Steine in den Weg gelegt: Am Ende ist auch der Biber einsichtig

Steine in den Weg gelegt : Am Ende ist auch der Biber einsichtig

Wer sich von Laurensberg zu Fuß Richtung Soers auf den Weg macht, kann nun wieder den Zweiweiher-Weg zwischen dem Aachener Tuchwerk und dem Sonnenweg nehmen.

Der beliebte Weg war drei Jahre lang gesperrt, weil Biber den Damm, der unter dem Weg zwischen den beiden Weihern der ehemaligen Kratzenfabrik Sartorius, später Elsa und heute Sparkasse, liegt, an mehreren Stellen unterhöhlt hatten und so für Fußgänger gefährliche Löcher an der Oberfläche entstehen lassen.

Doch mit der Sperrung des Weges wollten sich die Soerser nicht abfinden. Insbesondere das Soerser Forum mit Hans-Karl Rouette ließ nicht locker, hakte immer wieder nach und sammelte schließlich 900 Unterschriften der Soerser Bürger, die sich gewünscht hatten, dass der Weg wieder eröffnet würde. „Der Weg ist Teil des Weißen Weges und des europäischen Fernwanderweges. Außerdem ist er der alte Kirchweg zwischen Haaren und Laurensberg“, erklärt Axel Deubner.

Der Unternehmer hat zusammen mit Mitgliedern des Soerser Forums, Soerser Bürgern und der NABU-Naturstation Aachen dafür gesorgt, dass der Weg wieder zugänglich ist. Zunächst wollten die Initiatoren herausfinden, was der Biber am Damm eigentlich treibt. Dafür wurden sämtliche Gänge mit einer Kanalkamera abgefahren und die Länge genau kartiert. Gleichzeitig wurden Möglichkeiten gesucht, wie verhindert werden kann, dass der Biber die Gänge nicht weiter nutzt. Denn entsprechende Spuren belegen, dass der Nager auch oberirdisch die Seiten wechselt. Also wurden ihm unterirdisch buchstäblich Steine in den Weg gelegt.

Oberirdisch hingegen gibt es bibergerechte Wechselspuren, an denen der Weg etwas abgesenkt wurde. Außerdem wurde der beidseitige Zaun mit kleinen Öffnungen versehen. Die größten Tunnel wurden mit Wasserbausteinen verschlossen und mit Schotter weiter verfüllt, mit feinem Material abgedeckt und an der Oberfläche mit feinem Splitt abgedeckt.

Insgesamt 32 Tonnen Material verbaute ein Soerser Gartenunternehmen. Und anfangs zeigte sich der Biber wenig einsichtig: „Sobald wir hinten fertig waren, hatten wir vorne neue Löcher“, erinnert sich Helmut Klenker, der selbst aus einer alten Soerser Familie stammt. Doch seit Ende der Arbeiten Ende März dieses Jahres sind keine neuen Löcher mehr entstanden.

Bis zu 10.000 Euro kostete die Instandsetzung insgesamt, überwiegend getragen durch Spenden. Die würden auch benötigt, um die laufende Instandhaltung des Weges zu gewährleisten, meint Axel Deubner. Drei Jahre hat die Initiative die Pflege für den Weg übernommen. Und der Biber? „Mit dem haben wir einen Vertrag: Nachts darf er den Weg benutzen, tagsüber ist er für die Fußgänger“, schmunzelt Deubner.

NABU auch zufrieden

Zufrieden mit dem Ergebnis ist auch Manfred Aletsee, Geschäftsführer der NABU-Naturstation und Biberbeauftragter der Stadt Aachen: „Es ist gelungen, zwischen Naturschutz und den Bedürfnissen der Menschen einen Ausgleich zu finden.“ Etwas ärgerlich sei gewesen, dass es drei Jahre gedauert hat, bis man alle Beteiligten an einen Tisch bekommen hatte. Lange hatten auch die Bedenken seitens der Stadt Aachen zur Verkehrssicherheit des Weges für Verzögerungen gesorgt. Doch in Anbetracht des Ergebnisses ist der Ärger verraucht, bei den Soersern herrsche eine „Riesenfreude, dass der Weg wieder offen ist,“ versichert Deubner.

Dass Spaziergänger den Biber auf ihrem Weg quasi bei der Arbeit beobachten können, ist eher unwahrscheinlich, die Nager sind nachtaktiv. Die Spuren seiner nächtlichen Landschaftsgestaltung lassen sich dagegen gut beobachten. Typische Nagespuren, gefällte Baumstämme und ein alter Bau verraten, wo sich der Biber aufgehalten hat, auf der Suche nach Rinde und Blättern. Für Radfahrer ist der Weg gesperrt, zur Sicherheit der Fußgänger sind Fahrradbügel aufgestellt worden.

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