Aachen: Als erste Frau darf Ulla Schmidt mit dem Pegasus fliegen

Aachen: Als erste Frau darf Ulla Schmidt mit dem Pegasus fliegen

Eine ganz besondere Wundertüte öffnete die Stadtgarde Oecher Penn am Wochenende im Marschiertor. Der Inhalt war keine große Überraschung, trotzdem war sie prall gefüllt mit Fleiß, Engagement, Rastlosigkeit, Ehrgeiz, ein bisschen Sturheit, einem großen Herzen und einem echten Öcher Mäddche met Öche Hazz än Jeföhil.

Wenn Aachen die Tüte ist, ist sie das Wunder: Ulla Schmidt oder „die Wundertüte“, wie Laudator Jürgen von der Lippe sie nannte, erhielt im familiären Rahmen als erste Frau den Pegasusorden der Stadtgarde Oecher Penn.

Vom italienischen Essen über die Swing- und Schlager Gruppe „Fräulein Inge und Mr. Mike“ bis hin zum Lieblingsgetränk Latte macchiato: Die Penn gestaltete den Abend rund um die Gesundheitsministerin a.D. und Aachener Politikerin, die am Tag zuvor ihren Geburtstag gefeiert hatte. Anwesend waren unter anderem die Ordensträger Jürgen Linden, Dieter Philipp, Wendelin Haverkamp und Jürgen Becker. Zu den weiteren Gästen zählten Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments, Landtagsabgeordnete Daniela Jansen und Karl Schultheis sowie Bürgermeister Björn Jansen und die Oecher Penn Familie.

In unregelmäßigen Abständen, zuletzt an Jürgen von der Lippe selbst, wird der Orden an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch besonderes Engagement um Kunst, Kultur und öffentliches Leben in der Stadt Aachen verdient gemacht haben. Das geflügelte Pferd Pegasus, der Namensgeber des Ordens, ist Synonym für sprachliche Vielfalt und geflügelte Worte.

„Müsste ich aufzählen, wo Ulla Schmidt sich überall engagiert, dann wäre es, als würde ich Eulen nach Athen tragen“, sagte Kommandant der Stadtgarde Jürgen Brammertz bei der Begrüßung. Schmidt habe mit ihrem unermüdlichen Kampf für die Stadt, für soziale Gerechtigkeit und die Gleichberechtigung der Frau den Orden verdient. Nicht zu vergessen seien ihre zahlreichen Aktivitäten in Stiftungen und Vereinen, darunter die Lebenshilfe und die Hospizstiftung.

In seiner Laudatio sorgte Jürgen von der Lippe in einer ganz besonders humoristischen Manier dafür, dass die alten Gemäuer des Marschiertors sich mit großem Gelächter füllten. „Sie benutzt das Öcher Platt als Waffe und scharfes Schwert in politischen Auseinandersetzungen“, sagte er. Ein Sprachtraining zum Hochdeutschen gliche dann einem phonetischen Fettabsaugen. Ulla Schmidt besitze in ihren Kampf gegen das Zweiklassensystem nicht nur eine tiefsitzende Kampfeslust, sondern auch gleich eine Pferdepeitsche, hob von der Lippe hervor.

„Die schönste Art dem Gegner die Zähne zu zeigen, ist zu lächeln“, ist eines der Zitate, die Ulla Schmidt zugeschrieben werden. Nach der Rekordzeit als Gesundheitsministerin sieht von der Lippe Schmidts Zukunft allerdings im Schloss Bellevue: Nach dem Sächsischen, Schwäbischen und dem Ruhrpott-Dialekt wäre Öcher Platt dort auch mal angebracht.

In ihrer „Liebeserklärung an Aachen“ pries Ulla Schmidt den Öcher Sing-Sang. Vor dem Hintergrund, dass sie als erste Frau den Pegasus-Orden erhielt, sagte sie: „Starke Frauen hat die Stadt“. Und fügte an: Der Pegasus sei zwar männlich, aber das Pferd neutral — und die Pferdestärke ganz klar feminin. Sie persönlich wünsche sich, dass in Aachen mehr entscheidende Positionen mit Frauen besetzt werden. „Wenn man über die Geschichte Aachens spricht, sollte man auch über die Frauen sprechen.“

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