Alemannia zurück in der Zukunft

Alemannia zurück in der Zukunft

Auf der Intensivstation gibt die Patientin verstärkt Lebenszeichen von sich — vollständige Rehabilitation und Genesung nicht ausgeschlossen. Die Gläubiger haben durch ihr Ja zur Fortführung der Alemannia-Pleite-GmbH einen neuen Herzschrittmacher eingepflanzt und müssen dabei selber bittere Pillen schlucken.

Das Überleben, der Weg in die Zukunft, für den zumindest das Tor nun geöffnet ist, geht nur auf dem Rücken derjenigen, die von Alemannia noch Geld zu bekommen haben. Vor allem sei dabei an kleine Firmen gedacht, die durch ausstehende Zahlungen in arge Not geraten sind. Sie alle werden nur noch einen Bruchteil ihres Geldes zu sehen bekommen.

Alemannia ist also zurück in der Zukunft. Diese gilt es jetzt zu gestalten. Während des Insolvenzverfahrens macht das vor allem der Geschäftsführer auf Zeit, Michael Mönig. Jetzt schon müssen aber die Weichen für danach gestellt werden — auch personell. Ein klarer Schnitt ist nötig. Gleichzeitig muss sich der TSV als Mutter berappeln. Auch da scheint jedoch ausgerechnet jetzt mal wieder eher Zwie- statt Eintracht programmiert.

Auch ein Blick in die Vergangenheit muss sein: Der Absturz hat nicht erst mit dem Tandem Heyen/Kraemer begonnen, wenngleich er da rasant an Fahrt gewann. Längst davor waren überdimensionierte Luftschlösser gebaut worden, die nun wie Sandburgen zerbröseln. Auch hier muss man die Frage nach Verantwortlichkeiten stellen.

Nach dem Beinahe-Tod kann Alemannia wirtschaftlich nur genesen, wenn es auf der sportlichen Seite klappt. Das Ziel, 2020 wieder in Liga 2 zu sein, scheint doch arg ambitioniert. Dazu müsste man alsbald massiv in Beine investieren. Doch dazu ist — zumindest derzeit — kein Geld da. Davon braucht man viel, wie das Beispiel RB Leipzig zeigt. Schließlich steigt man in Liga 4 nicht einmal als Klassenprimus auf, sondern kämpft noch mit den Rivalen aus anderen Regionalligen um die drei Plätze. Da aber bei Alemannia nichts — weder nach unten, noch nach oben — unmöglich ist, kann alles bald wieder anders aussehen.

Ein großer Druck lastet auf dem neuen Team und dem neuen Trainer-Gespann. Die kommende Saison ist in Sachen gesunde Alemannia von großer Bedeutung. Aber am Ende liegt die Wahrheit auf dem Platz. Und da bleibt — wie immer, wenn es um Alemannia geht — nur das Prinzip Hoffen und Bangen. Das gilt auch für die Frage, ob aus diesem unglaublichen Desaster Lehren gezogen werden.

s.mohne@zeitungsverlag-aachen.de