Am Universitätsklinikum sollten längst neue Kreißsäle entstehen

Ruhende Baustelle am Klinikum sorgt für Fragen : Die hochmoderne Patientenversorgung lässt noch auf sich warten

Die große Grube liegt verlassen. Wer derzeit, aus welchen Gründen auch immer, im hinteren, den Versorgungsgebäuden und dem Grenzort Vaals zugewandten Teil des Uniklinikums Aachen zu tun hat, wundert sich – vom Eingang her gesehen auf der linken Seite – über ein gewaltiges Loch, bedeckt mit einer schmutzigen Plane.

Dort sollte eigentlich längst ein dringend benötigtes modernes Gebäude stehen, 54 Millionen Euro teuer und sieben Geschosse hoch. Doch das Vorhaben lässt auf sich warten.

Zur Grundsteinlegung am 19. Dezember 2016 (!) war eigens die damalige NRW-Bildungsministerin Svenja Schulze angereist, die während der Zeremonie viele lobende Worte fand: „Was hier in den kommenden Monaten entsteht, ist nicht nur ein Anbau aus Beton, Stahl und Glas, es entsteht die bauliche Hülle für einen Fortschritt, der sich in ganz vielen Bereichen auswirken wird: in einer hochmodernen und patientenorientierten Krankenversorgung, in weiteren Forschungsprojekten und in der Ausbildung künftiger Ärztinnen und Ärzte.“ Doch die heutige Bundesumweltministerin irrte sich, geschehen ist seit der Grundsteinlegung nichts mehr: Die ausgedehnte Ausschachtung neben dem Riesengebäude gammelt vor sich hin.

Neue Kreißsäle, die sich bisher im fensterlosen Untergeschoss befinden, sollten in dem sogenannten Intensivgebäude eingerichtet werden, „zeitgemäße räumliche Strukturen etwa für die Frauenklinik und die Versorgung von Schwerverletzten“ geschaffen werden, wie das UKA in einer Presseerklärung seinerzeit stolz mitteilte. 420 Millionen Euro investiert das Land insgesamt in die Aachener Uniklinik, das Intensivgebäude nimmt davon einen gehörigen Batzen in Anspruch. Das Ganze ist Teil einer noch größeren Anstrengung, des so getauften Medizinischen Modernisierungsprogramms in Höhe von 2,2 Milliarden Euro für Kliniken in ganz NRW. Doch kurz nach dem feierlichen Eröffnungsvorgang sprangen die Signale offensichtlich auf Rot. Wie konnte es dazu kommen?

„Zeitlich neu priorisiert“

„Wir haben eine Verspätung in diesem Bauprojekt“, gesteht Dr. Mathias Brandstädter, der Leiter der Stabsstelle Unternehmenskommunikation, auf Anfrage kleinlaut ein. Vor dem Hintergrund der Bewilligung des neuen Zentral-OP-Traktes seien die einzelnen Projekte „zeitlich neu priorisiert“ worden, um die Abläufe und Kosten möglichst gering zu halten. Dies beziehe sich vor allem auf Bauplanungen, Bautrassen und -verkehr. Mit anderen Worten: Es ist mit den Riesenprojekten alles schwieriger als gedacht. Deshalb konnte die 60 Meter lange und 19 Meter breite Grube für das Intensivgebäude auch noch nicht gefüllt werden – und es sieht auch nicht so aus, als ob das so schnell der Fall sein wird.

Bevor nämlich die großen Baumaßnahmen angegangen werden können – auch die zentrale OP-Abteilung inklusive Intensivstationen für 180 Millionen Euro auf dem bisherigen großen Parkplatzgelände – muss als Ersatz erst das sogenannte Parkhaus Süd mit mehr als 1500 Plätzen gebaut werden, und für das ist noch nicht einmal die Baugenehmigung der Stadt Aachen da.

Bis das neue Parkhaus steht und in Gebrauch genommen wird, vergehen noch einmal eineinhalb Jahre, schätzt Kommunikationschef Brandstädter. Dann schreibt man wahrscheinlich schon das Jahr 2021, und dann könnte es auch mit dem Intensivgebäude endlich sieben Etagen in die Höhe gehen. Bis zur Fertigstellung wären allerdings aus einigen Monaten, von denen Ministerin Schulze 2016 gesprochen hatte, fünf Jahre geworden, mindestens. Wenn alles gut geht…

Die Investitionen sind überfällig

Die Investitionen im und um das Uniklinikum herum sind überfällig. Schließlich stammen die Pläne für das UKA noch aus den 1960er Jahren, als die Medizinische Fakultät der RWTH aus der Taufe gehoben wurde. Der Baubeginn datiert von 1971, es dauerte aber auch damals schon alles viel länger als gedacht und wurde viel teurer als vorgesehen – am Ende mehr als zwei Milliarden D-Mark.

Forschung, Lehre und Krankenversorgung unter einem Dach, das war die Idee. So wurde das Dach nicht weniger als 250 Meter lang und 130 Meter breit. Erst 1985 wurde das UKA, eines der größten Krankenhausgebäude Europas, offiziell eingeweiht.

Längst steht es unter Denkmalschutz, bietet aber inzwischen unzureichend Platz und muss schon in Teilen saniert werden. Die Operationssäle und Räume für Untersuchungen etwa sind vielfach zu klein, weil medizinische Geräte immer größer geworden sind, 7000 Beschäftigte stöhnen über mitunter schwierige Arbeitsbedingungen, verursacht etwa durch die veraltete Warentransportanlage. Parkplatzprobleme durch vorbereitende Baumaßnahmen verschärfen die schon seit Jahren angespannte Situation auch für alle Besucher des Riesenbaus.

Alter und Ausmaß des Gebäudes führen oft zu Abstimmungsproblemen der immerhin 34 Fachkliniken im selbsternannten „universitären Maximalversorger“ untereinander.

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