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Die Woche in Aachen: Alles wird teurer – guter Rat sowieso

Die Woche in Aachen : Alles wird teurer – guter Rat sowieso

Paradoxe Zeiten, oder? Hätten wir nur von allem so viel wie vom Geld! Beim Rückblick auf die Woche in Aachen drängt sich der Eindruck zuweilen auf.

Machen wir’s wie alle, sprechen wir übers „liebe“ Geld – selbst wenn wir (angeblich) keins haben. Oder doch zu viel, weil das Schreckgespenst der Inflation mal wieder umgeht in Europa und damit auch dessen wahrer Hauptstadt? Schadet ja nix, könnte man spötteln, denn alles wird teurer – guter Rat inklusive. Wer kann’s schon erklären, das Paradoxon namens Piepen?

Na, zum Beispiel der Chef des Immobiliengiganten Vonovia, der allein in Aachen rund 2400 Wohnungen sein Eigen nennt. Der gute Mann gibt sich dieser Tage vorsorglich klamm – von wegen Inflation und die Folgen. Angesichts grassierender Geldentwertung führe an Mieterhöhungen wohl kein Weg vorbei, meint er. Steile These, bescheinigt ihm, von wegen paradox, prompt der Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins. Nach wie vor profitiere Letzterer nämlich vor allem vom „vernünftigen Verhältnis“ mit den Mietern. Uff. Ob das ein Grund ist zum Aufatmen für Abertausende Studenten und andere „Geringverdiener“ im Grenzland? Geschenkt! Fakt bleibt: Allein 2020 ist der operative Gewinn der Vonovia um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr geklettert – Tendenz steigend.

Nach oben hin wird die Luft eben dünner; so kann man das auch sehen. Ob man sie nun filtert oder nicht. 474 Lüftungsanlagen könnte die Stadt ihren Schulen jetzt gönnen. Aber nur, wenn sie die Förderfrist zur Finanzierung von 80 Prozent der Investitionen bis Ende April 2023 nicht reißt. Insgesamt stehen hier mithin gut neun Millionen, davon knapp 2,3 aus dem Einkaufsbeutel der Kämmerin, mehr oder weniger stoisch im stickigen Raume. Denn nun könnte sich herausfiltern, dass die Verwaltung im Rennen um die raren Lieferkapazitäten auf der Strecke bleibt. Was wahrlich eine Schande wäre. Aber unsere Schüler sind ja Kummer gewohnt …

Zumal – apropos Corona und die Folgen – auch noch fast die Hälfte von 2,7 Millionen Euro aus einschlägigen Zuschusstöpfen zwecks Förderung der pandemiegeplagten Jugend auf Abnehmer(innen) warten. Aber nur – richtig: bis zum Jahresende. Ansonsten könnte die Knete futsch sein, weil die nächste Lieferfrist zu verstreichen droht. Verhext. Und paradox: Jetzt müsse man alles daran setzen, die Gelder auszugeben, bekundet der Chef des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Weil wir eben so wenig davon haben. Vorschlag zur Güte: Man sollte die Kohle umwidmen dürfen, um endlich mehr Personal zur Verteilung derselben einzustellen – wenn man denn welches fände. So beißt sich die Katze immer weiter in den Schwanz, wenn’s um die Mäuse geht.

Ach ja: Auch in Sachen Panzerknacker geht das Katz-und-Maus-Spiel derweil munter weiter. Fahnder und Finanzfürsten haben den Knall noch immer nicht gehört, könnte man meinen. Während an der nächsten Ecke ein Geldautomat explodiert, so wie jüngst in Roetgen und gefühlt schon 1000 Mal in Aachen. Die Causa birgt folglich auch allerhand politischen Sprengstoff. Denn entweder, die Banker machen das Bare teurer, um Menschen und Material effektiver zu schützen. Oder sie müssen die Tresore kurzerhand einkassieren. Weil die Polente, schon mangels Personal, nicht (schnell genug) hinterherkommt.

Aber gemach. Andere können von derlei Luxusproblemen nur träumen. Man denke nur an die Kriegsflüchtlinge – nicht nur aus der Ukraine! – die allzu oft jeden Cent umdrehen müssen, wenn sie sich nicht gerade die Beine in die Bäuche stehen. Weil das Ausländeramt, siehe oben, zwar Geld in der Schatulle hat, aber nicht genug Personal, um es jenen zu geben, die es am dringendsten brauchen.

Aber genug jetzt. Zeit, Luft zu schöpfen – auch ohne Filter. Den allermeisten Öchern geht’s nach wie vor gold, trotz allem, oder? Gönnen Sie sich trotzdem mal was. Und sei es „nur“ Entspannung. Das ist alles andere als paradox in hektischen Zeiten. Schönes Wochenende!  

m.hinrichs@medienhausaachen.de