Aachen: Alles dreht sich um die Geschichte in der Region

Aachen : Alles dreht sich um die Geschichte in der Region

„Vieles, was ich in der Schule über die Geschichte der Region gelernt habe, ist heute nicht mehr wahr“, gab Jürgen Linden, Fördervereinsvorsitzender der AKV-Sammlung Crous, mit einem Lächeln zu. Freuen kann er sich, weil eben viele Menschen — professionell oder als Laien — an eben jener Geschichte ständig forschen, neue archäologische Funde und Quellen einordnen, ehemals Feststehendes revidieren und so neue Erkenntnisse generieren.

„Mit dem Helmut-A.-Crous-Geschichtspreis wollen wir Menschen, besonders die jungen, stimulieren, sich immer wieder mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen“, sagte Linden. „Denn, um mit dem Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu sprechen: ‚Keine Gegenwart und Gestaltung der Zukunft ohne Aufarbeitung der Vergangenheit.‘“ Jetzt wurden sieben der 17 eingereichten Arbeiten von der AKV-Sammlung Crous, dem Zweckverband „Region Aachen“ sowie dem Historischen Institut der RWTH Aachen ausgezeichnet.

Besonders schwer fiel der Jury die Wahl in der Kategorie „Schüler“. „Sie waren alle sehr substanziell“, beschied Laudator Detlef Stender, Leiter des LVR-Museums Tuchfabrik Müller in Euskirchen. Das Schreibprojekt „Viermeilenstiefel“ des „Aachener Modells zur frühen Förderung individueller Begabung“, in dem Grundschulkinder in eigenen Geschichten und Gedichten Aachener Geschichte verarbeiteten, wurde mit einer Urkunde geehrt.

Spuren der Dada-Bewegung

Das Stolpersteinprojekt der Roda-Schule in Herzogenrath, eine Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung, bekam den Geldpreis. Die Jugendlichen hatten über Wilhelm, einen durch die Nationalsozialisten ermordeten Jungen mit geistiger Behinderung, geforscht, anderen Schülern der Schule davon erzählt und schließlich für das Opfer einen Stolperstein in Herzogenrath verlegt. „Sie sind den Weg neu gegangen. Er war nicht schon gebahnt“, lobte Laudator Marcell Perse, Leiter des Museums Zitadelle Jülich.

Gleich drei Preise wurden in der Kategorie „Laien“ vergeben: Eine Urkunde ging an die Aachener „Gesellschaft für zeitgenössische Musik“ (GZM) für eine Wiederaufführung eines in Vergessenheit geratenen Dada-Abends, der in der schwierigen Zeit der belgischen Besatzung 1920 in Aachen auf die Bühne kam. Die GZM habe damit die Spuren der Dada-Bewegung in Aachen gesucht, gefunden und in einem ungewöhnlichen Format präsentiert, begründete Kurator und Archivleiter Dr. Wolfgang Cordjaens die Entscheidung der Jury.

Ebenfalls eine Anerkennung bekam der Jülicher Geschichtsverein für eine Dokumentation anlässlich des Jubiläums des Preußischen Jahrhunderts.

Burg Nothberg

Mit dem Preisgeld in der Kategorie Privatforscher wurde der Roetgener Geschichtsverein für die „Roetgener Blätter“ geehrt. „Die seit 2012 monatlich erscheinenden, 24-seitigen Hefte werden zwischen Brötchen, Bleistiften und Brokkoli verkauft und erreichen so ein breites Publikum“, erklärte Laudator Stender. Der Preis in der Kategorie „Profis“ wurde Jürgen Eberhardt, dem emeritierten Professor für Baudenkmalpflege der Fachhochschule Köln, für sein Buch „Die Burg Nothberg in Eschweiler und die Pasqualinis“ zugesprochen. „Es ist aber nicht nur eine Auszeichnung für ein lesenswertes Fachbuch, sondern für die Rettung eines ungewöhnlichen Baudenkmals in der Region als Lebensleistung“, sagte Cordjaens.

Einen Sonderpreis erhielt Georg Helg für sein Buch „Das Aachener Rathaus Bd. 2“, das die Zusammenfassung moderner Untersuchungen mit den intimen Kenntnissen aus dem Rathaus verbinde, so die Jury. „Der augenzwinkernde Ton ist bei aller wissenschaftlichen Akribie zwischen den Zeilen erhalten geblieben“, so Perse. „Das ist etwas Bleibendes.“