Aachen: Alter Schlachthof: Bogenhalle wird zum lichtvollen Büroturm

Aachen : Alter Schlachthof: Bogenhalle wird zum lichtvollen Büroturm

Im Juni 2013 schrieb die Presse zur Eröffnung der neuen Firmenzentrale der Aachener P3-Ingenieur-Gruppe im Alten Schlachthof: „Nur für die alte Bogenhalle an der Metzgerstraße fehlt noch ein visionärer Investor.“ Der ist jetzt da, die Vision hatten die vier Chefs von P3 (Thomas Prefi, Michael Tobias, Christoph Theis und Thomas Weingarten) am Ende selbst und nahmen rund vier Millionen Euro in die Hand, um aus dem einstigen Eingangstor zum Alten Schlachthof ein neues Schmuckstück zu machen.

Mit dem auf Altbausanierungen spezialisierten Architektenbüro Markus Leufen und Anja Stamm (Aachen) gelingt jetzt in Kürze der große Wurf. Die als Abholhalle der Metzger und Fleischer zwischen 1927 und 1929 konzipierte offene Halle mit einer für die damalige Zeit sehr gewagten, bogenförmigen Betonkonstruktion für das Spanndach soll künftig als Büro- und Besprechungszentrale für die P3-Gruppe dienen.

Lustiges Deutsch vom Stadtmarketing: „Das beste Stück vom Aachen“ steht dort unterm Schwein. Foto: Harald Krömer

Mitinhaber Michael Tobias rief nochmals die Motivation der 1996 aus dem Spin-off eines Fraunhofer Instituts gegründeten Ingenieurgemeinschaft in Erinnerung: „Wir waren im Technologiezentrum, was zu klein wurde. Und wir wollten mit unseren Mitarbeitern nicht auf die grüne Wiese.“

Der bodenständige, aber gleichzeitig ein wenig exzentrische Schlachthof kam da recht. Man baute erst einmal die Firmenzentrale links und rechts des „Kraftversorgungsturms“ neu. Eine gelungene Sache für die bis zu 450 Mitarbeiter, die die Gruppe an diesem Standort beschäftigt, weltweit kommt P3 inzwischen auf etwa 2000 Mitarbeiter für Ingenieurleistungen und Managementberatung in den Bereichen Automotiv, Flugzeugbau, Energiesektor und der Telekommunikation. Letztere ist die Hauptbeschäftigung von P3 am Standort Alter Schlachthof. Und hier habe man, so Tobias bei einem Baustellenrundgang mit den „Nachrichten“, inzwischen erneut so wenig Platz, dass man bereits jetzt teure Messfahrzeuge in einem Zeltbau unterbringen müsse.

So habe man die Bogenhalle ins Visier genommen, die ebenerdig genügend Platz für seitliche Garagen biete. Und da können nun alsbald die Messwagen standesgemäß, trocken und sicher abgestellt werden. Im Zwischenraum der einst leeren und einzig zur Durchfahrt nach dem Beladen der Fleischerautos konzipierten Bogenhalle werden nun architektonisch interessant gläserne Büro-Kuben eingehängt, eine Sicht- und Gehachse bleibt in der Mitte der Halle jedoch völlig offen, die Halle endet im oberen Bereich mit einer imposanten, etwa vier bis fünf Meter hohen Fensterfront.

Für die Baumeister Leufen und Stamm jedoch hatte der ältliche Beton der Bogenstützen und der Decke es in sich. „Das war schon ein hoher Sanierungsaufwand“, formulierte Leufen vorsichtig, Bauherr Michael Tobias lächelte zum Glück noch dazu. Denn so etwas macht diese Altbauprojekte natürlich teuer.

Der Gang durchs Innere des Rohbaus lohnt sich in der Tat. Die Halle hat eine Grundfläche von rund 1200 Quadratmetern und eine Höhe von geschätzten zwölf bis 13 Metern. Durch den Einzug der Zwischendecke verdoppelt sich die Gesamtnutzfläche. Wichtig für Stamm und Leufen war es, in der Mitte nicht nur Sichtfluchten zu erhalten. Zwei Verbindungsbrücken zwischen den Büroebenen werden ebenso einen Blick nach unten zulassen, nichts für Leute mit Höhenangst also.

Nostalgisches Terrain ist wie der Kraftversorgungsturm der Uhrenturm an der Front der Bogenhalle, er ist das einstige Wahrzeichen. Hier gibt es ein langes Treppenhaus mit Türen zu kleinen Zimmerchen. Ganz oben drehten einst die Zahnräder eines stählernen Uhrwerks die Zeiger von drei Ziffernblättern gleichzeitig. Das Uhrwerk, heißt es, soll irgendwo noch vorhanden sein.