Aachen: Als das Stadttheater in einer primitiven Halle spielte

Aachen: Als das Stadttheater in einer primitiven Halle spielte

Die Stadt lag in Ruinen, aber die Lust der Aachener auf Theater war ungebrochen. „Wir wollten etwas Schönes erleben“, erzählen die Zeitzeugen, die in Klaus Schultes und Peter Sardocs neustem Buch zu Worte kommen.

Die Historiker haben nach der Veröffentlichung des ersten Bandes „Theater in Ruinen“ so viel Zuspruch und authentische Berichte bekommen, dass sie das Material nun in einem zweiten Band „Wir waren verrückt nach Theater…“ veröffentlicht haben.

Zu Wort kommen nicht nur die Künstler selbst, sondern vor allem auch Zeitzeugen, Bühnenangehörige und Besucher des Theaters nach dem zweiten Weltkrieg. Damals wich man auf die heute nicht mehr existierende Talbot-Halle hinter der Technischen Hochschule aus. Bernd Schipan erinnert sich: „Es war eine ehemalige Turnhalle. Die Zustände dort sehr einfach, ganz primitiv. Aber jeder war froh, dass auf kulturellem Gebiet überhaupt etwas passierte.“

Da schien es auch keinen zu stören, das es keine Kostüme gab und keine Kulissen. „Nur die Musik und die Sänger. Aber die Vorstellungen waren immer brechend voll“, erinnert sich Schippan.

Die angefügten Bilder machen den Ausflug in die Vergangenheit perfekt. Darunter sind viele Privatbilder der Zeitzeugen. Der ehemalige Opern- und Chorsänger Josef Nicoll schreibt: „In der alten Talbot-Halle haben wir dann mit dem Theater angefangen. Ich habe dort viele Solo-Partien gesungen. Es gab im Winter keine Heizung; es war eiskalt. Man musste aufpassen, dass die Stimme nicht beschädigt wurde.“

Dazu passt, dass die Zuschauer laut Klaus Schulte später aufgefordert wurden, neben dem Eintrittsgeld auch einen Brikett mitzubringen, um den Ofen einzuheizen. Die Liste der Zeitzeugen, die in dem Buch von ihren Erinnerungen erzählen, ist lang. Darunter sind auch so bekannte Namen wie Alfred Beaujean, bekannter Musiktheater-Kritiker, Topsy Küppers, Schauspielerin, Tänzerin und Soubrette und Professor Wolfgang Sawallisch, Generalmusikdirektor von 1953-1958. „Wir wollen mit unserer Veröffentlichung eine Lücke schließen“, meinen Schulte und Sardoc. Zeitlich wie inhaltliche. Denn es gebe kaum Material über den Wiederaufbau des kulturellen Lebens in Aachen.

Die Theaterhistoriker beschäftigen sich seit den 1970er Jahren mit der Geschichte des Stadttheaters. Sie haben schon Pläne für ihr nächstes Buch zum 100-jährigen Jahrestag des Ausbruchs des ersten Weltkriegs: „Eiserne Zeiten — Wie eine Stadt den Krieg erlebte“.

Klaus Schulte/Peter Sardoc, „Wir waren verrückt nach Theater…“, Verlag Mainz. 14,80 Euro.

Mehr von Aachener Nachrichten