Aachen: Alemannia: Die brennende Kerze im Dom hat bisher immer geholfen

Aachen: Alemannia: Die brennende Kerze im Dom hat bisher immer geholfen

Wie viele Pressekonferenzen hat es in den vergangenen Jahrzehnten bei der Alemannia schon gegeben, wo es ausschließlich um die wirtschaftliche Existenz des Traditionsklubs ging? Selbst Robert Moonen, quasi seit Geburt Fan der Schwarz-Gelben und seit 38 Jahren Stadionsprecher kann diese Frage nicht aus dem Stegreif beantworten.

Gestern war es wieder mal soweit. Alemannia-Präsident Meino Heyen hatte in den Medienraum am Tivoli geladen, um zu verkünden, dass der Ball jetzt doch noch - vorerst einige Wochen - weiterrollen kann. „Ein Geldgeber aus den eigenen Reihen”, so Vize-Präsident Helmut Kutsch, sei eingesprungen. Dass dies der Aufsichtsratsvorsitzende und Vereinschef selbst sei, wollte Kutsch nach einem kurzen Blickkontakt mit Heyen nicht bestätigen.

Über die aktuelle Situation war die Belegschaft der Alemannia inklusive der Drittliga-Mannschaft zeitnah informiert worden. Demnach werden momentan keine kompletten Gehälter ausgesetzt. Allerdings werde es „Einschnitte auf allen Ebenen” geben. Das betreffe sowohl Komfort und Service als auch das Personal. „Nichts bleibt unangetastet”, betonte Heyen. Aber über Entlassungen sei noch nicht geredet worden. „So weit sind wir noch nicht”, sagte Michael Nobis stellvertretend für den Aufsichtsrat.

„Die Alemannia verfügt über ein großes Netzwerk. Von heute auf morgen geht bei uns keiner in die Arbeitslosigkeit”, machte Nobis, den „um die 30” Angestellten am Tivoli ein wenig Mut. Dass neben dem bisherigen Geschäftsführer Frithjof Kraemer aber auch einige andere ihre Büros räumen müssen, scheint unumgänglich. „Wir müssen abspecken und erkennen, dass wir in der dritten Liga angekommen sind. Zusammen mit Bielefeld und Rostock haben wir den höchsten Personalstand in der dritten Liga”, erklärte Heyen.

Nicht davon betroffen ist die Stimme vom Tivoli, Robert Moonen. „Es ist schon traurig, dass es wieder mal so weit gekommen ist”, sagt er und weist darauf hin, dass sich die Schulden in den letzten vier Jahren angehäuft hätten und nicht etwa nur in den letzten Monaten. „Das ist schon ein längerer Prozess gewesen. Und ohne Michael Nobis wäre dass alles hier nicht aufgeflogen”, unterstreicht Moonen die tragende Rolle, die Aufsichtsrat Nobis seit seinem Amtsantritt im April 2011 bei der Alemannia spielt.

Der geborene Öcher Moonen bedauert auch, dass im großen schwarzgelben Mitarbeiterkreis im Laufe der letzten Jahre die „innere Identität mit der Alemannia” verloren gegangen sei. Dadurch seien viele Warnungen einfach nicht zur Kenntnis genommen worden.

„Dennoch gehe ich davon aus, dass ich auch in der kommenden Saison Spiele ansage”, blickt der jung gebliebene 66-Jährige frohen Mutes nach vorne: „Ich bin Optimist und denke, dass diejenigen, die jetzt die Verantwortung übernehmen, alles daran setzen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.”

Auch Robert Moonen steuert ein Ritual bei, das er in ähnlichen Situationen mit Erfolg erprobt hat: „Ich gehe wieder in den Dom und zünde eine Kerze an. Das hat bisher immer geholfen.”

Die kritischen Stimmen zur Alemannia mehren sich

Auf unserem Internetportal aachener-meinung.de mehren sich mittlerweile die kritischen Stimmen zur Alemannia.

Heinz Souvignier nimmt das „immer größer werdende Finanzloch bei der Alemannia mit Entsetzen zur Kenntnis und schreibt, dass es im Kreditgeschäft zwei eherne Regeln gibt: „Schlechtem Geld wirft man kein gutes Geld hinterher. Und: Man schüttet kein Wasser in ein Fass ohne Boden.”

Heinz-Josef Forsch sucht die großen Unternehmen, die Alemannia retten könnten: „Lambertz, Lindt, Zentis. Wo sind jetzt die Aachener Firmen?”

Christian Korr hält es für „eine bodenlose Frechheit, mit welcher impertinenten Arroganz und Ignoranz eine Vereinsführung einen Traditionsverein ins Verderben führt und den guten Willen der Politik und der Verwaltung ausnutzt”.

Frank Meurer langt es. Er schreibt: „Millionen über Millionen sind schon in die Alemannia geflossen, jetzt muss endlich Schluss sein. Für viele ist die Alemannia wichtig, aber eben bei weitem nicht für alle. Alle anderen Vereine müssen selber sehen wo sie bleiben, so muss es ab jetzt auch für die Alemannia sein.”

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