Aktion für Tierschutz in der Städteregion Aachen

Neuer Tierschutzhof : Ein sicherer Hafen für misshandelte Vierbeiner

Unterernährt, misshandelt oder als bloße Ware gesehen: Immer mehr Tiere in der Städteregion leiden unter ihren gedankenlosen Besitzern. Die Gemeinnützige Tierschutzgesellschaft und die Städteregion haben jetzt einen neuen Tierschutzhof in Kornelimünster eröffnet.

Es sieht idyllisch auf dem gepflegten Hof Steinebrück in Kornelimünster aus. Auf der Wiese hinter den Tierställen laufen Pferde über das Gras. Genau hier, in dieser Idylle, ist jetzt ein neuer Tierschutzhof eröffnet worden. In Kooperation mit der Städteregion hat die Gemeinnützige Tierschutzgesellschaft (GTG) in den vergangenen acht Monaten 22 neue Ställe für misshandelte Tiere gebaut.

Der Unterschied zu gewöhnlichen Tierheimen liegt in den Bewohnern: Nur Großtiere wie Kühe, Pferde und Esel – in seltenen Fällen auch Schafe – finden hier ein Zuhause. Zuvor sind die misshandelten Tiere durch das Veterinäramt der Städteregion ihren Besitzern weggenommen worden. Zu Spitzenzeiten werden auf dem Hof bis zu 30 Tiere gleichzeitig untergebracht.

„In den vergangenen Monaten ist etwas entstanden, das man kein zweites Mal in Deutschland findet“, sagt Romy Lang, Geschäftsführerin der GTG. „Ein Hof für Tiere, die der Mensch fälschlicherweise als Nutztier bezeichnet.“ Viel zu häufig würden die großen Vierbeiner auf engem Raum eingepfercht – und das nur, weil der Mensch dahinter nach Gewinn strebe. „Dabei sind diese Tiere von Natur aus ständig unterwegs“, sagt Lang.

Der neue Hof ist ein weiterer Schritt, den Tieren einen Teil ihrer  Würde wiederzugeben. Die neuen Boxen – umgebaute Autogaragen – liegen weit über dem vorgeschriebenen Standard. Unter den 22 Einzelanfertigungen gibt es auch Mutter-Kind-Boxen und Laufboxen, und alle sind mit Wärmeböden und Außengehege ausgestattet.

Mit diesem zweiten Bau hat die Tierschutzgesellschaft darauf reagiert, dass immer mehr misshandelte Tiere in der Städteregion entdeckt werden. Die Plätze an dem bis dahin einzigen Tierhof der GTG reichten nicht mehr aus.

Der neu eröffnete Tierhof ist also der zweite der GTG. Ein wichtiger Grund für die Zusammenarbeit mit Romy Lang und ihrem Team sei auch gewesen, dass die Tiere in gute Hände geraten, betonte Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU). Anderswo gerieten Tiere auch nach ihrer Genesung wieder an Tierquäler, bei denen sie zurück ins Elend wandern oder gar den Tod finden.

Doch die Kühe, Pferde und Esel, die hier aufgepäppelt werden, würden hinterher nicht einfach in einer Auktion verkauft. „Stattdessen sucht die GTG gezielt nach geeigneten Privatpersonen, bei denen wir kontrollieren können, dass die Tiere in guten Händen sind“, sagte Etschenberg zufrieden.

Geschäftsführerin Romy Lang erzählte auch von ihrer persönlichen Motivation, einen Tierhof einzurichten: „Wer einmal erlebt hat, wie die Lebensfreude bei einem misshandelten Pferd zurückkehrt, wie aus einem verängstigten Wesen wieder ein lebensfrohes Tier wird, für den ist die Vorstellung, es abweisen zu müssen, unerträglich.“ Lang ist mit dem Hof ihrem eigenen Wunsch einen Schritt näher gekommen: kein Tier, das Hilfe braucht, allein zu lassen.

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