Aachen: Alternativen zur Antoniusstraße: OB Philipp gibt endlich seine Liste preis

Aachen : Alternativen zur Antoniusstraße: OB Philipp gibt endlich seine Liste preis

Bislang existierte sie nur gerüchteweise, und nicht wenige Planungspolitiker hatten gehofft, dass sie ohnehin nur ein Hirngespinst ist — die Liste des Oberbürgermeisters mit möglichen Bordellstandorten fernab der Antonius­straße. Seit gestern wissen sie: OB Marcel Philipp führt sie wirklich.

Zur Vorbereitung auf die nächste Sitzung des Planungsausschusses am kommenden Donnerstag wurde den Fachpolitikern gestern eine Mail mit den bislang gutgehüteten Adressen zur Beratung im nichtöffentlichen Teil zugesandt. In seinen „Notizen“ habe der OB Standortvorschläge festgehalten, die ihm im Zuge der Diskussion um die Antoniusstraße zugetragen worden seien, teils habe er aber auch eigene Überlegungen über alternative Bordellstandorte angestellt, heißt es.

Nach „Nachrichten“-Informationen geht es dabei um Flächen am Prager Ring, am Berliner Ring, im Umfeld der Justizvollzugsanstalt in der Soers, im Bereich des neuen Polizeipräsidiums in Brand, an der Krefelder Straße, an der Charlottenburger Allee und Am Gut Wolf.

Ob die Standorte tatsächlich tauglich wären, wurde seitens der Verwaltung bislang eigenen Angaben zufolge nicht geprüft oder bewertet. Überall wäre wohl auch mit heftigem Widerstand von Anwohnern zu rechnen. Aus Sicht vieler Rats­politiker symbolisiert die Liste ohnehin nichts anderes als „unnötiges Störfeuer“ in einer denkbar heiklen Debatte über die Umgestaltung des Altstadtquartiers rund um Büchel und Anto­niusstraße. Als eher unwahrscheinlich gilt daher, dass am kommenden Donnerstag tiefergehend über eine der Flächen gesprochen wird.

Denn eine Auslagerung des Rotlichtviertels aus der Innenstadt an den Stadtrand, wie sie etwa der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident und auch die FDP favorisieren, hält die große Mehrheit im Rat schlicht für realitätsfern. Die geplante Ausweitung des Sperrbezirks — also die Verkleinerung des bestehenden Rotlichtviertels — wird schon knifflig genug.

Immense Hürden

Eine komplette Auslagerung aber sei nur mit immensem rechtlichen Aufwand und vermutlich auch hohen Ausgleichszahlungen an die bisherigen Eigentümer und Betreiber der Bordellbetriebe denkbar. Auch aus sozialen Gründen erscheint vielen Politikern eine Auslagerung nicht sinnvoll. In der Innenstadt könnten Prostituierte ihrem Gewerbe geschützter nachgehen, glauben sie.

Zuletzt haben CDU, SPD, Grüne, Linke und Piraten Mitte Juni per Ratsbeschluss erneut deutlich gemacht, dass die seit langem geplante Sanierung des Altstadtquartiers Büchel aus ihrer Sicht nur samt Puff gelingen könne — einzig Philipp, die FDP und die AfD-Vertreterin sehen das anders.

Als später bekannt wurde, dass Philipp dennoch eine Liste für alternative Bordellstandorte führte, sahen darin selbst Parteifreunde eine Missachtung demokratisch gefasster Beschlüsse. Er torpediere damit einen vor fast zehn Jahren eingeleiteten Planungsprozess und gefährde das gesamte Projekt Altstadtsanierung, warfen ihm zuletzt die Grünen vor.

Und längst fragen sich viele Politiker auch, wie viel Vertrauen sie in dieser Sache dem Verwaltungschef noch schenken können. Verzögert er womöglich die weiteren Planungsschritte, um die Dinge doch noch in seinem Sinne zu beeinflussen? Wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt, zeigte sich bereits im vergangenen Planungsausschuss. Seitens der Politik gab es deutliche Kritik an den Verzögerungen im laufenden Planverfahren.

Und auch am kommenden Donnerstag wird der nächste Schritt auf dem langen Weg zum Baurecht noch nicht gegangen werden. Die Auswertung der vielen Stellungnahmen insbesondere zur Neuordnung der Antoniusstraße nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch als gedacht, hat die Verwaltung bereits mitgeteilt. Unter anderem hat auch ein Bordellbetreiber, der von der Verkleinerung des Rotlichtbezirks betroffen wäre, Klage angekündigt.

Mehr von Aachener Nachrichten