere Pläne und bereits wieder eine Waffe in der Hand. Dieses Mal handelt es sich um eine Eisenkette, mit der er auf den Wagen einschlägt und dabei eine Seitenscheibe zertrümmert. Weitere Personen ziehen den Fahrer anschließend durch die zerschlagene Scheibe aus seinem Auto.

„Es muss davon ausgegangen werden, dass von dem Fahrer zu diesem Zeitpunkt keine Gefahr mehr ausging“, sagt Schützeberg. Und dennoch schlägt der Mann, der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, mit der Eisenkette auf den Fahrer ein, auch auf seinen Kopf, und verletzt ihn laut Staatsanwaltschaft erheblich. Am Ende kann der 34-Jährige sich in seinen Wagen retten und die Flucht ergreifen.

Soweit der Ermittlungsstand. Aufgrund dieser Ergebnisse ist der Fahrer des besagten Wagens, gegen den nach wie die Vorwürfe versuchter Totschlag, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung bestehen, vom Vollzug der Untersuchungshaft unter Auflagen (denkbar sind zum Beispiel Stellen einer Kaution oder Meldepflicht) verschont geblieben.

Stattdessen ist sein Kontrahent, der zunächst mit Flasche, dann mit Eisenkette zugeschlagen hat, vor knapp zwei Wochen in Untersuchungshaft gesteckt worden. Auch gegen ihn besteht nun der Vorwurf des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung.

In einer Gruppe unterwegs

Der nun inhaftierte Mann war am Tatabend in einer Gruppe mit anderen Personen unterwegs, in der es weitere Beschuldigte gibt. Mehr könne er derzeit jedoch nicht sagen, erklärte Staatsanwalt Schützeberg, die Ermittlungen dazu liefen noch.

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