Aachen: Alte Inschrift findet Platz auf dem Schulhof

Aachen: Alte Inschrift findet Platz auf dem Schulhof

Eigentlich sollten die Sachen tief in die Erde. Doch weil bei den Ausschachtungen im Keller des Internationalen Zeitungsmuseums an der Pontstraße viele mittelalterliche Funde gemacht wurden, plante die Bauverwaltung um.

Toilettenanlagen, die Museumspädagogik sowie der Aufzug kommen nun in den Hinterhof des IZM, auf das Gelände des Kaiser-Karls-Gymnasiums. Und weil die Bauleute einmal da sind, wird in einem Aufwasch der etwas heruntergekommene Schulhof des ältesten städtischen Gymnasiums erneuert.

Bei den Ausschachtungen im Zeitungsmuseum waren die Archäologen etwa auf einen gut erhaltenen, rund 700 Jahre alten Holzlöffel gestoßen. Das älteste erhaltene Wohngebäude der Stadt war auf den Resten von noch älteren Vorgängerbauten errichtet worden, der Keller stammt vermutlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.

Die Fachleute vermuteten, dass der Siedlungsdruck zu dieser Zeit schon ziemlich groß gewesen sein muss, weil man sonst nicht vom höher liegenden Kernbereich in die feuchte und sumpfige Niederung des Johannisbachs ausgewichen wäre. Möglicherweise, mutmaßte Archäologe Andreas Schaub bei der Gelegenheit, sei der heute weitgehend kanalisierte Wasserlauf einmal breiter, tiefer und womöglich saisonal schiffbar gewesen.

Damit die alten Schätzchen erhalten werden konnten, wich man auf den Hinterhof aus, der bis dato vor allem als Parkplatz für die KKG-Lehrer genutzt worden war. Auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern wird nun ein fast ganz geschlossener Anbau errichtet. Es gibt nur ein Fenster in Richtung der neu zu gestaltenden Grünanlage, weil man „Konflikte zwischen Pädagogikraum und Schulhof vermeiden will”, erläutert Architekt Prof. Horst Fischer auf Anfrage.

So erfolgt die Beleuchtung des Raumes weitgehend von oben. Auf 125.000 Euro schätzt Michael Ferber, technischer Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements, die Zusatzkosten, die durch die Umplanung im IZM entstehen. Die sind natürlich von der Politik gedeckt und werden aus anderen Budgets genommen.

Rund 300.000 Euro kostet die überfällige Neugestaltung der Außenanlagen des Kaiser-Karls-Gymnasiums, die Ferber als „normale Sanierungsmaßnahme” einstuft. So ganz normal wohl doch nicht, denn auch hier gibt es einen Bezug zu Aachens reicher Geschichte. Unter anderem wird nämlich eine baufällige Außentreppe erneuert, da das Gelände stark ansteigt, müssen auch mehrere Mauern hochgezogen werden.

In eine von diesen soll ein 6,8 Meter langer Schriftzug aus Blausteinquadern eingelassen werden, der an eine der Vorgängerschulen des KKG erinnert, das 1601 in Zeiten von Konfessionskonflikten gegründete Jesuitenkolleg, das an der Jesuitenstraße errichtet wurde.

Die Mauerkrone eines Portals trug die Inschrift „Societas Jesv Gymnasivm” und ermahnte zu Eifer und Fleiß an der Wirkstätte mit dem Spruch „pietatis et stVDIorVM offICIna”. Die großgeschriebenen Buchstaben ergaben zusammen die Jahreszahl der Fertigstellung (1615). Dieser für die Geschichte des KKG wichtige Mauerzug hatte sogar den Zweiten Weltkrieg unzerstört überstanden, er wurde aber 1951 abgerissen, weil er einem Neubauvorhaben weichen musste. Er landete auf dem städtischen Bauhof und wurde noch vor Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes an einen Steinmetzbetrieb verkauft.

Als er später in ein Neubauprojekt integriert werden sollte, waren die Steine verschwunden. Jahrelang galten sie als verschollen, bis sie eines Tages wiederentdeckt wurden. Daraufhin wurden sie von der Ehemaligen-Vereinigung der Schule erworben, die lange Zeit vergeblich nach einer passenden Verwendung gesucht hatte. Jetzt ist sie endlich gefunden.

Immer im Sommer werden die Schulen renoviert

Traditionell nutzt Aachen die Sommerferien, um die Schulen in städtischer Trägerschaft auf Vordermann zu bringen. Da werden Turnhallen repariert, WC-Anlagen saniert, Bodenbeläge und Beleuchtungskörper erneuert oder Treppenhäuser instand gesetzt. An 20 Schulen und Turnhallen sind Handwerker derzeit fleißig dabei, 1,8 Millionen an eigenen Mitteln kostet das die Stadt.

An mehreren Gymnasien werden jedoch umfangreichere Arbeiten vorgenommen. So erhält St. Leonhard bis Spätherbst 2012 ein neues Gebäude für den Ganztagsbetrieb, das inklusive Mensa mit 33 Millionen zu Buche schlagen wird. Momentan werden Bohrpfähle eingebracht, bis Mitte nächsten Monats ist die Bodenplatte fertiggestellt.

Das Rhein-Maas- und das Couven-Gymnasium erhalten neue Mensen für 2,4 beziehungsweise 1,95 Millionen Euro. Am Couven wird außerdem die Decke der Aula hergerichtet und die Außenwand der Turnhalle saniert.

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