Aachen - Alemannia: Geschäftsführer der Fan IG wegen rechter Hetze in der Kritik

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Alemannia: Geschäftsführer der Fan IG wegen rechter Hetze in der Kritik

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
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FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 12.01.2018 Haus der Alemannia Fans Foto: Harald Krömer

Aachen. In der Regionalliga West hat das neue Fußball-Jahr noch gar nicht begonnen. Erst am 10. Februar steht das erste Pflichtspiel der Alemannia 2018 auf dem Programm: auswärts bei Westfalia Rhynern im westfälischen Hamm, und das ausgerechnet am Karnevalssamstag. Gar nicht jeck war ebenfalls die Nachricht, die der Geschäftsführer Fan IG, Horst Filbrich, dieser Tage verbreitete.

Per Whatsapp leitete er nämlich einen offenen Brief der TV-Schauspielerin Silvana Heißenberg an Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter, welchen die Mimin auf ihrer Facebook-Seite gepostet hatte. Darin kritisierte sie die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin – allerdings garniert mit Beschimpfungen und Beleidigungen Merkels sowie der Flüchtlinge, die pauschal als „illegale Asylschmarotzer“, Kriminelle oder gar Schlimmeres bezeichnet werden.

Auch wenn Filbrich dies gegenüber seinen Vorstandskollegen der Fan-IG als „persönliche Meinung, die nichts mit der IG zu tun hat“ deklarierte und erklärte, das Weiterleiten sollte lediglich der Information dienen, will das Team um den Vorsitzenden Thomas Wenge das nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Einen solch bösartigen und hetzerischen Text dennoch unkommentiert und undistanziert weiterzuverbreiten, ist nach einhelliger Auffassung des restlichen IG-Vorstandes absolut inakzeptabel“, formuliert der Vorstand in einer Stellungnahme auf Facebook wörtlich.

„Dieses Handeln ist aus unserer Sicht weder mit der IG-Satzung zu vereinbaren, nach der jegliche rechtsradikale Aktivitäten einen Vereinsausschluss zur Folge haben können, noch mit dem offiziellen Alemannia-Leitbild.“ An diesem Leitbild, das die Alemannia-Mitglieder im Sommer 2016 verabschiedet haben, hatten auch IG-Vertreter, namentlich Thomas Wenge selbst, mitgearbeitet. Darin bekennt sich die Alemannia zu Weltoffenheit und Toleranz. „Dazu stehen wir“, betont die Fan-IG in ihrer Stellungnahme.

IG-Vorstand tagt am Donnerstag

Thomas Wenge, der die Nachricht ebenfalls per Whatsapp erhalten hat und der sich von deren Inhalt deutlich distanziert, kündigte an, dass der Vorstand im Rahmen seiner nächsten Sitzung der IG am kommenden Donnerstag, 18. Januar, Horst Filbrich Gelegenheit zur Stellungnahme geben möchte, bevor man über weitere Maßnahmen entscheiden wolle. „Ich denke, das gebietet die Fairness, dass wir uns erst mit ihm selbst unterhalten, bevor wir irgendetwas entscheiden“, sagt Wenge, und weitere Entscheidungen könnten satzungsgemäß ohnehin nur im Rahmen einer Vorstandssitzung getroffen werden. „Im übrigen hat uns Horst Filbrich mitgeteilt, dass er bis dahin seinen Geschäftsführerposten ruhen lässt“, teilt Wenge mit.

Auch Alemannia-Präsident Martin Fröhlich bewertet den Inhalt der Nachricht als „unsäglich“. Er widerspreche dem Leitbild der Alemannia deutlich. „Wir sind als Verein weltoffen, zukunftsorientiert und tolerant. So steht es im Leitbild“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung und fügt hinzu: „Gerade mit unserem Breitensportangebot leisten wir einen Beitrag zur Integration, auch von Flüchtlingen. Damit erfüllen wir auch eine gesellschaftliche Aufgabe.“

Einen Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten, als es in Teilen der Anhängerschaft rechtsextreme Tendenzen und Übergriffe gab, sieht der Vereinspräsident in dem Vorfall aber nicht. „Das scheint mir ein Einzelfall zu sein. Unsere Fans haben sich zuletzt absolut in Ordnung verhalten.“ Allerdings räumte er ein, dass er natürlich die Vergangenheit kenne und die Situation deshalb genau beobachten werde.

Beobachtet wird der Vorfall auch im Verwaltungs- und Ehrenrat der Alemannia. So teilt der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Karl-Heinz Schmid, die Meinung von Vereinspräsident Martin Fröhlich. „Auch ich bekenne mich natürlich zur Weltoffenheit der Alemannia“, sagt er. „Deshalb kann ich eine derart extreme Äußerung im Umfeld der Alemannia nicht dulden.“

Juristische Bewertung

Den Verwaltungsratsvorsitzenden Schmid interessiert eine Klärung des Sachverhalts auch deshalb so sehr, „weil er der erste gewählte Nachrücker für den Fall ist, dass ein Mitglied aus dem Verwaltungsrat ausscheidet“, berichtet er.

Er habe bereits eine juristische Bewertung des Vorgangs in Auftrag gegeben. Wenn die vorliege, wolle er gemeinsam mit dem Ehrenrat über weitere Schritte beraten, teilt Schmid mit, der in diesem Zusammenhang auf Paragraf 8 der Vereinssatzung verweist, wonach die Mitgliedschaft bei der Alemannia dann beendet werden kann, „wenn ein Mitglied sich innerhalb oder außerhalb [...] der Alemannia homophob oder rassistisch äußert oder anderweitig sich homophob, rassistisch oder politisch-religiös extremistisch verhält, [...]“.

Horst Filbrich selbst erklärt gegenüber den „Nachrichten“: „Ich möchte jedoch an dieser Stelle und mit allem Nachdruck klarstellen, dass ich weder rechtsradikales Gedankengut verbreite noch rechtsradikal bin.“ Zur Sache selbst wollte er sich am Freitag nicht weiter äußern, da beim Landgericht Aachen noch eine Einstweilige Verfügung gegen eine vorangegangene Berichterstattung eines öffentlich-rechtlichen Senders anhängig sei. Erst wenn diese erlassen worden sei, „bin ich gerne bereit, ausführlicher Rede und Antwort zu stehen“.

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