Aachen: Alemannias Mitglieder machen Druck

Aachen: Alemannias Mitglieder machen Druck

Die Auflistung, was alles passiert ist, seit Alemannias Jahreshauptversammlung Ende März 2012 stattfand, ist natürlich nicht vollzählig, sagt Klaus Offergeld. Der Verein liefert so viele Schlagzeilen, dass man kaum nachhalten kann, was das Präsidium seitdem erlebt hat.

Der frisch gewählte Präsident Meino Heyen ist wieder weg, die Manager Uwe Scherr und Erik Meijer sind von Bord gegangen, die Trainer Friedhelm Funkel, Ralf Aussem, René van Eck sind Geschichte, etwa 90 Prozent der GmbH-Angestellten entlassen, der Geschäftsführer Frihtjof Kraemer ist quasi unehrenhaft gekündigt worden, die Umschuldung ist gescheitert, das Vertrauen von Rat und Verwaltung ist verspielt, der Verein zwei Mal in Folge abgestiegen, die Volleyball-Abteilung übergesiedelt, zwei Gesellschaften insolvent, Anleihezeichner sind zu Gläubigern geworden — Offergelds Liste erfüllt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber fest steht für ihn und seine Mitstreiter: „Es gibt unglaublich viel Gesprächsbedarf für die Mitglieder. Es kann für den Verein keinen Grund geben, die vorgegebene Mitgliederversammlung satzungswidrig zu verschieben.“

Das Präsidium hatte letzte Woche bekanntgegeben, die bis Ende des Monats vorgeschriebene Zusammenkunft erst nach den Sommerferien stattfinden zu lassen. Erst will das Quartett wissen, wie sich der Rechtsstreit mit dem Vermarkter Michael Kölmel entwickelt, dessen Ausgang auch den Mutterverein in die Insolvenz treiben könnte. „Damit sind wir nicht einverstanden“, sagt auch Hans-Dieter Schaffrath, „die Mitglieder sind der Souverän des Vereins, sie müssen informiert werden.“

Er und Offergeld sowie die beiden Mitglieder Ralf Bündgen und Ex-Präsident Horst Heinrichs haben die Aachener Kanzlei Daniel Hagelskamp & Kollegen beauftragt, ihre Rechte durchzusetzen. Die Juristen haben Alemannias Präsidium bis zum 25. Juni um eine Stellungnahme gebeten. Die Mitglieder wollen den „Satzungsverstoß“ nicht akzeptieren, wollen notfalls mit Blick aufs Vereinsregister bis zum Amtsgericht ziehen, um ihr verbrieftes Recht durchzusetzen. „Ein kluges Präsidium hätte im März seine Mitglieder in die Überlegungen eingebunden und die Leute mitgenommen“, ärgert sich Offergeld. Weitergehende Forderungen stelle die Initiative nicht, sie fordere nur zeitnah die Terminierung der Sitzung, keine Neuwahl des Vorstandes, sagt Schaffrath.

Am Montagabend beriet auch die Fan IG die Lage. Die Anhänger begrüßten die Initiative der vier Mitglieder, sagt Philipp Kunze, stellvertretender Sprecher und Geschäftsführer. „Auch wir behalten uns weitere Schritte vor.“ Gleichwohl setze man weiterhin auf konstruktive Gespräche mit dem Vorstand. Denkbar sei zum Beispiel eine informelle Unterrichtung durch den Vorstand vor der überfälligen Jahreshauptversammlung.

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