Aachen: Alemannia Aachen geht unter die Bierbrauer

Aachen: Alemannia Aachen geht unter die Bierbrauer

Na denn mal Prost! Gäbe es das neue Alemannia-Bier schon, die Verantwortlichen des Vereins hätten wie die 196 Mitglieder mehrere Gründe zum Anstoßen gehabt. Weil es nur noch wenige Tage bis zum Ende der Insolvenz sind, weil punktgenau zur Mitgliederversammlung am Dienstagabend die Genehmigung des Westdeutschen Fußballverbandes zur Übertragung auf die neue Spielbetriebs GmbH ins Haus flatterte, weil es zwei neue Ehrenmitglieder zu bejubeln gab und weil fast alle Gremien entlastet wurden.

Gerade mit Blick auf die neue TSV Alemannia Aachen GmbH, die zum 2. Juli den Spielbetrieb nach der Insolvenz übernimmt, hellte sich die Miene von Präsident Dr. Martin Fröhlich auf: „Unsere Ziele waren im vergangenen Jahr bei Amtsantritt, aus der Insolvenz zu kommen und den Spielbetrieb auf sichere Beine zu stellen. Das Motto lautete: liefern statt fordern. Und wir haben geliefert.“ Doch blickte der Präsident zugleich auf den steinigen Weg, der vor der Alemannia liege. Mit Politik und Verwaltung müssten noch viele Gespräche geführt werden, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Beobachtet wurde dies vom Podium aus von Karl-Heinz Schmid (Verwaltungsrat,von rechts), Carsten Laschet (Präsidium), Präsident Dr. Martin Fröhlich, Dr. Dirk Call (Aufsichtsrat), Max Baur (Verwaltungsrat und Moderator), Mike Schleiden (Aufsichtsrat), Johannes Delheid (Vize-Präsident), Björn Jansen (Schatzmeister) und Thomas Gronen (Präsidium). Foto: Andreas Steidl

Der Gesamtetat für die neue Saison liegt bei drei Millionen Euro, davon stehen Trainer Fuat Kilic — er wurde mit großen Applaus begrüßt — 1,2 Millionen Euro für den Spielerbereich zur Verfügung, rund 20 Prozent mehr als in der Vorsaison. Kalkuliert wird mit knapp 5000 Zuschauern, laut Fröhlich eine „konservative, solide, aber auch realistische Rechnung“. Die Markenrechte und der Internetauftritt bleiben als Konsequenz aus den Insolvenzen in Zukunft beim Mutterverein.

JHV Alemannia Aachen 2018 Foto: Andreas Steindl

Der steht laut Schatzmeister Björn Jansen immer noch auf soliden Füßen. Auch wenn, wie bereits berichtet, ein Fehlbetrag von knapp 60.000 Euro entstanden ist. Der resultiert aus Kosten für Rechtsberatung und Rettungsversuchen vor der letzten Insolvenz. Die Summe ist laut Jansen durch Rücklagen gedeckt. Offensichtlich sehen die Mitglieder — anwesend waren knapp fünf Prozent — im alten Präsidium die Hauptschuldigen für die Insolvenz. Nur so ist wohl zu erklären, dass die Entlastung für die früheren Ehrenamtler Heinz Maubach, Oliver Laven, Horst Reimig und Tim Hammer verweigert wurde. Folgen hat dies für das Quartett aber wohl nicht.

60 000 Euro Fehlbetrag

Bei aller Ausrichtung auf die erfolgreiche Zukunft der Kicker entwickelt sich Alemannia auch immer stärker wieder zum Breitensportverein. Das ging aus den Berichten der Abteilungen klar hervor, die jetzt um eine Sparte erweitert wurden. Aus der Futsal-Abteilung ist die für E-Sports hervorgegangen. Das heißt, FIFA 18 auf der Playstation wird künftig in der Gemeinschaft und im Wettbewerb gespielt. Dass auf diesem Weg eventuell Spielsucht gefördert werden könnte, sah der Initiator Gregor Forst nicht. Mitglied kann man erst ab 18 Jahren werden, das Ganze werde von Eltern begleitet und in der Gemeinschaft gepflegt. Umgekehrt erhoffe man sich neue Mitglieder für die Alemannia.

Den negativen Part der Versammlung musste zwangsläufig Geschäftsführer Martin vom Hofe übernehmen, der Pyros und Platzsturm beim Pokalendspiel in Bonn anprangerte: „Die Strafen dafür hatten wir nicht im Etat einkalkuliert.“ Konsequenzen werden folgen: Privilegien werden entzogen, es gibt vorläufig keine Choreospenden, keine Lagermöglichkeiten und kein Merchandising von Fan-Gruppen mehr. Aber er sagte auch: „Wir wollen weiter das Gespräch.“ Da war es doch versöhnlich, dass er zum Ausklang die Einführung eines neuen Durstlöschers ankündigte. Am 22. Juni wird bei der „Bierbörse“ das „Kaiserstädter - Das gute Alemannia-Bier“ vorgestellt, das eine Korschenbroicher Brauerei eigens für den Tivoli braut. Vielleicht wird das Bier- auch zur neuen Einnahmequelle.