Aktion am Samstag auf dem Aachener Theaterplatz

Theater bekennt sich zum gemeinsamen Kontinent: Europäische Republik startet

Wie wird aus einem bürokratischen Konstrukt ein tatsächliches Europa? Oder wie können wir dafür sorgen, dass die Idee einer freien, gleichberechtigten Wertegemeinschaft in Europa dem Ansturm eines blinden Nationalismus standhält? Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt einer neuen Veranstaltungsreihe des Theaters Aachen.

Unter dem Titel „Utopie 5.0 – Rettet die Demokratie“ sollen Spezialisten zu Wort kommen, die Visionen für ein globales Zusammenleben und für transnationale demokratische Kommunikation entwickelt haben.Einen fulminanten Auftakt soll die Reihe am heutigen Samstag um 16 Uhr auf dem Theatervorplatz finden: Aus einem der Fenster verlesen Schauspieler das „Manifest zur Ausrufung der Europäischen Republik“. Und als „European Balcony Project“ wird das zeitgleich in ganz Europa als große verbindende Performance geschehen. Verfasst wurde das Manifest von dem Autor Robert Menasse, der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot und dem Regisseur Milo Rau.

„Wir erklären alle, die sich in diesem Augenblick in Europa befinden, zu Bürgerinnen und Bürgern der europäischen Republik. Wir nehmen unsere Verantwortung für das universale Erbe der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte an und geloben, sie endlich zu verwirklichen“, heißt es unter anderem in dem kurzen Manifest, das in Aachen aus einem der Theaterfenster heraus in einer Vielzahl von EU-Sprachen vorgetragen werden soll. „Wir wollen so alle Passanten ansprechen, aber natürlich auch all jene, die ganz besonders an dem Thema interessiert sind“, sagen Chefdramaturgin Inge Zeppenfeld und ihre Kollegin Gesa Lolling. Es sei zwar aus der Mode gekommen, Utopien zu entwickeln, aber genau das wollen sie tun. Althergebrachte Ideen verwerfen, um neue entwickeln zu können: Das ist gerade auch mit Blick auf Europa der Ansatz, der die beiden Theaterfrauen antreibt.

Die Zuhörer auf dem Theatervorplatz sind nach Verlesung des Manifestes zu einem Nachgespräch ins Theater eingeladen. Arndt Kohn, Mitglied des Europäischen Parlaments, steht in der Kammer als Gesprächspartner zur Verfügung. Kohn ist davon überzeugt, dass „nur ein modernisiertes und letztlich starkes und geeintes Europa die Herausforderungen unserer Zeit lösen kann“. Außerdem werden proeuropäische Gruppierungen wie „Pulse of Europe“ und „AEGEE Aachen“ anwesend sein, und das „Europe Direct Informationsbüro Aachen“ wird seine Arbeit vorstellen. An Ideen für die drei Folgeveranstaltungen innerhalb der Reihe „Utopie 5.0 – Rettet die Demokratie“ mangelt es Inge Zeppenfeld und Gesa Lolling nicht. So stellt sich Inge Zeppenfeld unter anderem eine begehbare Demokratie-Utopie vor, die globale Zusammenhänge gleichsam durch Ausprobieren erlebbar machen soll. europeanbalconyproject.eu/en/

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