Aachen: Alemannia Aachen gründet E-Sports-Abteilung

Aachen : Alemannia Aachen gründet E-Sports-Abteilung

Vom Platz auf die Couch — so sieht Zukunft bei der Alemannia aus. Beim Traditionsverein ist eine neue E-Sports-Abteilung auf den Weg gebracht. Die ersten zarten Schritte zu etwas in Deutschland noch sehr jungem, frischen sind damit getan: Fußball soll am Tivoli in Zukunft nicht mehr nur auf dem Rasen, sondern auch als Videospiel kompetitiv unter dem Vereinsdach gespielt werden.

Dass hier etwas möglicherweise Großes geboren wird, war allerdings leicht zu übersehen. Angemessene Bedeutung konnte der Abstimmung über den Tagesordnungspunkt bei der Jahreshauptversammlung vergangene Woche nur beimessen, wer wusste, was genau zur Abstimmung gestellt war.

Besucher der Gamescom machen am 23.08.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) das Computerspiel Fifa 18. Die Computerspielemesse Gamescom findet vom 22. bis 26.08.2017 statt. Foto: Oliver Berg/dpa

Noch in den Kinderschuhen

Gregor Forst klärt die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung über die zu gründende E-Sports-Abteilung auf. Gespielt werden soll der Titel „Fifa 18“ (Foto oben links von der Gamescom in Köln), den man aufgrund seiner Beliebtheit als elektronischen Breitensport bezeichnen kann. Foto: dpa

Der Einstieg in den elektronischen Sport, für dessen Anerkennung und Schaffung einer olympische Perspektive sich sogar die Bundesregierung im Koalitionsvertrag ausgesprochen hatte, steckt auf professioneller Ebene in Deutschland noch in den Kinderschuhen, nimmt aber zügig Fahrt auf.

Für „Fifa 18“ — das Fußballspiel, um das es in der neuen Alemannia-Abteilung zunächst exklusiv gehen soll — gibt es bereits elektronische Ligen und große Turniere bis hin zur Weltmeisterschaft. Etliche Bundesligisten — FC Schalke 04, FC Bayern München oder der VFL Wolfsburg zum Beispiel — unterhalten bereits eigene E-Sports-Teams.

Die Ankündigung war kaum in der Welt, da kam auch schon der erste Rücklauf: mehr als 100 Kommentare zu entsprechen Posts auf Facebook und Instagram, Anmeldungen von „Fifa“-Spielern in zweistelliger Höhe. Und das, obwohl bis zur offiziellen Gründung der E-Sports-Abteilung noch mindestens eine wichtige Hürde zu nehmen ist.

Zuerst müsse nämlich geklärt werden, dass die neue Abteilung nicht die Allgemeinnützigkeit des Vereins gefährde, erklärten Daniel Peters und Gregor Forst, bei der Alemannia Ideengeber und treibende Kräfte hinter der Gründung. Die entsprechenden Unterlagen seien beim Finanzamt bereits eingereicht. Zweifel, dass die Hürde bald übersprungen ist und gegründet werden kann, haben die beiden nicht.

Es ist ein großer Schritt für die Alemannia. Ein Schritt nach vorne, da sind sich die Beteiligten sicher. Forst: „Wir gestalten damit ein Stück Zukunft unseres Vereins. Damit die Alemannia auch die nächsten 118 Jahre erfolgreich besteht.“ E-Sports als Teil des Traditionsvereins ... und dabei selbst schon Tradition im Verein: Der „Dr.-Forstbach-Cup“, ein von der Alemannia ausgetragenes Turnier im elektronischen Fußball, hatte erstmals 1994 stattgefunden — vor 24 Jahren.

Seit dem Jahr 2000 hat es zwar keine Ausgabe mehr gegeben, allerdings war damals schon klar geworden, wie viel Potenzial in der Sache steckt. „Wir hatten bei der letzten Ausgabe 78 Teilnehmer im Cinetower und rund 200 Zuschauer.“ Zu einer Zeit wohlgemerkt, als E-Sports eigentlich noch gar kein Thema war. Jetzt könnte es für den „Dr.-Forstbach-Cup“ wieder eine Zukunft geben.

Schwarze Null

Peters und Forst konzentrieren sich nun aber zunächst einmal darauf, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Zu Beginn wird der Betrieb der neuen E-Sports-Abteilung, so schätzen die beiden, einen drei- bis niedrigen vierstelligen Betrag kosten. „Wir wollen erstmal die Prozesse lernen, auf die es ankommt“, sagt Forst.

Die Playstation und Leute für die Organisation würden gestellt, es werde sich ehrenamtlich engagiert. Mit Blick auf die Finanzierung soll die schwarze Null unterm Strich stehen. Ausgaben werde es nur in der Höhe geben, wie Geld hereinkommt — durch Sponsoren, Spenden, Mitgliedsbeiträge und Einnahmen bei Veranstaltungen. Und die werden im Fokus der E-Sportler stehen.

Ein erstes Turnier mit 180 Teilnehmern ist bereits geplant. Qualifikationsturniere dafür sollen am 1. und 21. Juli stattfinden. Anmeldungen werden noch entgegengenommen ( siehe Infobox). Danach soll es mit Turnieren weitergehen um damit sukzessive Rücklagen zu bilden. Ein großes Turnier ist für März/April 2019 geplant — gespielt wird dann der Nachfolger „Fifa 19“. Die Qualifikationsspiele dafür sollen Ende des Jahres ausgetragen werden.

Wie es im kommenden Jahr darüber hinaus weitergeht, hänge vom Erfolg der neuen Abteilung ab: Wie groß ist das Interesse, wie viele Spieler melden sich an, wie viele Sponsoren und Spender beteiligen sich? Läuft es gut, dann sei sogar denkbar, dass schon im kommenden Jahr E-Sportler der Alemannia in der virtuellen Bundesliga mitmischen. Dann allerdings noch ohne Vertrag, sagt Forst. Das muss aber nicht so bleiben.

Profis, die vom Verein unter Vertrag genommen werden und dann im Alemannia-Trickot bundesweit, möglicherweise International spielen, seien in Zukunft durchaus denkbar.

Ein Ziel, aber nicht das einzige. Natürlich soll mit dem neuen Angebot die Alemannia für junge Menschen attraktiver werden, die den Verein bisher noch nicht auf dem Schirm haben. Neue Mitglieder zu gewinnen über die Integration einer neuen Sportsparte, die viele und vor allem junge Menschen feiern, klingt plausibel.

Weil aber nichts ohne die Zustimmung der Alemannia-Mitglieder geschehen soll, haben sie die Gründung der E-Sports-Abteilung dem Votum des Auditoriums bei der Jahreshauptversammlung überlassen. Ergebnis: mit 85 Stimmen dafür, 40 dagegen und ein paar Enthaltungen haben die Mitglieder mehrheitlich grünes Licht gegeben. Damit ist es — positiver Bescheid aus dem Finanzamt vorausgesetzt — offiziell: mit flinken Fingern am Controller kann man bei der Alemannia künftig sportliche Erfolge erzielen.

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