Aachen: Alle sind sich einig: Das Schulsystem ist verbesserungswürdig

Aachen: Alle sind sich einig: Das Schulsystem ist verbesserungswürdig

Nur zögerlich gehen die ersten Finger in die Luft, aber dann kommt doch allmählich ein Gespräch in Gang. Die Schüler des Sozialwissenschaftskurses am Bischöflichen Pius-Gymnasiums machen sich Gedanken über eine Gemeinschaftsschule nach finnischem Vorbild.

Während Benjamin Fadavian, Vorsitzender der SPD-Schülerorganisation und Phillip Eischet, Vorsitzender der CDU-Schülerorganisation, jeweils ihren festen Standpunkt haben, sind die Schüler sich offenbar nicht sicher.

Doch den beiden Nachwuchspolitikern ist nicht daran gelegen, ihre Zuhörer von den eigenen politischen Ansichten zu überzeugen. „Wir wollen nicht für unsere Parteien werben”, sagt Phillip Eischet (16) als Vertreter der CDU.

Und der 18-jährige Benjamin Fadavian (SPD) stimmt ihm zu. „Wir wollen das Demokratieverständnis der Schüler stärken”, sagt er. Beide wollen erreichen, dass die Schüler ihre Meinung zu aktuellen politischen Themen einbringen. Diesem gemeinsamen Ziel ordnen sie ihre parteipolitischen Interessen unter.

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatten Juso-Schüler und Schüler-Union gemeinsam zu mehr politischem Engagement aufgerufen. Nun gehen sie an die Aachener Gymnasien und diskutieren dort mit den Schülern aktuelle politische Themen. Die Devise lautet: Politik von Schülern für Schüler und mit Schülern.

Mit der ersten Resonanz sind Benjamin Fadavian und Phillip Eischet mehr als zufrieden. „Die Schüler machen mit und zeigen Interesse, obwohl sie ja eigentlich gerade im Prüfungsstress sind.” Vor allem bildungspolitische Fragen interessierten sie. „Das ist schließlich das, was sie täglich mitbekommen.”

Einig seien sich alle, dass das Schulsystem verbesserungsfähig ist, nur über den richtigen Weg gebe es unterschiedliche Ansichten. Man könne die deutschen Verhältnisse nicht mit den finnischen vergleichen, meint ein Schüler. Schließlich würden die Finnen bei weitem mehr Geld in ihr Bildungssystem stecken als die Deutschen. Gerade hinsichtlich der Finanzen schienen die Schüler eher pessimistisch. Mehr individueller Unterricht und kleinere Klassen, das sei ja gut und schön, aber wie das denn bezahlt werden solle, fragt ein Schüler.

Eine gewisse Resignation ist nicht zu überhören. Doch genau gegen die wollen Fadavian und Eischet angehen. „Es heißt immer, dass die Jugendlichen zunehmend unpolitischer werden, und dagegen wollen wir etwas tun”, sagen sie. Der 16-jährige Phillip Eischet erzählt seinen Zuhörern aus der Jahrgangsstufe 13, warum er bei der CDU ist. „Für mich standen die christlichen Werte im Mittelpunkt.” Und dass auch die Schüler an Werten interessiert seien, zeigten die Diskussionen, die sie miteinander führten, meint er.

Darüber hinaus sprechen die beiden Nachwuchspolitiker mit den Schülern über Umweltpolitik, soziale Marktwirtschaft, Kernenergie und das aktuelle politische Geschehen.

Dass Fadavian und Eischet oft ganz gegensätzliche Ansichten vertreten, empfinden sie als Gewinn für die schulische Veranstaltung. „Unsere unterschiedlichen Meinungen sind ein guter Ausgangspunkt für die Diskussion mit den Schülern”, sagen sie.

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