Alter Ostfriedhof: Gitter am Familiengrab von Ernst Heusch begehrt

Aachen : Begehrtes Eisen: Metalldiebe am Familiengrab?

Das Eisen der Familie Heusch ist offenbar begehrt. Schon die Nazis waren scharf auf das aufwendig geschmiedete Gitter, das die Familiengruft auf dem Ostfriedhof umschließt. Am vergangenen Wochenende machten sich nun offenbar Metalldiebe daran zu schaffen. Auch ihnen gelang es nicht.

Ernst Heusch entdeckte die unschöne Bescherung am Sonntagmorgen, als er die letzte Ruhestätte seiner Eltern und seiner Frau besuchte. „Das Gitter vorne war aus dem Blausteinsockel herausgebrochen und lag halb auf dem Weg“, berichtet er, „an der Seite war das Gitter herausgehoben und zur Seite gezogen worden.“ Diese Eisenteile waren allerdings noch da, während ein Metallgeflecht aus der Kapelle, die sich über der Gruft erhebt, fehlte. Heusch fand es später außerhalb des Friedhofs auf der Straße.

Offenbar gestört

„Das lag da wohl zum Abtransport bereit“, vermutet der derzeitige Besitzer der Grabstätte, die seit rund 150 Jahren im Besitz der Familie ist. Schon sein Urahn Ferdinand Coomans, königlich-preußischer Oberförster und 1868 verstorben, wurde hier beigesetzt, auch Heuschs Urgroßmutter Natalie Coomans. Sein Onkel Hermann Heusch allerdings nicht, der ehemalige Aachener Oberbürgermeister ruht nur wenige Meter entfernt in einem anderen Grab auf dem Ostfriedhof.

Ernst Heuschs Vermutung, das wohl Metalldiebe am Werk waren, scheint naheliegend. Vandalen hätten sich wohl auch an anderem Zierrat der prunkvollen Grabstätte vergriffen. „Außerdem ist es ein aufwendig gestaltetes und großes Eisengitter“, sagt der derzeitige Besitzer, der noch eine Schlosserrechnung aus dem Jahr 1875 in seinen Unterlagen hat. Diebe hätten demnach reichere Beute gemacht als bei kleineren Metallkonstruktionen auf dem Friedhof. Aber so weit kamen sie offensichtlich nicht.

Auch die Nazis kamen damals nicht zum Zuge. Die brauchten Eisen für Kanonen, Panzer und Granaten. In einem Schreiben an die Besitzer von Familiengrabstätten mit eisernem Grabschmuck verwies das Aachener Friedhofsamt auf die „kulturellen Gestaltungsauffassungen des nationalsozialistischen Staates“.

Auch Albert Heusch, dem damaligen Besitzer der Grabstätte der Familie Coomans-Peters, wurde im Februar 1939 schriftlich mitgeteilt, dass deshalb „die restlose Entfernung der Eisengitter sowie der Eisenstangen in Angriff genommen werden soll“. Er brauche sich nur damit einverstanden zu erklären, das Friedhofsamt kümmere sich dann um alles und werde „das anfallende Eisen restlos dem Schrotthandel zuführen“, womit auch „der Vierjahresplan der Reichsregierung unterstützt“ werde.

„Mein Großvater war nicht einverstanden“, erzählt sein Enkel Ernst Heusch. Der Opa verwies geschickt darauf, dass er nur zur Hälfte an der Grabstätte beteiligt sei. Für die andere Hälfte seien im Ausland lebende Verwandte zuständig. „Er hat dann geschrieben“, erzählt Ernst Heusch, „er halte es aus ‚vaterländischen Gründen nicht für vertretbar‘, das betreffende Schreiben ins Ausland weiterzuleiten.“

Großvater Albert hatte damit das Gitter gerettet, Enkel Ernst Heusch weiß hingegen noch nicht, wie er es dauerhaft schützen kann. „Ich bin einigermaßen verzweifelt“, sagt er, „wenn ich es reparieren lassen, kann das am nächsten Tag wieder passieren.“ Die Polizei, die er eingeschaltet hat, dürfte es schwer haben bei der Suche nach den Tätern.

„Das passiert meist bei Nacht und Nebel“, sagt Sprecherin Sandra Schmitz, „da hat man dann keine Zeugen.“ Immerhin: Während Metalldiebstähle vor Jahren mal „ein dickes Thema“ waren, gebe es derzeit „keine auffällige Häufung“. Das hilft Heusch aber ebenso wenig wie der Tipp, Gitter oder anderen Grabschmuck aus Metall gut zu befestigen. Denn der Blausteinsockel, in dem ein Teil des Eisengitters steckte, ist nun auch beschädigt.

Heusch überlegt deshalb, zumindst das Gitter zumindest tweilweise lieber gleich entfernen zu lassen. Weil die Grabstätte aus dem 19. Jahrhundert unter Denkmalschutz steht, „müsste ich das aber zuerst mit den Denkmalschützern besprechen“. Die würden da gerne bei der Suche nach Lösungen beratend zur Seite stehen, sagt Stefan Herrman vom städtischen Presseamt.

Auf den Grabschmuck aufpassen kann die Stadt allerdings nicht. Die Mitarbeiter könnten die Friedhöfe nicht begehen, heißt es aus dem Presseamt, auch nicht punktuell. Allerdings scheinen die Täter, die sich am Grab der Familie Heusch zu schaffen machten, offenbar von irgendjemand gestört und am Abtransport gehindert worden zu sein. Etwas Aufmerksamkeit auch von Passanten kann offensichtlich nicht schaden.