Aachen: Alte und neue Friedensbewegte ziehen in Aachen an einem Strang

Aachen: Alte und neue Friedensbewegte ziehen in Aachen an einem Strang

Die Situation in der Ukraine wird immer brisanter, und so ist es kein Wunder, dass sich unter dem Namen „Friedensbewegung 2014“ in Aachen — wie in vielen anderen deutschen Städten — eine neue Gruppierung gebildet hat, die allerdings von den etablierten Organisationen argwöhnisch betrachtet wurde. Antisemitisch sei diese, befand die „ Kooperation für den Frieden“, der Dachverband von 60 deutschen Initiativen.

Sie sei rechtsradikalem Gedankengut verfallen, sie leugne den Holocaust und sehe in der amerikanischen Zentralbank Fed die Wurzel allen Übels der letzten 100 Jahre, so Otmar Steinbicker, Herausgeber eines Friedensmagazins und Mitglied des Kooperationsbeirates der „Kooperation für den Frieden“ noch vor zwei Wochen, als er vor „ominösen Aufrufen zu Friedensdemos“ ausdrücklich warnte.

Am Freitag saß Steinbicker, einer der massivsten Kritiker, mit den ehemals so Gescholtenen an einem Tisch und redete von Missverständnissen und einer gemeinsamen Zukunft.

Woher der Sinneswandel? Man habe seinerzeit Warnungen aus der Friedensbewegung bekommen, es gebe auch Belege, dass in Berlin Verbindungen ins rechtsextreme Lager existierten. Die Aachener habe man zunächst ähnlich eingestuft, dann aber gemerkt, dass diese sich klar von rechten Positionen abgrenzten und unabhängig agierten.

Deshalb sei es zu einem kritischem Prozess und zur Klärung gekommen, da man erkannt habe, dass der Vorwurf auf die Aachener Aktiven nicht zutreffe. Steinbicker: „Es gibt Unterschiede in der Herangehensweise, aber man sieht auch Schnittstellen.“ So befürworte die studentisch initiierte Friedensbewegung 2014 explizit die Initiative „Wir sind Aachen, Nazis sind es nicht“.

„Wir wollen keine Zusammenarbeit mit Rechten“, erklärt auch Maschinenbaustudent Thomas-Maximilian Böhm vom 20-köpfigen Orga-Team. „Wir wollen mit dem Neustart erreichen, dass möglichst viele Menschen auf die Straße gehen.“ Man wende sich gegen Rassismus und jeglichen Extremismus, wolle zum Nachdenken anregen und die politische Partizipation fördern.

Außerdem soll eine Stelle aus Experten geschaffen werden, die besser über politische Sachverhalte informiere, fordert Jura-Student Marlon Lange. Politikstudentin Clara Niessen-Feulner: „Jeder soll sich ausdrücken und mitgestalten können.“

Bundesweites Signal

Altaktivist Steinbicker fühlt sich an die eigene Zeit des Aufbruchs erinnert und begrüßt, dass viele Fragen aufgeworfen werden. Er hofft, dass durch die Distanzierung der Friedensbewegung 2014 ein bundesweites Signal von Aachen ausgehe.

Eine ähnliche Abgrenzung habe man bisher lediglich in Stuttgart vorgenommen.

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