Aktion „Sprich mit mir!“ soll Eltern im Umgang mit dem Handy schulen

Kampagne der Jugendämter und des Gesundheitsamts : Eltern, legt doch mal das Handy weg!

„Sprich mit mir!“ Unter diesem Motto haben alle Jugendämter in der Städteregion Aachen sowie das städteregionale Gesundheitsamt eine Aktion gestartet. Sie soll Eltern davor warnen, ihrem Handy mehr Aufmerksamkeit zu schenken als ihrem Kind. Auch die städtische Kindertagesstätte Reimser Straße im Preuswald beteiligt sich an der Kampagne. Kita-Leiterin Petra Pfeifer-Schmitz erzählt, warum.

Die eine Hand schiebt den Kinderwagen, die andere hält das Handy ans Ohr. Oder: Die eine Hand zerrt das Kleinkind vorwärts, die andere tippt auf dem Handy herum. Solche Bilder kann man täglich sehen. Eltern sind vollkommen vertieft in ihr Telefon, und das Kind läuft irgendwie nebenher. Smartphones bestimmen den Alltag längst vorne und hinten. Aber wie geht es dem Kleinen im Kinderwagen? Und dem Kind an der Hand? Alle Jugendämter in der Städteregion Aachen sowie das städteregionale Gesundheitsamt haben dazu bereits vor Monaten eindeutig Position bezogen. Sie sehen die große Gefahr, dass Eltern ihrem Smartphone allzu oft mehr Aufmerksamkeit schenken als ihrem Kind. Mit der Aktion „Sprich mit mir!“ appellieren sie an Mütter und Väter, nicht das Handy, sondern ihre Kinder im Blick zu haben. Und mit ihnen zu reden.

Plakate, Filmclips und Postkarten sollen das Thema nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern vielmehr humorvoll und mit einem Augenzwinkern vorbringen. In einem der Filme ist ein einkaufende Vater derart von seinem Handy gefesselt, dass er an der Kasse nicht nur die Einkäufe, sondern aus Versehen auch das Kind aufs Band packt. Das ist lustig anzuschauen, aber in Wirklichkeit gar nicht lustig. Starren Eltern zu oft aufs Handy, reden sie nämlich zu wenig mit dem Kind, warnen die Fachleute. Die Folge: Dem Kind, insbesondere dem Baby, fehlt das Allerwichtigste, um gesund aufwachsen zu können: die Kommunikation mit seinen engsten Bezugspersonen, den Eltern. Nur so kann sich die Sprache des Kindes entwickeln.

Draußen im Preuswald aufgegriffen

In der städtischen Kindertagesstätte Reimser Straße, draußen im Preuswald, hat das Team die Kampagne „Sprich mit mir!“ gerne aufgegriffen. Die Cartoon-Postkarten hängen an den Türen zu den Gruppenräumen. Auch am Eingang ist eine angebracht, und darüber, unübersehbar, eine große Zeichnung mit einem durchgestrichenen Handy.

2017 hat die Kita ihr neues Gebäude bezogen. „Das Schild hatten wir aber auch schon im alten Haus an der Tür“, erzählt Kita-Leiterin Petra Pfeifer-Schmitz. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet sie als Erzieherin, seit 1997 im Preuswald, seit 2002 als Kita-Leiterin. Die Plakate und Postkarten, sagt sie, „die treffen den Nagel auf den Kopf. Eltern reden nicht mit den Kindern, weil sie mit dem Handy beschäftigt sind.“ Seit Jahren sei das an der Reimser Straße bereits Thema. Und wenngleich nur eine Handvoll Eltern derart auffalle, bemüht sich das Team doch jedes Jahr aufs Neue, Mütter und Väter dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, die Kinder anzuschauen und mit ihnen zu reden. „Wir sprechen keine Verbote aus“, sagt Pfeifer-Schmitz, „aber wir bitten die Eltern, ihr Handy in der Tasche zu lassen, wenn sie ihre Kinder bringen oder abholen. Wir möchten ein Bewusstsein für eine gesunde Handy-Nutzung schaffen.“ Das treffe auch durchweg auf Verständnis.

Eltern sollten ihren Kindern Aufmerksamkeit schenken und nicht dem Mobiltelefon. Darum geht es in der Kampagne „Sprich mit mir!“. Foto: Patrick Pleul

Gerade in den Hol- und Bringzeiten sei Aufmerksamkeit wertvoll, betont die Kita-Leiterin. Da haben vielleicht die Erzieherinnen wichtige Informationen, die sie den Eltern mit auf den Weg geben wollen. Vor allem aber geht es Pfeifer-Schmitz um die Kleinen: „Sobald Eltern nachmittags die Kita betreten, sollte die Aufmerksamkeit den Kindern gehören.“ Denn die Kleinen müssten schließlich dringend erzählen, was sie den Tag über erlebt haben. „Eltern, die ihre Kinder anschauen und mit ihnen sprechen, signalisieren: Du bist mir wichtig, ich bin für dich da“, sagt Pfeifer-Schmitz. Diese Zuwendung brauche ein Kind für seine (sprachliche) Entwicklung.

Sabine Schmitz holt an diesem Nachmittag ihr Enkelkind aus der Kita ab. „Das ist eine vernünftige Idee“, sagt sie mit Blick auf das Handy-Verbotsschild am Eingang. „Ich sehe hier immer wieder Eltern mit Handy am Ohr. Da bekommt das Kind dann keine Zuwendung.“ Sie selbst lasse ihr Handy immer zu Hause, wenn sie in die Kita gehe, sagt sie.

Für die Frauen und Männer, die in der Kita Reimser Straße mit den 89 Kindern im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren arbeiten, gilt übrigens auch Handyverbot. „Während der Arbeitszeit liegen die Handys in der Schublade“, sagt Pfeifer-Schmitz. Das sei für alle städtischen Kitas so geregelt.

www.imblick.info

Mehr von Aachener Nachrichten