Aachen: Am liebsten hätte jeder blaues Licht beim Weihnachtscircus am Bendplatz

Aachen : Am liebsten hätte jeder blaues Licht beim Weihnachtscircus am Bendplatz

Ab Freitag hat Stefan Rausch eigentlich schon Urlaub. Zumindest fühlt es sich für ihn so an. Denn dann liegen der Stress und die Anspannung der vergangenen Tage hinter ihm, dann ist alles so programmiert, wie es sein soll und alle erstrahlen im besten Fall im besten Licht. Rausch, 34 Jahre alt, ist Lichtdesigner beim Weihnachtscircus Aachen und hatte bei der Generalprobe noch alle Hände voll zu tun.

Seit Sonntag weilt der Siegener in Aachen, arbeitet täglich — ebenso wie alle Artisten und die gesamte 20-köpfige Crew hinter den Kulissen am Bendplatz — etwa 16 Stunden täglich daran, dass am Premierenabend am Freitag für den Zuschauer alles perfekt in Szene gesetzt wird. „Die Show selber ist wie Urlaub“, sagt er und lacht.

Rund 50 Artisten sind bei der heutigen Premiere des Aachener Weihnachtscircus am Bendplatz zu sehen. Hinter den Kulissen sind auch noch mal etwa 20 Menschen im Einsatz, darunter Lichtdesigner Stefan Rausch (rechts), der gestern noch alle Hände voll zu tun hatte. Foto: Harald Krömer

430 Lichtstimmungen

Am Donnerstag musste er allerdings noch auf jedes Detail achten. „Ich muss auf zwei Dinge besonders Rücksicht nehmen: das Arbeitslicht für die Artisten und dann muss ich drum herum noch etwas Nettes zaubern“, sagt Rausch. Im Vorfeld hat er gemeinsam mit den Regisseuren Sandor Donnert und Thomas Bruchhäuser sowie mit den Artisten erste Vorschläge ausgearbeitet und sie im Anschluss geprobt und auf seinem Lichtpult programmiert.

„Manchmal sitzt man vier Stunden an einer Nummer“, sagt er. Er versucht dabei, die Wünsche der Artisten zu berücksichtigen, muss aber auch darauf achten, dass das Gesamtbild stimmig ist. „Jeder will immer nur blaues Licht haben. Aber das geht natürlich nicht“, sagt der 34-Jährige.

Warum das so ist, könne er sich auch nicht erklären, aber eine weihnachtliche Zirkusshow in reinem Blau wäre vielleicht doch zu viel des Guten. Insgesamt gibt es bei einer Show 430 verschiedene Lichtstimmungen. Und die werden im Vorfeld alle per Hand eingestellt. Bei der Show selbst muss er dann nur noch wenige Knöpfe drücken.

Um alles genau im Blick zu haben, sitzt er bei der Generalprobe daher noch ziemlich weit vorne. Das wird am Freitag natürlich nicht so sein. Dann findet man Rausch am Rande des Zeltes — oben beim Tontechniker. Bis dahin war es aber „unfassbar viel Stress“. Doch er betont: positiver Stress. Denn trotz aller Anspannung merkt man schon bei der Probe, dass die Zirkusleute all das lieben: den Stress, den Aufbau, den Nervenkitzel.

„Wir haben 14 Tage lang aufgebaut und proben etwa fünf bis sechs Tage“, sagt Tom Merz, Spielleiter. Die rund 50 Artisten sind aus 18 verschiedenen Ländern angereist. Allein 40 Flüge waren das. Und all ihr Equipment musste schließlich auch irgendwie nach Aachen kommen — wenn auch auf die wahrlich letzte Sekunde. „Beim Todesrad fehlte eine Seite. Das ist beim Zoll hängengeblieben“, sagt Merz.

Im Laufe des Dnnerstages soll es dann aber noch angekommen sein. Und auch spezielle Batterien haben den Weg bis Aachen nicht unbeschadet überstanden. „Sie sind ausgelaufen“, so Merz weiter. Auf die Schnelle hat er dann noch welche per Express aus Dänemark bestellt. „Wir haben allein über 350 Artikel noch hier in Aachen gekauft“, sagt der Spielleiter.

Darunter einen Fön für eine Darstellerin, Teppichklebeband und goldenes Fransenband für die Bühne. Ganz schön viel zu tun. „Das ist natürlich auch alles sehr nervenaufreibend“, sagt Merz, strahlt dabei aber dennoch über beide Ohren. Schließlich mache all das den Zirkus aus. „Das sind alles Profiartisten. Darunter Stammkünstler, Künstler, die wir auf Zirkusfestivals entdecken oder Artisten, die sich beworben haben“, sagt er.

Ein starkes Team, das sich gerade einspielt. Nun feilen Rausch und alle anderen noch an den Feinheiten, den Übergängen, den Zeiten. Das Testpublikum, das am Donnerstag bei der Probe anwesend war, spielt da auch eine wichtige Rolle. Denn wenn ihnen eine Nummer offensichtlich gefällt, wird diese am Freitag sicher besonders lange zu sehen sein.

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