1. Lokales
  2. Aachen

Neue Sturmschäden in Aachen : Alle Friedhöfe bis Mittwoch gesperrt

Neue Sturmschäden in Aachen : Alle Friedhöfe bis Mittwoch gesperrt

Erst rast „Sabine“ über die Stadt, und dann tobt eine Woche später „Victoria“ hinterher. Wieder stürzen Bäume um und fliegen Ziegel von den Dächern, wieder mussten Straßen gesperrt werden. Das Ausmaß der Schäden zeigt sich am Montag erst allmählich.

Eine Folge des neuerlichen Orkantiefs: Alle städtischen Friedhöfe in Aachen bleiben voraussichtlich Mittwoch, 19. Februar, geschlossen. Auch einzelne Spiel- und Sportplätze sind nach Angaben des städtischen Presseamts bis Mittwoch gesperrt.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Der Feuerwehr bescherte Orkantief „Victoria“ am Wochenende reichlich Arbeit. Von sechs Uhr am Sonntagmorgen bis sechs am Montagmorgen wurden in der Leitstelle 256 Sturmeinsätze in der gesamten Städteregion gezählt, 115 davon allein in der Stadt Aachen. Bei Richterich musste die Feuerwehr eingreifen, nachdem ein Baum auf Gleise der Deutschen Bahn gestürzt war. Die Wehrleute unterstützten Mitarbeiter der Bahn bei der Räumung eines Zugs, der nicht mehr weiterfahren konnte.

Die Eupener Straße in Richtung Belgien musste am Sonntag gesperrt werden, als während des Sturmeinsatzes der Feuerwehr noch weitere Bäume zu Boden gingen und die Situation richtig gefährlich wurde. Erst am Montag wurde die Sperrung aufgehoben. Zeitweise war auch die A44 zwischen dem Aachener Kreuz und der Abfahrt Brand dicht, weil ein Baum von der Fahrbahn entfernt werden musste. Die Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr seien wegen „Victoria“ zwölf Stunden lang in einem abgestimmten Schichtsystem dauerhaft im Einsatz gewesen, berichtet Lagedienstführer Max Nüßler. Die Aachener Polizei vermeldet indes für das Wochenende keine sturmbedingten Unfälle.

Große Schäden im Wald

Der Aachener Forst bekam durch den zweiten Sturm innerhalb einer Woche erneut eine mächtige Breitseite verpasst. „Der erste Sturm war für uns kein ‚Sabinchen’, sondern eine ausgewachsene ‚Sabine’, erklärt Gerd Krämer, der Leiter des Gemeindeforstamts, am Montag. „Nach dem zweiten Sturm haben wir aktuell noch keinen Überblick über die entstandenen Schäden.“ Krämers Leute sind seit dem Morgen unterwegs, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Zunächst wurden im Außenbereich die Waldränder kontrolliert, ob Bäume auf Häuser, in Gärten oder auf Straßen gefallen waren oder zu kippen drohten. „Danach werden wir die Waldwege aufschneiden, damit wir überhaupt in den Wald hineinfahren können“, erklärt der Forstamtschef. „Und dann erst können wir kontrollieren, wie es drinnen aussieht.“ Die Reimser Straße im Preuswald sei am Montagmorgen freigeräumt worden. „Dort kann die Aseag jetzt wieder rundfahren“, so Krämer.

Ganz schön gefährlich: Etliche Bäume au fdem Waldfriedhof sind entwurzelt, aber noch nicht am Boden. Foto: MHA/Harald Krömer

Allein durch Sturm „Sabine“, schätzt er, sind im Aachener Forst zwischen 4000 und 5000 Bäume zum Opfer gefallen, das entspricht etwa 5000 Kubikmetern Holz. „Das ist auch ein großer Vermögensschaden für die Stadt Aachen“, bilanziert Krämer. Im Preuswald etwa oder im Brander Wald habe es vor allem Bestände erwischt, die durch Trockenheit und Borkenkäferbefall bereits vorgeschädigt waren. Was nach „Victoria“ nun noch dazukommt. werde sich erst in den kommenden Tagen zeigen.

Eindringlich warnt Krämer davor, in den nächsten Tagen die Wälder zu betreten. „Das ist nach wie vor gefährlich, da stürzten noch Bäume nach.“ Auch am Sonntag, sagt er, seien viele Ausflügler unvernünftigerweise im Bösch unterwegs gewesen. „Ich kann nur den Kopf schütteln, wer da gestern alles unterwegs war.“

Stadtbetrieb kontrolliert

Die Baumkolonne des Stadtbetriebs hatte am Montag ebenfalls alle Hände voll zu tun. Zahlreiche Bäume, die bereits durch Sturmtief „Sabine“ gelitten hatten, waren durch den erneuten Wintersturm entwurzelt worden. Haupteinfallstraßen, Spielplätze und Schulhöfe wurden entsprechend kontrolliert.

Die städtischen Friedhöfe bleiben bis voraussichtlich Mittwoch, 19. Februar, geschlossen. Die Mitarbeiter vor Ort kontrollieren die Gelände auf Schäden. „Geplante Beerdigungen finden, wenn möglich, statt“, hieß es am Montag bei der Stadt. Auch vereinzelte Spiel- und Sportplätze sind aktuell gesperrt. Die dortigen Aufräumarbeiten sollen bis voraussichtlich Mittwoch, 19. Februar, erledigt sein.

Neue Schäden auf dem Waldfriedhof

Der Waldfriedhof an der Monschauer Straße, inklusive Ehrenfriedhof immerhin ein Areal von mehr als 30 Hektar, war am Montag menschenleer. Nach den neuerlichen Schäden durch den Sturm am Sonntag muss die Sperrung des Friedhofs weiterhin aufrechterhalten bleiben. Dabei sollten eigentlich auch der Waldfriedhof und der Friedhof Lintert am Montag wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Diesen Plänen hat der neue Sturm einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Bereits vor einer Woche habe „Sabine“ rund 40 Bäume entwurzelt, berichtet Friedhofsverwalter Michael Jacobi. „Jetzt am Wochenende sind noch einmal fünf bis sechs Bäume dazugekommen. Die waren wohl vom ersten Sturm schon angeknackst.“ Manche der mächtigen Bäume sind nicht umgestürzt, sondern hängen in den Kronen anderer Bäume. „Da muss nur ein Windstoß kommen, und die krachen runter“, sagt Jacobi und blickt etwas sorgenvoll auf eine große Birke mit doppeltem Stamm. Deshalb sei es vorerst viel zu gefährlich, Besucher auf den Friedhof zu lassen. Beisetzungen fanden am Montag dort unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. So wurden die Wege, die die Trauergesellschaften benutzen durften, genau festgelegt.. „Die meisten Friedhosfsbesucher haben auch Verständnis für die Schließung“, sagt Jacobi.