Aachen: „Alegro“ soll die Energiewende beschleunigen

Aachen : „Alegro“ soll die Energiewende beschleunigen

Das Thema der Energieversorgung in Belgien müsse man ernst nehmen, man könne es nicht bei der Forderung, die Atomkraftwerke Tihange und Doel abzuschalten, belassen. Karl Schult­heis, Aachener SPD-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter, fasste so das Ergebnis eines Gesprächs zusammen, das am Freitagvormittag bei dem Energieversorgungsunternehmen Trianel an der Krefelder Straße stattfand.

Daran teilgenommen haben neben deutschen Sozialdemokraten unter anderem auch Jean-Luc Crucke, dem für Finanzen, Energie und Klima zuständigen Minister der wallonischen Region, weitere belgische Politiker sowie Vertreter von Trianel und der Stawag.

Während auf deutscher Seite viele Akteure die Abschaltung der maroden Atommeiler in Tihange und Doel fordern, hat man in Belgien Angst vor einer Unterversorgung. Klar ist: Wenn die nukleare Energie nicht mehr zur Verfügung steht, muss eine Alternative her.

Gas statt Atomkraft

Helfen soll beispielsweise eine neue internationale Stromtrasse, „Alegro 1“, die von Niederzier-Oberzier im Kreis Düren an der Autobahn 44 entlang bis nach Lixhe in Belgien führt. Es soll die erste Stromtrasse zwischen Belgien und Deutschland sein, die Fertigstellung ist für 2020 geplant. Solch eine Leitung wäre beispielsweise notwendig, wenn man sich in Belgien dazu entscheiden würde, statt auf Atomenergie auf Gaskraftwerke zu setzen, wie Trianel eines in Hamm betreibt.

Geht es nach der SPD, wird es schon drei Jahre später, 2023, eine zweite „Alegro“-Trasse zwischen Deutschland und Belgien geben. Diese soll im Süden Nordrhein-Westfalens verlaufen und bis Tihange reichen. Die Netzbetreiber, Amprion in Deutschland und Elia in Belgien, seien im Gespräch. „Wir finden dieses Projekt sehr interessant“, sagt Jenny Baltus-Möres, es gebe aber auf belgischer Seite dazu noch keine Entscheidung.

Grenzen vergessen

„Für uns ist das Thema Energieversorgung sehr wichtig“, sagte Jenny Baltus-Möres aus Eupen, Vertreterin der Partei für Freiheit und Fortschritt, den Liberalen, im wallonischen Regionalparlament. Das zeige schon, dass der Minister persönlich an dem Gespräch in Aachen teilgenommen hat. Baltus-Möres sagte außerdem, dass es aus ihrer Sicht gut sei, das Thema Stromversorgung und Energiewende nicht nur länderübergreifend, sondern auch parteiübergreifend anzugehen. „Wir müssen in dieser Sache sämtliche Grenzen vergessen und an einem Strang ziehen.“

Dass man in Nordrhein-Westfalen im Grunde vor ähnlichen Schwierigkeiten stehe, räumten die Vertreter der SPD ein, unter anderem Michael Hübner, Landtagsabgeordneter aus Recklinghausen, und Ulla Schmidt, Bundestagsabgeordnete aus Aachen. Die Belgier wollten sich von der Atomenergie trennen, in NRW seien die Tage der Kohleenergie gezählt. „Die Frage ist nur, wie und wann wir diesen Ausstieg gestalten“, sagt Ulla Schmidt. Es gelte Umweltaspekte, die Versorgungssicherheit und auch den Strukturwandel zu berücksichtigen.

Atomausstieg bis 2025

In Belgien wolle man bis 2025 aus der Atomenergie aussteigen. Dass man auf dem Weg dahin „auf Augenhöhe und ohne Arroganz“ mit den Partnern in Deutschland sprechen könne, sei sehr gut. Baltus-Möres betonte aber auch, dass sich die Wallonie auch mit Frankreich und anderen Nachbarregionen unterhalten werde.

„Wir haben heute viel von­einander gelernt“, erklärte Hübner. Beispielsweise, dass die in Deutschland üblichen kommunalen Stadtwerke in Belgien keine so große Rolle spielen. Hübner: „Es sind verschiedene Systeme, und wir müssen uns aufeinander zubewegen, um die Energiewende in Europa zu schaffen.“

Baltus-Möres‘ Parteikollege Nicolas Thisquen, der auch persönlicher Referent des Ministers ist, betonte, dass nun der Anfang für eine hoffentlich lange und nachhaltige Zusammenarbeit gemacht sei. Und zwar nicht nur auf nationaler, sondern vor allem auf regionaler und wirtschaftlicher Ebene. „Wir bereiten uns auf diese Weise gemeinsam auf eine Energiewende vor.“

In einem nächsten Schritt, so hat man sich am Freitag geeinigt, soll eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten gebildet werden. Darin vertreten sein sollen Experten der Energiepolitik sowohl aus der Wallonie als auch aus Nordrhein-Westfalen. Auch Mitarbeiter von Trianel und von einigen der angeschlossenen Unternehmen sollen mitwirken.

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