Aachen: Amnesty wirbt für mehr Schutz und Hilfe

Aachen: Amnesty wirbt für mehr Schutz und Hilfe

Sie wollen sich gemeinsam für die Flüchtlinge stark machen und haben sich deshalb am Dreiländerpunkt am Vaalserberg getroffen: Amnesty-Gruppen aus der Euregio luden am Sonntag unter dem Titel „S.O.S. Europa“ dazu ein, sich bei Filmen, Interviews und verschiedenen Aktionen mit den unterschiedlichen Aspekten der Flüchtlingsfrage zu beschäftigen.

„Der Dreiländerpunkt ist mehr als jeder andere Ort Symbol für offene Grenzen“, meinten einmütig alle Beteiligten.

Und wie gut der Blick über die Grenze funktioniert, beweist Vaals Bürgermeister Reg Van Loo. „Wir wollen Aachen unsere Hilfe anbieten, in welcher Form auch immer“, sagt er. Vaals selbst habe keine Möglichkeiten, eine größere Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen. In einem Feriendorf seien aber fünf Familien untergebracht. Da man selbst bei der Unterbringung nicht viel tun könne, wolle man die Aachener bei ihrer Arbeit unterstützen, sagt er. Näheres werde erst noch mit Oberbürgermeister Marcel Philipp und Bürgermeisterin Hilde Scheidt besprochen.

Hilde Scheidt erzählte einem eher kleinen Kreis von Zuhörern, welche Erfahrungen Aachen bei der Aufnahme von Flüchtlingen gemacht hat. „Wir wussten ja schon länger, dass wir Flüchtlinge zugewiesen bekämen, aber dass es gleich so schnell gehen würde, damit haben wir nicht gerechnet“, sagte sie.

Bislang sei man bei der Unterbringung glücklicherweise noch nicht auf Zelte angewiesen. Die Menschen, die nach Aachen kämen, seien still und dankbar und würden sich auch untereinander helfen, ohne auf die Nationalität des anderen zu achten.

„Alle Menschen haben Recht auf Schutz und Hilfe“, sagte sie und fügte mit Blick auf die vielen Menschen, die ehemals nach Amerika auswanderten, hinzu: „Flüchtlingsströme haben noch nie geschadet.“ Das Leben werde bunter und die Flüchtlinge brächten immer auch etwas mit.

Sie hob die große Hilfsbereitschaft der Aachener hervor, verschwieg aber auch die negativen Stimmen nicht. „Aber wir sind mehr und wir sind stärker“ formulierte sie als Antwort auf das, was sie „Pegida-Stimmen“ nennt. Außerdem forderte sie offene Grenzen in Europa. „Jetzt gehen wir hin und machen den Stacheldraht dahin“, kritisierte sie die aktuelle Vorgehensweise.

Der holländische Bürgermeister und Hilde Scheidt sind sich einig darin, dass Deutschland bei der Aufnahme der Flüchtlinge den richtigen Weg gegangen ist. Van Loo zollte der Kanzlerin Angela Merkel großen Respekt und hofft, dass ihre „humanitäre Geste“ in ganz Europa Schule macht.

Wie komplex die Flüchtlingsfrage ist, macht Ingeborg Heck-Böckler, Amnesty International, deutlich. Auch sie lobt die große Aufnahmebereitschaft der Aachener und die Arbeit der eigens eingerichteten Stabstelle, die vorbildlich sei. Aber sie kritisiert auch die Verschärfung des Asylrechts, die sich daraus ergebe, dass immer mehr Herkunftsländer als sicher klassifiziert werden.

Die Aufnahmeplätze in Europa müssten insgesamt erhöht werden und das Geld, dass für Flüchtlingslager vor Ort vorgesehen sei, müsse endlich fließen. Zudem müssten die Familien schneller wieder zusammengeführt werden. Amnesty-International hat gleich einen ganzen Katalog von Forderungen, um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern. Gemäß dem Motto „Menschenrechte kennen keine Grenzen“ wollen die Amnesty-Gruppen gemeinsam dafür sorgen, dass sie ihren Zielen näher kommen.

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