Aachen: Aktionstag „Ehrenwert“: Vereinte Vielfalt inmitten von Aachen

Aachen : Aktionstag „Ehrenwert“: Vereinte Vielfalt inmitten von Aachen

Vermutlich halten sich die Mitglieder der Katzenhilfe und des Erlebnismuseums der Kreisjägerschaft mit seinen ausgestopfen Waldtieren nicht sehr häufig in direkter Nachbarschaft auf. Beim sechsten Aktionstag Ehrenwert mussten sie dies aber, denn ihre Stände auf dem Katschhof standen nur einen Katzensprung voneinander entfernt.

Ein Problem war das natürlich nicht. Es zeigt wohl eher, dass die Aachener Vereine viele Facetten haben. Und Katzen sind ja schließlich auch keine klassischen Waldtiere, die dann ausgestopft werden.

Aachens Vereinswelt auf einem Platz: Beim sechsten Aktionstag Ehrenwert haben sich 160 Vereine vorgestellt. Darunter unter anderem die Bienenfreunde Euregio mit Lambert Wiertz (kleines Bild unten links“, der Feuerwehrverband (unten Mitte) und die Kreisjägerschaft mit dem Erlebnismuseum (unten rechts). Foto: Ralf Roeger

Bei Sonnenschein und ordentlich Wind präsentierten sich am Sonntag rund 160 Vereine im Rahmen des Aktionstages, der schon seit 2012 in der Aachener Innenstadt stattfindet. Neben vielen Ständen und Bühnenprogramm gab es zudem einen der selten gewordenen verkaufsoffenen Sonntage obendrauf, ergo die Stadt war brechend voll. „Als Verwaltung haben wir vorher eine Menge zu organisieren, aber den Rest leisten die Vereine. Sie machen das großartig“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp bei seiner Begrüßung auf dem Katschhof.

Aachens Vereinswelt auf einem Platz: Beim sechsten Aktionstag Ehrenwert haben sich 160 Vereine vorgestellt. Darunter unter anderem die Bienenfreunde Euregio mit Lambert Wiertz (kleines Bild unten links“, der Feuerwehrverband (unten Mitte) und die Kreisjägerschaft mit dem Erlebnismuseum (unten rechts). Foto: Ralf Roeger

Zudem freute sich der erste Bürger der Stadt über das herrliche Herbstwetter: „So schön wie heute war es vergangenes Jahr nicht. Vielleicht liegt es daran, dass das Glück mit den Tüchtigen ist.“ Dieses Mal mussten sich die Vereine nicht gegen Regen wappnen, sondern gegen den Wind. Denn der riss in Etappen gerne Stände um oder schmiss Material zu Boden. Die Mitglieder improvisierten, hielten fest, was festzuhalten war und warteten die Böe gelassen ab. „Es ist großartig, zu sehen, was unsere Stadt zu bieten hat“, so der OB weiter.

Unter anderem gibt es ja die besagte Katzenhilfe. Rund 800 Mitglieder hat der Verein, sagte Peter Külms, der den Stand zum ersten Mal betreute. „Es waren schon einige sehr interessiert und haben Werbematerial mitgenommen“, sagt er. Es sei eine gute Chance, sich bekannter zu machen und ein bisschen was falle auch immer für die Spendenbox ab. Außerdem verkaufte Külms hübsche Jutebeutel mit Katzenmotiv — und die kamen ziemlich gut an. Um die Ecke, vorbei am hoch frequentierten Erlebnismuseum, hatte Albert Krott von den Orchideenfreunden Aachen-Dreiländereck seinen Stand aufgebaut.

„Mehr Aufmerksamkeit“

„Dieser Platz hier ist viel besser. Im letzten Jahr waren wir im Elisengarten, aber hier haben wir deutlich mehr Aufmerksamkeit“, sagte er. Er verteilte fleißig Flyer und hatte auch ein paar prächtige Orchideen mitgebracht. Derzeit habe der Verein nur noch rund 30 Mitglieder. Das möchte Krott natürlich ändern. Daher wirbt er für die geliebten Orchideen und den Verein.

Für den einen oder anderen dürfte ein Gespräch an diesem Stand sicher sehr interessant gewesen sein, denn vermutlich ist den meisten schon einmal eine der hübschen Pflanzen eingegangen. „Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Für Orchideen braucht man Erfahrung. Manche brauchen Licht, andere haben lieber Schatten, das muss man lernen“, sagt er. Und mit diesem Wissen punktete er. Den Flyer steckte beinahe jeder Besucher, der vorbeikam, ein.

Ähnlich gut lief es am Münsterplatz bei den Bienenfreunden Euregio. Kein Wunder, der kleine Schaukasten mit den fleißigen Bienen darin war ein wahrer Hingucker. Natürlich kam auch der Honig sehr gut an. „Ich nehme noch zwei Gläser mit“, sagte ein Besucher. Aber, so berichteten die beiden Vereinsmitglieder Lambert Wiertz und Georg Hölscher, viele würden auch nachdenklich, wenn sie dort ankämen. „Die Problematik des Bienensterbens ist ein großes Thema bei uns“, sagte Wiertz. „Wir versuchen dann zu erklären, dass wir selbst Schuld daran haben.

Die Pestizide und all diese Dinge schaden sämtlichen Insekten“, so Hölscher. Trotz der schweren Themen diene der Stand aber auch zur Mitgliedersuche. Etwa 90 Mitglieder zählen die Bienenfreunde derzeit, aber das solle natürlich noch gesteigert werden. „Man kriegt immer Leute dadurch“, sagte Hölscher.

„Richtige Lageratmosphäre aufgebaut“

Während im Elisengarten die Hunde des Retriever-Fördervereins los waren und ein paar Tricks vorführten, der Feuerwehrverband kleine Feuer entzündete — natürlich kontrolliert und unter Aufsicht — und schließlich spektakulär wieder löschte, die Tänzerinnen des AFC Aachen Vampires eine flotte Sohle hinlegten und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sich mir großem Ausrüstung vorstellten, konnten Neugierige bei den Pfadfinderinnen St. Georg den heißen Draht bedienen. „Wir haben hier eine richtige Lageratmosphäre aufgebaut“, sagte Sabine Kock, geistliche Leiterin im Diözesanverband PSG Aachen.

Daher waren neben dem heißen Draht auch noch ein kleines Lagerfeuer, Töpfe und Seile zu finden. „Es ist ziemlich wichtig, dass wir uns hier präsentieren können. Man kommt ins Gespräch mit Eltern und Kindern und der Verband kann sich so vorstellen wie er möchte“, so Kock weiter. Daher sitzt auch ein junger Pfadfinder neben dem Feuer und hält ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es auch Jungs“ hoch. „Bei uns sind auch Jungs und Männer willkommen. Aber es dürfen nur Frauen in höhere Ämter“, sagte Kock und lächelte.

So wie diese beispielhaften Vereine gab es noch eine ganze Menge mehr zu entdecken. Daher wird jeder Besucher diesen Tag anders erlebt haben. Was aber immer bleibt ist der Eindruck, dass die Aachener Vereine viel zu bieten haben.

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