Aachen: Altes Handwerk mit frischem Design beim Europamarkt

Aachen : Altes Handwerk mit frischem Design beim Europamarkt

Sie ist leise, sie verbraucht keinen Strom, und sie versieht auch heute noch zuverlässig ihren Dienst. Die 100 Jahre alte Nähmaschine von Noona Freudenberg rattert munter vor sich hin. Und ein Hingucker ist sie allemal. Die Leute bleiben stehen vor diesem Bild, das der Vergangenheit entsprungen scheint.

Noona trägt die Kleider, die sie selbst näht, und nicht nur der Zylinder auf ihrem Kopf sorgt dafür, das der ein oder andere sein Handy zückt, um diese Szene festzuhalten. „Ich habe 23 Jahre lang alle Kleider auf dieser Nähmaschine genäht“, erzählt sie. Doch dann wurde ihr das ständige Treten des großen Pedals zu mühsam, und sie stieg auf eine elektrische Maschine um. Für den Europamarkt hat sie ihr altes Schätzchen noch einmal blank geputzt und in Betrieb genommen.

Hat extra für Aachen ihre alte Nähmaschine wieder in Betrieb genommen: Schneiderin Noona Freudenberg aus Lüneburg.

„Gerade ältere Leute freuen sich sehr, wenn sie mich hier sehen“, erzählt sie. Und auch die Jungen seien begeistert von der alten Technik und prüften sehr genau die Funktionsweise der alten Tretmaschine. Probleme mit dem Zubehör hat es laut Noona bis heute nicht gegeben. Nadeln und Spulen kann sie demnach noch immer problemlos im Handel kaufen.

Noona ist aus Lüneburg gekommen, um ihre Kleider und ihre Arbeit auf dem Europamarkt vorzustellen. „Der Markt hat einen sehr guten Ruf“, sagt sie, und deshalb kommt sie schon seit einigen Jahren. Überall dort, wo altes Handwerk lebendig vorgeführt wird, bildet sich rasch eine Traube von neugierigen Zuschauern.

Die G&M-Metallbauer aus Stolberg faszinieren mit ihrer offenen Schmiede und führen vor, wie ein Metallbaum angefertigt wird. Ein junger Mann hämmert gerade mit Geduld die Blätter. Nicolas Hoffmann schaut ihm zu. Er ist Meister und präsentiert sich in der klassischen Kleidung seiner Zunft. So will er dem alten Schmiedehandwerk die Bedeutung geben, die es seiner Meinung nach verdient. „Und eigentlich laufe ich immer so rum“, sagt er dann noch. Laut Firmenchef Andreas Markmann präsentiert sich die Firma inzwischen nur noch auf dem Europamarkt. „Woanders lohnt sich das gar nicht mehr“, meint er. Aber den Europamarkt hält er nach wie vor für die richtige Plattform, um für die eigenen Produkte zu werben.

Traditionelles Handwerk zwischen Rathaus und Dom

Das bunte Treiben zwischen Rathaus und Dom und auf vielen anderen kleinen Plätzen der Innenstadt bietet auch in diesem Jahr wieder jede Menge Gelegenheit, um sich mit traditionellen Handwerksberufen vertraut zu machen. Tischlermeister Martin Rack ist mit seiner Freundin aus Monschau angereist und präsentiert ungewöhnliche Holzarbeiten. Neben Designer-Lampen und individuellen Möbeln fertigt er Waschbecken aus Naturholz an. „Die Becken werden aus dem ganzen Stamm gearbeitet“, sagt er. Anschließend werden sie mit Lacken so präpariert, dass ihnen das Wasser nichts mehr anhaben kann.

Die immer wieder neuen Design-Ideen entstünden im Arbeitsprozess, berichtet er weiter, während seine Freundin auf ihren Kaffeebecher klopft. Auch der ist aus Holz und eigentlich nur deshalb entstanden, weil ihr die herkömmlichen Tonbecher immer wieder zu Bruch gegangen sind. „Das lässt sich doch vermeiden“, meinte der Tischlermeister und entwickelte einen unzerbrechlichen Trinkbecher aus Holz.

Die Möglichkeiten des Handwerks scheinen unendlich und der Europamarkt zeigt vom Lederhandwerk über Schmuckdesign und Metallbau so ziemlich alles, was man sich denken kann. Mehr als 600 Stände breiten sich auf insgesamt sieben Plätzen aus. Devis Hörnchen aus der Eifel führt die Arbeit in einer Bogenwerkstatt vor. „Die Aachener sind ein dankbares Publikum“, sagt er.

Denn in der „Stadt der Ingenieure und Techniker“ gebe es ein entsprechend großes Interesse an seiner Arbeit. Der Europamarkt gefällt Besuchern und Ausstellern offensichtlich gleichermaßen. Dabei scheinen viele Anbieter aus der Region zu kommen. Die Messer von Achim Wirtz allerdings werden als belgisch-deutsch-niederländische Co-Produktion präsentiert. Und darunter finden sich dann sogar auch japanische Modelle.

Mehr von Aachener Nachrichten