Aachen: Alter Kindergarten wird zum schicken Wohnhaus

Aachen : Alter Kindergarten wird zum schicken Wohnhaus

Es ist fast wie im Märchen vom hässlichen Entlein, aus dem ein schöner Schwan wurde. Im konkreten Fall war das Entlein ein alter Kindergarten, der sich in ein schickes Wohnhaus verwandelte. Wer diesen Wandel bestaunen möchte, dem empfiehlt sich am „Tag der Architektur“ ein Gang in die Mataréstraße.

Die Mataréstraße liegt stadtauswärts links hinter dem Bahnübergang Rothe Erde parallel zur Trierer Straße. In der Mitte der engen Straße, gleich neben dem Pfarrkomplex von St. Bonifatius und gegenüber den beiden Schulen, präsentiert sich das „Wohnungen“-Gebäude mit der Hausnummer 12. Seine Bauherren laden für Samstag zum Besuch ein.

Waschsalon: Früher war hier das Büro der Kita-Leiterin. Nun können die Mieter hier ihre Wäsche waschen. Foto: Ralf Roeger

Der lohnt sich. Wo einst der schmucklose Kindergarten der Pfarre aus schmuddeligem Backstein lang hingestreckt lag, eine in der Tat hässliche Flachbau-Kiste aus den frühen 60er Jahren, fällt heute ein modernes Gebäude ins Auge. Schon auf den ersten Blick begeistern die pfiffigen Ideen, mit denen die Architekten die Herausforderung umsetzten.

Mit viel Liebe zum Detail ist der Eingangsbereich gestaltet. Foto: Ralf Roeger

Die Pfarre hatte ihren Kindergarten längst aufgegeben. Jahrelang stand er leer. Bis die Architekten der JKW Gebäude KG (Jaeger-Kaiser-Wenke) aus der benachbarten Zeppelinstraße als Bauherrin mit der Pfarre handelseinig wurden und den Bau erwarben und umwandelten. Auf das Flachdach des ehemaligen Kindergartens setzten die Architekten eine Etage in Holzleichtbau auf. Auch ein Bereich der Pfarrräume konnte zusätzlich überbaut werden. Aus einem Kindergarten entstanden so neun Wohnungen, fünf unten, vier oben. Sie sind von 45 bis 120 Quadratmeter groß.

Holz dominiert das Gebäude, an den Fassaden wie auch innen. Auffallend die Dachkonstruktion, im Fachjargon ein Schmetterlingsdach (Flügel nach innen gekehrt, Regenrinne in der Mitte), die mit schrägstehendem Trapezblech geschmückt ist. Orangefarbene Holzbalken im Meterabstand gliedern die Fläche. Auch innen sind Decken mit dem Trapezblech großflächig verkleidet.

Nicht nur Holzverschalungen und Blech setzen augenfällige Akzente. Blickfang sind auch viele farbliche Elemente — einheitlich bordeauxrote Türen mit einem Bullauge inmitten, die Stützschrägen in Orange, grauer Backstein, hellbraun das Holz, die Fenster stechen weiß hervor. Von der Straßenseite her führt eine Treppe aus Stahl in Verbindung mit Industrieteilen luftig-leicht, fast freischwebend zum oberen Laubengang, von wo aus die Wohnungen erschlossen werden. Alle Wohnungen, ob im Parterre oder in der oberen Etage, haben einen separaten Eingang, „die Wohnungseingänge liegen als Haustüren unmittelbar am Freiraum“, wie Frans Josef Jaeger von der Bauherren-KG das formuliert.

Die architektonischen Raffinessen an der Straßenseite setzen sich zum Garten hin fort. Der ehemals gepflasterte Hof des Kindergartens wurde entsiegelt und Rasen angelegt. Nicht durch Hecken oder Zäune wie so vielerorts eingegrenzte, sondern offene Terrassen unten und große Balkons oben holen den Bewohnern das Grün der Bäume und Sträucher und Blumen quasi ins Haus. Eine „Gemeinschafts-Waschküche“ hat es in sich: Das ehemalige Leiterinnenbüro des Kindergartens wurde zum lichtdurchfluteten Foyer, mit zwei Waschmaschinen im Winkel und geeignet als Treffpunkt der Hausgemeinschaft.

Unter dem Foyer liegt im sogenannten Kriechkeller ein Regenauffangbecken. Hier wird das Regenwasser gespeichert und gefiltert und ist für WC und Garten nutzbar. Von der kleinen Eingangshalle führt sogar ein Lift in die obere Etage, wie das aber bei öffentlich gefördertem Wohnbau wie in der Mataréstraße 12 vorgeschrieben ist. Alle Bäder sind barrierefrei. Zwei Wohnungen eignen sich für Rollstuhlfahrer. Das Gebäude mit guter Wärmedämmung wird über eine zentrale Gasheizung versorgt.

Für den „Tag der Architektur“ an diesem Wochenende wurde von der Architektenkammer NRW unter neun weiteren Aachener Objekten auch der von Architekt Jürgen Wenke entworfene Umbau des früheren Kindergartens zum Wohnhaus Mataréstraße 12 ausgewählt. Das seit mehr als einem Jahr bewohnte Wohnhaus der etwas anderen Art kann Samstag von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Die Architekten-Bauherren Jaeger-Wenke stehen für Führungen und Erläuterungen bereit.